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People | 05.03.2018

Ein Schloss, eine Frau & 100 Pferdestärken

Die gelernte Krankenschwester Karin Lock hatte vor 25 Jahren den Mut ein Schloss zu kaufen, um in den alten Gemäuern ihr Lebenswerk zu beginnen. Heute ist das Reitgut Schloss Niederabsdorf ein wunderbarer Ort der Begegnung zwischen Mensch und Tier. Ihr Credo: „Reiten leben lernen!“

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(© privat)

Mitten im Weinviertel, nur 40 Minuten von Wien entfernt, liegt das Reitgut Schloss Niederabsdorf. Seine Gemäuer sind älter als das Land Österreich, das Schloss einst das Refugium der Liechtensteins – bis Karin Lock im Jahr 1993 das stark renovierungsbedürftige Kleinod erwirbt. Anfangs, als der Tag noch mit groben Renovierungsarbeiten gefüllt ist, betreibt sie das Schloss nur mit einem Pferd. Doch bald füllt vierbeiniger Nachwuchs das Gehöft: Neben Hunden, Katzen und Pferden tummeln sich Esel, Schweine und jene Tiere, die Karin Lock aus unwürdigsten Verhältnissen oder vor dem Schlachter rettete. Heute zählt das Reitgut über 100 Pferde und eine Heerschar an Reiterkindern und Einstellern – umgeben von Wiesen und dem betörenden Duft von über 300 Rosenstöcken.

Niederösterreicherin: Frau Lock, woher nahmen Sie den Mut, ein so stark renovierungsbedürftiges Schloss zu kaufen?
Karin Lock: Als ich dieses Haus zum ersten Mal besucht habe, hatte ich das Gefühl, endlich nach Hause gekommen zu sein.  Alte Häuser, und dieses besonders, haben eine Seele. Sie zeigen dir, was sie brauchen. Dieses Schloss wurde einst für die Tierhaltung gebaut und als Pferdeliebhaberin ist es geradezu ideal, um hier Pferde zu halten.
Was waren für Sie zu Beginn die größten Herausforderungen?
Am Beginn eindeutig der Widerstand in der Bevölkerung. Es war fast schon so, als wäre ich eine Hexe. Danach kamen die baulichen Herausforderungen, wie die desolaten Strom- und Wasserleitungen, ein komplettes Kanalsystem erschaffen, sämtliche Fenster sanieren, eine Heizungsanlage bauen und aus einem Innenhof eine Reithalle zu gestalten. All das war zu meistern, während ich die Pferde ausgemistet, Reitstunden gegeben und für Ferienkinder gekocht habe.


Gemeinsam mit Ihrem Partner Michael führten Sie das geschichtsträchtige Schloss als modernes Reitgut-Unternehmen in ein neues Jahrtausend, und stellten Ihre Vision unter dem Motto „Reiten leben lernen“. Was meinen Sie damit?
Reiten ist eine Überzeugung, es ist Leben und jeder lernt hier viel. Über den Umgang mit anderen, aber auch mit sich selbst. Der Umgang mit Pferden schult viele positive Eigenschaften wie Verantwortung übernehmen,  Konzentration, Koordination,  gutes Selbstbewusstsein,  Ausdauer und Körperbewusstsein.  Die Arbeit mit den Pferden unterstützt aber auch beim Lösen von Störungen des Sozialverhaltens und seelischen Verspannungen sowie Kommunikationsproblemen.  In jedem Alter und zu jeder Zeit.

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KARIN LOCK. Internationale Reittrainerin (© privat)

Im Ponyland tummeln sich viele Kinder. Was wollen Sie der Jugend neben einer Reitausbildung noch vermitteln?
Dass es auch ein Leben ohne Facebook oder Whatsapp gibt! Wir leben mit unseren Tieren in und mit unserer Umwelt, wir brauchen ein Zusammengehörigkeitsgefühl, emotionale und soziale Kompetenz und das Ganze ohne Elektronik. Auf wertschätzenden Umgang wird sehr viel wert gelegt. Eine Gebrauchsanleitung für unser Leben inkludiert auch das Verständnis für unsere Mitmenschen und die Tiere.


Sie selbst sind internationale Reittrainerin. Was bedeutet Ihnen die Arbeit mit den Pferden?
Ich habe aus der Liebe zu den Pferden – meiner Berufung – meinen Beruf gemacht. Die Pferde sind der Motor, das Öl im Feuer meines Tuns.  Aus ihnen schöpfe ich die Energie, andere Menschen an dieser Freude teilhaben zu lassen, und ihnen immer wieder aufs Neue die Feinheiten des Reitens und die Zwischentöne der Kommunikation zwischen Mensch und Tier zu vermitteln.


Die Forderung nach Nachhaltigkeit ist in aller Munde und gewinnt auch rund um den Reitsport eine immer größere Bedeutung ...
Ja, das ist richtig und gut so. Ich bin immer bestrebt, neben Mensch und Tier auch die Umwelt so gut es geht zu schonen. Aus diesem Grund  habe ich auf  freiwilliger Basis einen 22-seitigen Nachhaltigkeitsbericht über das Reitgut Schloss Niederabsdorf verfasst. Dessen Inhalt ist unter anderem auch, dass unsere Futtermittel aus nicht weiter als 30 Kilometer Entfernung kommen, auf unserer Anlage und am neun Hektar großen Naturreitplatz Bienen und Schmetterlingswiesen entstanden sind, statt Zierpflanzen Obstbäume gesetzt und ein Naschgarten für Kinder gepflanzt worden ist. Auch verstehe ich darunter den nachhaltigen Umgang mit Leben, deshalb sind wir auch eine Pflegestelle für Hunde aus dem in- und ausländischen Tierschutz, welche bei uns zur Vermittlung stehen.

Reitgut Schloss Niederabsdorf
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Liebevoll gestaltet. Die Badezimmer in verschiedenen Farben (© privat)
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Gemütliche Apartments für Kinder und Jugendliche, die hier ihre Reitferien verbringen. (© privat)

Wie darf man sich Ihren Arbeitstag vorstellen?
Wir beginnen mit kräftigem Kaffee, dann ab ins Büro. Danach kümmere ich mich um die Organisation für Reiterprüfungen, Ferienkinder, Tierschutz und die Kundenbetreuung, bevor es zur Pflege und dem Beritt der Pferde geht. Dazwischen steht dann noch die Betreuung und Vermittlung der Hunde auf der Liste, immer wieder ein offenes Ohr für die Anliegen der Pferdebesitzer zu haben, und die Einteilung der laufenden Arbeiten für das Stallpersonal zu machen. Mein Mann versorgt mich zu Mittag mit tollem Essen und während des Reitunterrichts mit einem Getränk.  Nachmittags erteile ich Reitunterricht. Immer öfter stehen abends, dank der neuen Technik wie Webseminare, auch regelmäßig Fortbildungen auf dem Programm.  


Und das nennt man dann einen Fulltime-Job. Wie erleben Sie dabei Ihre glücklichsten Momente?
Im Rosengarten zwischen den duftenden Rosen zu entspannen, meine Pferde und Hunde zu beobachten und sie glücklich zu wissen. Dazu gehört auch Demut. Sie schärft den Blick, sich der schönen Momenten des Tages bewusst zu sein und die kleinen, glücklichen Augenblicke des täglichen Lebens zu genießen.

Infos zu Reitunterricht oder Reiterferien:
www.ponyland.at