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People | 26.03.2018

Philipp, Maddy & ich

Heidi Zulechner aus Waidhofen an der Ybbs ist studierte Pädagogin, ein gefragtes Model und die Ehefrau des bekannten Stürmers Philipp Zulechner. Ein Gespräch mit einer sympathischen, selbstbewussten Frau, die ihren Optimismus und ihre Fröhlichkeit auch nach schweren Schicksalstagen nicht verloren hat.

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(© Nico Socha/www.nicosocha.com)

Der 8. März 2018. Weltfrauentag und zugleich ein ganz besonderer Tag für Heidi Zulechner, denn es ist ihr Geburtstag. Nur die Tatsache, dass wir noch immer einen „Weltfrauentag“ brauchen, befremdet sie: „Ich finde es nämlich traurig, dass so ein Tag nötig ist, um Frauen und ihre Rechte zu würdigen, sowie ihre Arbeit anzuerkennen. Das sollte nämlich eine alltägliche Selbstverständlichkeit sein, und nicht auf einen speziellen Tag reduziert werden. Aber solange Frauenrechte oder gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit bei uns – wie in vielen anderen Ländern – nicht selbstverständlich sind, brauchen wir wahrscheinlich diesen Tag, um uns in Erinnerung zu rufen, dass jeder Mensch – ob Mann oder Frau – gleich wertgeschätzt gehört.“ Eindeutige Worte einer starken, jungen Frau, die es versteht, ihren eigenen Weg zu verwirklichen und zugleich den ihres Mannes mitzugehen. Denn auch das Miteinander ist für sie eine Selbstverständlichkeit.

NIEDERÖSTERREICHERIN: Heidi, du hast nach der HAK in Amstetten Lehramt studiert. Wolltest du immer Pädagogin werden?
Heidi Zulechner: Ja, irgendwie schon. Schon als Kind spielte ich mit meinen Freundinnen immer „Schule“, wobei ich immer die Lehrerin war. Mit Kindern zu arbeiten, wird einfach nie langweilig – sie sind so offen und direkt, dass liebe ich an ihnen. Auch unsere Familie ist sehr kinderreich und mittlerweile hab‘ ich schon vier Patenkinder. Es wird wohl einen Grund haben, warum ich so oft gewählt wurde (lacht).


Deine Karriere als Model begann wie im Film. Du wurdest nämlich mit zwölf Jahren in der PlusCity von einem Fotografen angesprochen. Wie hat deine Mutter darauf reagiert?
Also, meine Mutter ist eine Realistin. Sie fand diese ganze Mode- und Modelwelt nie toll und meinte, dass die Chancen, in diesem Beruf etwas erreichen zu können, sehr gering seien. Ich glaube Mütter wollen ihre Kinder da einfach beschützen. Denn ihr war natürlich der hohe Konkurrenzdruck bewusst und dass man sehr diszipliniert sein, auf seinen Körper achten und Sport treiben muss. Aber dennoch konnte ich sie dazu überreden, mit dem Fotografen aus Linz ein Shooting zu machen.  


Trotz deiner Aufträge hast du dich aber weiterhin auf dein Studium fokussiert ...
Ja, alle Aufträge, die ich während meiner Ausbildungszeit bekam, standen immer an zweiter Stelle. Erst nach meinem Studium habe ich entschlossen, das Modeln hauptberuflich zu probieren, was auch bis jetzt ganz gut geklappt hat.

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(© Nico Socha/www.nicosocha.com)

Für „Perfect Doc“ hast du ein Video gedreht und trittst für das Recht jedes Menschen auf Schönheit ein. Übrigens ein Recht, welches auch die WHO in ihrer Definition unterstützt ...
Ja, genau, denn jeder Mensch hat das Recht, sich in seinem Körper wohl zu fühlen. Und wenn man psychisch unter etwas leidet, dann finde ich es völlig okay, sich ästhetisch verschönern zu lassen. Die Auswahl an guten Ärzten, die einem dabei helfen, ist ja schon gigantisch groß.


Du bist seit neun Jahren an der Seite des bekannten Stürmers Philipp Zulechner. Wie hat denn eure Liebe begonnen?
Er hat mich in einem Club in Wien ganz normal gefragt, ob ich etwas trinken möchte. Erst nach einem langen Gespräch sagte er, dass er Fußball spielt. Ich dachte mir, er macht das sicher nur hobbymäßig, so wie alle anderen in dem Alter auch (lacht). Zu dieser Zeit spielte er noch bei den Red Bull Juniors. Ein Jahr später kam dann der große Karriererückschritt zum SV Horn. Ich habe damals gedacht, dass er sicher bald mit Fußball aufhören wird. Aber zum Glück hat sich das Blatt für ihn nochmal gewendet. Was ich eigentlich damit sagen wollte, ist, dass ich es nie darauf angelegt hatte, mit einem Fußballspieler zusammen zu sein. Am Anfang der Beziehung hatte ich auch sehr mit mir gehadert, ob ich das ganze Drumherum auch will. In der Gesellschaft sind Fußballspieler sehr stark mit dem Klischee behaftet, dass sie ständig nur am Feiern sind, viele Frauen haben und nicht treu sind. Dass gab mir natürlich zu denken. Aber Philipp hat mich eines besseren belehrt. Er ist sozusagen ein richtiger „Anti-Fußballspieler“ (lacht).

„Die Würde und Rechte
einer Frau sollten 356 Tage im Jahr
gewahrt werden.“

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Beste Freunde. Seit vier Jahren ist Maddy an der Seite von Heidi und Philipp. (© privat)

Am 12. Juni 2015 habt ihr euch in der Kirche von Sonntagberg das Ja-Wort gegeben. Wie war die Hochzeit?
Es war gleichzeitig der schönste, als auch der stressigste Tag in meinem Leben. Ich war an dem Tag richtig angespannt. Erst als wir im Festsaal waren, begann ich ihn zu genießen.


Als Philipp vom SV Grödig zum SC Freiburg wechselte, hat die deutsche BILD getitelt: „So sexy war Freiburg noch nie.“ Treffen dich solche Kommentare?
Nein, eigentlich nicht. Ich fand es eher lustig wie man auf so einen Titel kommt. Von den deutschen Medien ist man solche Kommentare auch gewöhnt, weil diese auch die sogenannten „Spielerfrauen“ sehr stark in den Mittelpunkt stellen, sie werden dort sehr gehyped.


Aber es gibt schon dieses Klischee „das Model und der Profispieler“ ...
Ja, das kann ich sehr bestätigen! Bei uns ist es aber noch lange nicht so schlimm wie in Deutschland. Mittlerweile sind die Profispieler aber mehr mit Bloggern oder Influencern zusammen (lacht).


Nach Freiburg bist du deinem Mann 2016 in die Schweiz gefolgt, wo Philipp in der Ersten Schweizer Liga spielte, und zuletzt wegen seines Vertrages mit SK Sturm Graz in die Steiermark. Sind diese Schritte für dich selbstverständlich, zumal du ja deine eigenen Aufträge wahrzunehmen hast?
Ja, mit ihm zu gehen, ist und war für mich immer selbstverständlich. Seine Karriere steht einfach über meiner – was für mich völlig okay ist, denn ich habe noch eine Alternative zum Modeln, wobei Philipp „nur“ den Fußball hat. Und ich wünsche ihm, dass er diesen noch so lange wie möglich betreiben kann. Bis jetzt hat es auch ziemlich gut funktioniert, denn modeln konnte ich auch in der Schweiz und in Deutschland.

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Krönung ihrer Liebe. Im Juni 2015 Hochzeit in der Kirche von Sonntagberg (© Tony Gigov)
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(© Tony Gigov)

Wie schnell sich das Leben ändern kann, hast du im Jänner erlebt, als dein Mann infolge eines multiresistenten Keimes, der über eine offene Wunde in die Organe gelangte, seine Beine nicht mehr bewegen konnte. Es folgte der Rollstuhl. Von den Ärzten hörte Philipp „es ging Richtung Organversagen“. Wie hast du diesen Schicksalsschlag erlebt?
Für seine Familie und für mich war es natürlich ein totaler Schock. Denn wer ahnt schon, dass aus einer „Lappalie“ so etwas Schlimmes entstehen kann! Zuvor waren wir auf den Malediven und verbrachten dann schöne Weihnachtstage bei unseren Liebsten. Erst als wir wieder in Graz zurück waren, fing es an. In der Nacht auf den 5. Jänner taten ihm seine Beine und die Hüfte sehr weh; wobei er anfangs noch dachte, es sei ein normaler Muskelkater. Tja, und am Tag darauf lag er auch schon im LKH.


Die Zeitungen schreiben, dass dein Mann die folgende Saison nicht mehr spielen wird können. Wie geht es euch?
Mittlerweile schon wieder ganz gut. Wie wir wissen, sollte man nicht immer alles glauben, was die lieben Zeitungen berichten. In diesem Fall wurde es einfach sehr dramatisch hoch geschaukelt, was ich natürlich verstehen kann, denn eine „gute Story“ macht natürlich mehr her als die Wahrheit. Philipp hat Anfang Februar mit leichtem Training begonnen. Fahrrad, Laufband und leichtes Krafttraining. Es kann sich jetzt noch um Wochen handeln oder auch um ein Monat, aber er wird sicher diese Saison wieder fit sein.

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(© Nico Socha/www.nicosocha.com)
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(© Nico Socha/www.nicosocha.com)

Ihr habt eine vierjährige Australian Shepherd Hündin und du engagierst dich im Tierschutz. Ist das dein Ausgleich?
Ja, könnte man so sagen, wobei mich Philipp auf den Hund gebracht hat (lacht). Ich war ja eher der Katzenmensch. Mittlerweile liebe ich Hunde und könnte sie mir in meinem Leben nicht mehr wegdenken. Unsere Maddy ist schon wirklich eine Aufgabe! Zwei Stunden am Tag in der Natur spazieren zu gehen, ist Pflicht, einmal die Woche mache ich Agility mit ihr. Früher wäre ich nicht stundenlang in Wald gegangen oder auf Berge geklettert, aber mit ihr an meiner Seite macht es richtig Spaß. Wie heißt es so schön? „Der Hund ist der beste Freund des Menschen.“ Und genau so ist es für mich! Ja, und der Tierschutz spielt für mich eine ganz wichtige Rolle. Weil ich denke, wir sollten denen helfen, die sich selber nicht helfen können. Besonders angetan hat es mir dieser kleine Verein www.wolfsconnection.at. Sie leisten großartige Arbeit, und dieser sollte man  definitiv mehr Beachtung schenken.


Die Arbeit eines Models hat bekanntlich ein Ablaufdatum. In welche Richtung möchtest du danach gehen?
Ja, dieser Beruf ist zeitlich begrenzt. Deshalb habe ich bereits begonnen, mir nebenbei ein zweites Standbein aufzubauen. Und welch ein Wunder, es hat nach wie vor mit Modellen zu tun (lacht). Nur, dass ich hierbei in den Hintergrund trete und die Schönheit der anderen optisch hervorheben möchte. Mein Traum wäre es, hauptberuflich als Retoucher für große Magazine, wie zum Beispiel Harper‘s Bazaar oder Elle zu arbeiten. Und falls es nicht so funktioniert, wie ich es mir vorstelle, dann kann ich noch immer mein Lehramt ausführen.


Sind Kinder bereits ein Thema?
Wenn Philipp mit dem Fußball irgendwann aufhört, dann definitiv ja. Aber in nächster Zeit wäre es nicht geplant, da wir bis jetzt einmal im Jahr umgezogen sind, was mit Kindern etwas schwierig wäre. Vor allem im Ausland, wenn man ganz alleine ist und nicht die Familie in der Nähe hat, die einem ab und an behilflich sein könnte.

Wordrap:

Der schönste Moment meines Lebens war ... bis jetzt unsere Hochzeit.
Meine größte Stärke ist ... Zuhören.
Schwach werde ich ... bei Schokolade.
Schönheit empfinde ich ... als eine Art von Kunst.
#metoo bedeutet für mich ... „Du bist nicht allein!“
Diese Frau fasziniert mich ... Margot Robbie
Dieses Buch hat mich fasziniert ... „Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes
Mein Lieblingssong ist ... momentan Like a Riddle von Felix Jaehn.
Einen Abend möchte ich verbringen mit ... Charlie Hunnam.
In 20 Jahren werde ich ... mit Philipp ein Haus mit Garten, Kinder und hoffentlich ein glückliches Leben haben.