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People | 17.04.2018

Unbeirrbar zielstrebig

Bei rund 60 Festivals auf der ganzen Welt lief bisher Monja Arts preisgekrönter Film „Siebzehn“. Nun gilt es, am Erfolg anzuknüpfen.

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(© Caroline Bobek)

Man muss die Ohren spitzen im Café. Monja Art erhebt nicht laut ihre Stimme. Umso stärker ist der Inhalt dessen, was sie im Interview sagt. Umso überzeugter verlässt jeder Satz den Mund der jungen Filmemacherin aus Lanzenkirchen.      
Ob es ihr eine Ehre sei, in der Königskategorie Bester Spielfilm nominiert zu sein, wurde sie bei der Preisverleihung des Österreichischen Films in Grafenegg hinter den Kulissen gefragt. Die 34-Jährige lächelte und konterte selbstbewusst: „Ich hatte mit mehr Nominierungen gerechnet.“ Das kommt nicht allein daher, dass sie „jede Sekunde von dem Film überzeugt“ sei. Mit ihrem Spielfilmdebüt „Siebzehn“ berührte sie schon 2017: Sie und ihr Team waren die großen Sieger des renommierten Max Ophüls-Festivals in Saarbrücken. Während Monja Art dorthin noch ganz frei von Erwartungen angereist war, jubelte die Presse schon vor (!) der Preisverleihung. „Am Tag unserer Ankunft lasen wir in einem Artikel: Ein Film sticht aus dem Programm hervor … und in einer anderen Zeitung hieß es: Wie machen die Österreicher das nur?“, erzählt sie.

Eintauchen. Wer loslässt und eintaucht, gewinnt mit „Siebzehn“ authentisch junges Lebensgefühl – gedreht im Industrieviertel, „in dem es bildästhetisch so viel zu entdecken gibt“ (Monja Art). Auf Zehenspitzen kommen all die großen Gefühle daher, die Hochs und die verschlingenden Tiefs, an die man sich mit jeder Minute stärker und stärker erinnert. Die große Liebe? „Es geht um das Verliebtsein, nicht um die Liebe“, schmunzelt sie. „Es geht um Sehnsüchte. Die Sehnsucht braucht kein Gegenüber. Wenn die Figuren in Siebzehn bekämen, wonach sie sich sehnen, würden sie es nicht mehr haben wollen.“
Ein großartiges Team habe sie für den Film umgeben, sagt sie. Die Hauptrollen besetzte die Regisseurin, die selbst das Drehbuch schrieb, nach eineinhalb Jahren Casting mit Laien, die vor der Kamera Fantastisches vollbringen. Elisabeth Wabitsch konnte auch prompt an ihr Debüt als Filmschauspielerin anknüpfen: mit „Die letzte Party deines Lebens“ (seit März im Kino).

 

Monja Art

… wurde 1984 geboren und wuchs in Lanzenkirchen auf. Sie maturierte an der Tourismusschule Semmering und hat einen Magistertitel in Philosophie, einen „Magister“ und einen „Doktor“ in Deutscher Philologie. An der Filmakademie Wien studierte sie Drehbuch und Dramaturgie. Filmauswahl: Juli (2012), Forever Not Alone (2013), Siebzehn (2017)

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ÖSTERREICHISCHER FILMPREIS. Nominiert in der Königskategorie „Bester Spielfilm“: Monja Art (Mitte) und ihr „Siebzehn“-Team in Grafenegg. (© Robert Newald/Filmpreis)

Heimkehr. Für „Siebzehn“ kehrte Monja Art, die heute in Wien lebt, in ihre Heimatregion zurück. Sie ist in Lanzenkirchen aufgewachsen, ihre Eltern betreiben dort bis heute ein Gasthaus. Seit ihrem 14. Lebensjahr halfen sie und ihre Zwillingsschwester aus, ihre Matura machten sie darum auch an der Tourismusschule am Semmering. Täglich vier Stunden pendelten sie dorthin und wenngleich eine gastronomische Laufbahn nie Plan A war, sagt sie bis heute: „Ich war schon drei Jahre vor der Matura traurig, dass die Schule zu Ende geht. Das war eine unglaublich schöne Zeit.“
Im Frühjahr kamen für „Siebzehn“ noch drei „Romy“-Nominierungen hinzu (Verleihung am 5. April), bei rund 60 internationalen Festivals lief der Film bisher. Nach schillernden Stunden des Autogrammschreibens, etwa bei der Berlinale, gilt es nun, den schonungslosen Alltag des Filmemachens zu inhalieren. „Die Zeit zwischen dem ersten und dem zweiten Film ist die härteste“, ist Monja Art überzeugt. „Manche suchen sich einen anderen Job, wenn es finanziell schwer wird. Ich finde, wenn man beim Film erfolgreich werden will, muss man eher fünf Jahre im Auto schlafen, bevor man aufgibt.“
Ideen für neue Projekte, sind Monja Art noch nie ausgegangen. Sie schrieb schon als Volksschülerin mit solch einer Konsequenz, dass sie 80-seitige Geschichten vollbrachte. Ihre erste öffentliche Bestätigung: Sie nimmt mit 19 an einem internationalen Schreibwettbewerb in Hollywood teil und landet auf Anhieb im Finale.
Auch jetzt arbeitet sie an mehreren Drehbüchern. Zunächst galt es aber, vor wenigen Monaten eine herbe Enttäuschung zu verarbeiten. Mitten in den Drehvorbereitungen zu einem neuen Film, als bereits alle 60 Rollen besetzt waren, fällt einer der Förderer aus. „Ich war fassungslos; diese Entscheidung war nicht absehbar“, gibt sie zu. Ob sie da mit ihrer Berufswahl haderte? „Nein. Wenn man hadert, schafft man es nicht. Haneke hat zehn Jahre gebraucht, um Das weiße Band zu realisieren – in der Filmbranche keine Seltenheit.“

Der Film: "Siebzehn"
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In der Hauptrolle: Die großartige Elisabeth Wabitsch (© Orbrock)
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BESONDERE MOMENTE. Film-Stills aus „Siebzehn“ – mit der großartigen Elisabeth Wabitsch (© Orbrock)

Wenn man beim Film erfolgreich sein will, muss man eher im Auto schlafen, bevor man aufgibt.

- Monja Art

 

Die Belohnung. Als „Siebzehn“ fertig gedreht war, habe sie sofort ihre Koffer gepackt und sei ihrer Trauer davongereist. „Für mich ist es nie ein Ziel, sondern ein Ende. Das war schon bei der Matura so, auch beim Studium.“
Ihre Ungeduld, ihre Sehnsucht nach dem Drehalltag ist allgegenwärtig. All die Stoffe, vom pointierten bis hin zum packenden, sollen nun demnächst verwirklicht werden. Eine Produktion fürs Fernsehen ist auf Schiene, eine weitere für das Kino in der Vorbereitung. „Das Drehbuchschreiben ist etwas sehr einsames. Die Belohnung dafür ist die Regiearbeit.“