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People | 04.04.2018

Die Olympionikin

Sie war so locker wie nie zuvor bei einem Start, verrät Kathi Gallhuber. Dann die Überraschung: Sie holt in Südkorea Bronze. Wir trafen die erst 20-Jährige daheim in Göstling an der Ybbs.

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(© Viktória Kery-Erdélyi)

„Jetzt gibt sie aber schon gescheit Gas“, habe sie sich noch gedacht. Wenige Minuten später: Jubel – und Michaela Gallhuber, die ihre Tochter auch in Südkorea begleitete, ist plötzlich Mama einer frischgebackenen Olympionikin. Katharina Gallhuber, 20 Jahre jung, rockte nach einem soliden neunten Platz im ersten Durchgang den zweiten Lauf und holte eine Bronzemedaille nach Göstling. Als Krönung kam dann noch Silber im Teambewerb hinzu. Die malerische Gemeinde an der Ybbs wird nunmehr auch liebevoll „Slalomnest“ genannt, ist sie doch auch Heimat der beiden Olympia-Medaillengewinner Thomas Sykora und Kathrin Zettel.
Kathi Gallhubers Gepäck ist erst halb aus- und schon wieder halb eingepackt; dennoch stimmt die sympathische Sportlerin knapp nach der Heimkehr aus Südkorea und kurz vor der Abfahrt nach Ofterschwang (Weltcup) dem Interview zu.

 

Katharina Gallhuber

… wurde am 16. Juni 1997 geboren, ihr Bruder Philipp – er studiert Jus und spielt Fußball (SKU Amstetten) – ist zwei Jahre älter. Kathi Gallhuber fährt seit sie drei Jahre alt ist Ski (Schiclub Göstling-Hochkar), sie besuchte die MD Skihauptschule Lilienfeld sowie das Trainingszentrum in Waidhofen/Ybbs. Parallel zum Leistungssport macht sie gerade die Matura sowie eine Ausbildung beim Zoll. 2016 holte sie bei den Alpinen Ski-Weltmeisterschaften in Sotschi Silber, vor zwei Jahren stieg sie in den Weltcup ein. Von den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang, Südkorea, kehrt sie heuer mit zwei Medaillen heim: Bronze (Slalom) und Silber (Mannschaftsbewerb).

 

NIEDERÖSTERREICHERIN: Österreich jubelte – und war zugegebenermaßen überrascht. Mit welchen Gedanken bist du selbst nach Südkorea geflogen?
Katharina Gallhuber: Olympia war ein Kindheitstraum. Ich dachte mir: Cool, dass ich schon jetzt hinfliegen darf, wo ich noch so viel vor mir habe, um zu lernen, um Erfahrungen zu sammeln. Ich war bei den Weltcup-Rennen vorher gut, aber ich habe immer wieder Fehler gemacht. Ich wusste, dass ich vorne mitfahren kann, aber da muss alles zusammenpassen. Aber in Südkorea habe ich im Schnee sofort gemerkt: Boah, ich fühle mich wirklich wohl. Als es dann so weit war, war ich so locker wie noch nie zuvor. Jeder hat gesagt: „Du bist verrückt, das ist doch das Größte für jeden Sportler.“ (lacht) Aber dieses Gefühl, bei Olympia starten zu dürfen, war für mich ein so befreiendes!


Die Vorfreude war also größer als die Aufregung?
Genau! Dann war der erste Durchgang schon ganz gut, beim zweiten Lauf gab es für mich nur noch eines: dass ich „all in“ gehe. Und es ist aufgegangen!


Hast du im Vorfeld den Gedanken zugelassen, dass du mit einer Medaille heimkehrst?
Als Sportler weiß man, bei Olympia und WM zählt nur 1, 2, 3. Ich war vorher auf keinem Podest, ich wusste, dass alles möglich sein kann – aber eine Medaille?! Das war sehr überraschend!


Viele sagen, solche Momente erlebt man wie ein Zuschauer des eigenen Films …
Ja! Ich habe damals Kathrin (Zettel, Anm.) im Fernsehen zugesehen, als sie die Medaille gemacht hat. Ich habe sie so bewundert! Und auf einmal steigst du dort selbst auf das Podest auf, die Medaille wird dir umgehängt; da bekommst du Gänsehaut, da bist du von so vielen Emotionen überwältigt.


Bist du in einer Beziehung?
Nein.


Ist das eine bewusste Entscheidung, um sich voll und ganz auf den Sport konzentrieren zu können?
Nein, das glaube ich nicht. Wenn es sein soll, dann wird es so sein (schmunzelt). Aber sicher, ein Partner muss damit schon auch leben können, dass wir immer unterwegs sind. Einmal bin ich vier Tage weg, einen Tag da, dann wieder drei Wochen weg und zwei Tage daheim. Und wenn ich heimkomme, fahre ich noch immer als erstes zu Oma und Opa in Göstling – und dann kommt die ganze Familie zusammen. Meine Freunde sind mir auch sehr wichtig, aber diese Treffen muss ich dann schon gut planen.

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GROSSE LIEBE. Schon in der Volksschule gab es täglich nach der Hausübung für Katharina nur eines: sofort rauf auf die Piste. (© Privat)

Du bist schon mit drei Jahren auf Skiern gestanden; wie hast du deine Kindheit erlebt?
Meine Cousine und mein Cousin, mein Bruder und ich – wir waren nur draußen. Wir haben Fußball gespielt und Baumhaus gebaut. Im Winter hat uns Opa gleich nach der Hausübung zum Skilift gebracht, wir sind Waldwegerl gefahren und haben mit dem Skiclub richtig viel unternommen.


Du hast dich für die Skihauptschule Lilienfeld entschieden – und damit für das Internat. Mit zehn Jahren weg von zu Hause, wie hast du das erlebt?
Das war cool! Da muss man dann alles selbst in die Hand nehmen, darauf schauen, dass man rechtzeitig aufsteht und seine sieben Zwetschgen beisammen hat. Die Skihauptschule kann ich nur empfehlen, wir haben richtig viel Spaß gehabt!


Vermisst du das unbeschwerte Skifahren von früher?
Ich erinnere mich gerne zurück: ans Waldwegerl- und Tiefschneefahren. Dazu kommen wir jetzt natürlich kaum. Früher sind wir einfach gefahren, weil es Spaß gemacht hat. Jetzt ist schon Druck dahinter, aber Spaß habe ich trotzdem. Skifahren ist meine große Leidenschaft!


Je größer der Erfolg, desto größer der Druck. Wie gehst du damit um?
Ich glaube, man stresst sich selbst am meisten. Natürlich steigt die Erwartungshaltung und dann habe ich schon immer wieder gehört: „Du wirst die Nachfolgerin von der Kathrin (Zettel, Anm.).“ Aber der Druck ging dann doch von mir selbst aus. Ich bin vor zwei Jahren in den Weltcup eingestiegen und es ist super gelaufen. Voriges Jahr hatte ich dann ein bisschen zu kämpfen … Da habe ich gemerkt, ich muss meine Erwartungshaltung zurückfahren, mich wieder auf das Wesentliche konzentrieren.

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DAHEIM IN GÖSTLING. Katharina mit ihren stolzen Eltern Michaela und Günther Gallhuber (© Viktória Kery-Erdélyi)

Die Teilnahme bei Olympia war für mich ein Kindheitstraum.

- Katharina Gallhuber

 

Wie stärkst du dich mental, was machst du zum Ausgleich für dich?
Im vergangenen Herbst habe ich mir gedacht, ich muss das diese Saison anders machen als vorher. Da bin ich einige Male reiten gegangen. Das habe ich zuletzt als Kind gemacht. Das holt mich runter. Beim Reiten hat man immer etwas zu tun, auf dem Pferd denkst du nicht übers Skifahren nach.


Wie geht es dir mit der wachsenden öffentlichen Aufmerksamkeit?
Das ist irrsinnig schön! Natürlich muss man darauf achten, dass das Training nicht zu kurz kommt. Aber ich finde es einfach cool, wenn die Menschen Interesse an unserem Sport haben. Wenn du die Straße entlanggehst und erkannt wirst, das ist eine sehr schöne Bestätigung.


Kannst du dich nach Ende der Saison mit einem Urlaub belohnen?
Ja! Ende April, Anfang Mai reise ich zwei Wochen irgendwohin ans Meer.


Zwei Wochen liegen und wirklich Ruhe geben?
Das würde ich nicht aushalten (lacht)! Ich bin auch im Urlaub aktiv: Tennisspielen, Canyoning, Wasserski – und dann vielleicht mal dazwischen einzelne Tage wirklich nur in der Sonne liegen …