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People | 12.03.2018

„Ich wollte immer auf die Bühne“

Charlotte Ludwig plauderte als Kind mit Freddy Quinn und Leonard Bernstein, sie war Reiseleiterin und ist PR-Frau, mit 60 verwirklicht sie ihren Traum vom Kabarett. Wir besuchten sie daheim in Würmla.

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(© Manfred Baumann)

Leondas funkelt sein Frauchen mit verführerischen grünen Augen an. Prompt wird der Kühlschrank geöffnet – und der Herr mit dem glänzenden Fell mit Sauerrahm verköstigt. „Er ist ja eines meiner Kinder“, schmunzelt die „Frau Mama“ und deutet auf die liebevoll drapierten Kratzbäume im Wohnzimmer. Neben Katzenkalender und sogar -teller hängt ein Werk von Dina Larot: „Für meine liebe Freundin Charlotte Ludwig“, steht darauf geschrieben. Schon sind wir mitten im Leben einer Frau, deren Lebenslauf viele klingende Namen säumen.

Promis in der Kantine. Begonnen hat alles im Theater an der Wien, wo ihre Eltern Jahrzehnte hindurch die Kantine betrieben. „Ich kam von der Schule, half beim Mittagsgeschäft, machte meine Hausaufgaben und freute mich schon auf die Abendvorstellung“, erzählt Charlotte Ludwig. Sie plauderte dort mit Künstlern wie Freddy Quinn und Krista Stadler, sie lernte Leonard Bernstein kennen und besuchte Johannes Heesters später schon als Freund in Berlin. Für sie war klar: „Ich wollte auf die Bühne!“
Doch ihr Vater kannte nur zu gut die Schattenseiten des Showgeschäfts: „Er sah all die Tänzerinnen, die Tag und Nacht arbeiteten – damals oft für einen Hungerlohn. Nur wenige machten große Karriere“, erinnert sie sich zurück. Das Nein des Herrn Papa ist quasi in Stein gemeißelt, die Rebellion für die ehemalige Klosterschülerin unvorstellbar. Also absolviert sie anstatt einer Schauspiel- eine Tourismusschule. „Aber das war gut so, ich habe auch das gemocht.“ Und wenn schon ein anderer Weg, so sollte er ihr Fernweh stillen. „Ich hab‘ bereits als Kind ,Ich bin ein Mädchen aus Piräus‘ gesungen“, lacht sie. Sie wird Reiseleiterin in Griechenland. Aber nicht nur: Im Eiltempo lernt Charlotte Ludwig Griechisch, singt in Bouzouki-Lokalen und unterstützt einen Freund in dessen Pizzeria. In ein Loch fällt die bis dato quirlige Frau selbst während der Wintermonate nicht; „da habe ich auf Bällen in Wien serviert oder bin in griechischen Lokalen für Essen und Trinken aufgetreten.“
In dieser Zeit entdeckt sie auch das Karaokesingen für sich und wird in Windeseile Österreichische Karaokemeisterin. „Im Finale war die Anlage ausgefallen; da habe ich Whitney Houstons ,Greatest Love of All‘ a capella gesungen – und gewonnen.“

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KARRIERESTART MIT 60. „Ich bin Österreichs älteste Jungkabarettistin“, lacht Charlotte Ludwig. (© Conny)

Charlotte Ludwigs Auftritte im März 2018

7. März, 19:30 Uhr, Schwarzberg (1040 Wien);  „Cissy Kraner Chansons & Evergreens“ gemeinsam mit Pianistin und Sopranistin Angela Kiemeyer.


9. März, 19:30 Uhr, Burg Perchtoldsdorf; „Geh Pepperl plausch net“ mit Sobotka, Weiber, Poslusny.

17. März, 15 Uhr, Café Schopenhauer (1180 Wien); Wienerlieder-Nachmittag mit Werner Weibert, Anna Ludwig.


21. März, 20 Uhr, Schwarzberg (1040 Wien); „Wienerlied-Stars im Schwarzberg“ mit Andy Lee Lang, Hans Ecker Trio, Marika & Herbert Sobotka, Die neuen Schrammeln.


22. Mäz, 19:30 Uhr, Theater am Steg, Baden; „Char-la-la-lotte – Kabarett- und Liederabend“ mit 16er Buam.

Der Schlüsselmoment. Was auch immer sie tut – vor gut 20 Jahren gründet sie eine bis heute florierende PR-Agentur – die Sehnsucht nach dem Rampenlicht wächst weiter. Und sie handelt. Sie knüpft ständig neue Kontakte zu Profimusikern, nimmt jahrelang Gesangsunterricht – ihr musikalisches Repertoire, das sie in Lokalen und bei Veranstaltungen darbietet, wächst bis heute auf 100 Lieder.
Schließlich, nur wenige Monate vor ihrem 60er, passiert der Schlüsselmoment: „Ich habe mir ein Lokal angeschaut, in dem ich meinen Geburtstag feiern wollte und dachte mir plötzlich: Das soll es sein? 150 essende Leute und ich mittendrinnen? Da hätte ich mich fadisiert“, lacht Charlotte Ludwig. Sie schmiedet einen ungewöhnlichen Plan: „Andere unternehmen zum 60er eine Weltreise, ich beschloss, mir mit Marion Dimali eine gute Regisseurin und mit Roman Frankl einen guten Autor zu leisten, um mein eigenes Kabarett auf die Beine zu stellen.“

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SINGEN ALS PASSION. Rund 100 Lieder, vom Wiener Lied bis hin zu Whitney Houston-Hits, hat die Künstlerin im Talon. (© Manfred Baumann)

Karrierestart. Die Crème de la Crème der Kleinkunst-Szene folgt der Einladung der PR-Lady ins Wiener Orpheum. „Ich war mittendrinnen so überwältigt, dass ich gegen meine Tränen kämpfen musste“, verrät sie. Das Programm, das viele amüsante wie packende Anekdoten aus ihrem Leben bereithält, sei wunderbar gelungen; auf die Premiere blickt sie mit selbstkritischem Blick zurück. „Die Aufregung war so groß.“ Umso glücklicher machten sie beim zweiten Auftritt im Jänner das Lachen des Publikums und der tosende Applaus. Das habe sie bestärkt – für ihr nächstes „Char-la-la-lotte“ am 22. März in Baden und für weitere Projekte.
In so einem steckt das sympathische Energiebündel wieder; den Geburtstag der großen Cissy Kraner zelebriert sie mit Pianistin und Sopranistin Angela Kiemayer. „Chansons & Evergreens“ steht quasi auf der Verpackung des Events am 7. März im Wiener Schwarzenberg (siehe Info). Drinnen steckt einmal mehr ein Rundum-Programm mit viel Schmäh, inszeniert vom Regisseur Erich Furrer. „Ich bin eben bei allem eine 100-Prozentige“, sagt sie.

 

Gewinnspiel:

Die NIEDERÖSTERREICHERIN verlost 2 x 2 Freikarten für den „Char-la-la-lotte“-Kabarett- und Liederabend am 22. März 2018 im Theater am Steg in Baden. Das Gewinnspiel finden Sie hier. Teilnahmeschluss ist der bis 14. März 2018.