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People | 30.04.2018

Mit Ananassaft zu Nestroy

Die Fußstapfen sind groß, der Vater heißt Gregor Bloéb. Josephine zeigt sich davon charmant unbeirrt und mit mehreren Glanzleistungen am Landestheater.

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OMAS FUNKELNDE AUGEN. Josephine Bloéb vor dem Landestheater (© Viktória Kery-Erdélyi)

Der reiche Herr von Lips (Gerald Votava) rappt, zwei Klotüren dienen als Projektionsfläche für Visuals mit tanzenden Skeletten. Die Zukünftige (Cathrine Dumont) badet in der Selfie-Manie, die (falschen) Freunde in Champagner. Inmitten der schrillen Szenerie mit scharfsinnigem Nestroy-Schmäh: Josephine Bloéb, die in Sabine Derf­lingers Inszenierung am Landestheater die Kathi gibt. Ehrlich, klug, schlagfertig. Dank ihr findet „Der Zerrissene“ endlich zu sich. Großer Schlussapplaus, bis zum Sommer weitgehend ausverkauft, Wiederaufnahme nicht ausgeschlossen. 

 

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ZUM VERLIEBEN. Als Kathi in „Der Zerrissene“, der ersten und sogleich erfolgreichen Bühnenarbeit von „Vorstadtweiber“-Regisseurin Sabine Derflinger (© Alexi Pelekanos)

Josephine Bloéb. Beim Namen macht es Klick. Sie ist die Tochter von Schauspielerin Ute Heidorn und Gregor Bloéb (heute mit Nina Proll verheiratet), die Nichte von Tobias Moretti. „Ich habe nie gesagt, ich bin die Tochter von dem und der; so etwas finde ich schlimm. Ich habe das nie ausgenutzt“, sagt die 25-Jährige. Blaugrün leuchtende Augen (von der Oma, sagt sie), ein gewinnendes Lachen, unkompliziert, präzise Antworten – mit einem Packerl Ananassaft kommt sie zum Interview hinter den Kulissen des Landestheaters …

NIEDERÖSTERREICHERIN: Du bist als Tochter eines Schauspielerpaars aufgewachsen. Wann hast du dich für diesen Weg entschieden?

Josephine Bloéb: Relativ spät, erst nach der Matura. Ich wusste lang nicht, ob ich Lust darauf habe. Man braucht ja auch Begabung und Durchhaltevermögen. Ich habe mich dann eher spaßhalber an Schauspielschulen beworben. Im Zuge des Bewerbungsmarathons wurde es doch ernster.

Hattest du zuvor Erfahrung?

Ein bisschen aus der Theater AG in der Schule und mit 17 habe ich einmal „Tatort“ gedreht. Ich habe von daheim mitgekriegt, was Film und Theater bedeutet. Aber es hat mich lang nicht interessiert, weil man doch als Jugendliche anders sein will als die Eltern.

Warum dann doch?

Frag mich was Leichteres! (lacht) Ich wollte wissen, ob ich es kann, ob das was für mich ist. Oder eben, dass es nichts für mich ist, damit ich dann was anderes machen kann.

Schließlich warst du am Max Reinhardt Seminar. Wie hast du das erlebt?

Das war die bisher schönste Zeit meines Lebens. Wir hatten einen wunderbaren Jahrgang, eine wahnsinnig gute Klassengemeinschaft; das war wie eine zweite Familie. Es war alles magisch, das Reinhardt-Seminar war unser kleines Hogwarts (Zauberschule in „Harry Potter“, Anm.). Natürlich gab es viele Herausforderungen. Alles, was man über Schauspiel gedacht hat zu wissen, wurde in Einzelteile zerlegt und musste neu entdeckt werden.

Hat es dich verändert?

Ich bin ein bisschen ruhiger geworden, geduldiger. Auch wenn ich oft noch gerne alles sofort können möchte. Ein Professor hat zu mir gesagt: Du bist hier, um zu lernen. Das hat bei mir einen Knopf aufgemacht: Es ist nie zu spät, das ganze Leben ist eine Schule.

In Anita Lackenbergers Film „Vals“ (2014) spielst du in Tirol, wo du (nach fünf Jahren in Berlin) aufgewachsen bist. Fühlst du dich als Tirolerin?

Das ist mir nicht wichtig. Ich fühle mich als Mensch, als Frau.

Vermisst du Tirol und die Berge?

Ja, die Natur vermisse ich. Und wenn ich Heimweh habe, telefoniere ich mit meinen Eltern. Oder ich treffe mich mit meiner besten Freundin und jodel mit ihr. Nein, Schmäh! (lacht)

Kannst du das?

Nein, leider. Lustigerweise kann es meine Mutter und die ist Norddeutsche.

 

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AM RATHAUSPLATZ. Seit 2017 ist die in Tirol aufgewachsene Mimin Ensemblemitglied am Landestheater in St. Pölten. (© Viktória Kery-Erdélyi)

Du bist mit 23 an die Josefstadt gekommen. Wie war das für dich?

Eine Ehre, an so einem großen Haus spielen zu dürfen. Ich war erleichtert, dass ich nach der Schule gleich einen Job finde und meine Miete damit bezahlen kann. Das ist nicht selbstverständlich. Nur ein kleiner Prozentsatz von Schauspielschulabgängern kann davon leben. Ich war stolz, dass ich meinen Eltern sagen konnte: Ich bin selbstständig und kann jetzt allein für mich sorgen.

Hat dein Name auch mal Druck gemacht?

Nein! Der Arbeitsbeginn an der Josefstadt war eher entspannter. Papa hat da gespielt und ich bin manchmal nach der Vorstellung zu ihm in die Kantine auf ein Bier, da haben mich schon viele gekannt. Aber ausgenutzt habe ich das nie. Man springt trotzdem ins kalte Wasser.

Was mochtest du dort am liebsten?

Ein Stück, das ich mit einem lieben Freund und Kollegen an der Josefstadt sowie zwei anderen ganz tollen Kollegen aus dem Reinhardt-Seminar gemacht habe: „Romeo & Rosalinde“, eine Trashversion von „Romeo & Julia“. Man hat uns viel zur Verfügung gestellt und gesagt: Tobt euch aus. Dafür sind wir der Josefstadt bis heute sehr dankbar.

Worin liegt die Magie für dich, auf der Bühne zu stehen?

Ich finde es wahnsinnig schön, den Menschen Geschichten zu erzählen, in einen Dialog zu treten, ohne dass dabei gewertet wird. Dem Zuschauer bleibt überlassen, was er mitnimmt.

Wie kamst du ans Landestheater?

Ich hatte mich nach der Schauspielschule hier beworben und war sehr traurig, als es nicht klappte. Dafür jetzt! Ich finde es so toll, weil die sich hier was trauen und quer durch die Bank eine gute Auswahl an Stücken haben. Ich habe gewusst: Hier spiele und lerne ich viel. Hier gibt es moderne und klassische Sachen – und Kindertheater. Das ist die Königsdisziplin, weil Kinder so ein ehrliches Publikum sind.

 

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KÖNIGSDISZIPLIN. „Die kleine Hexe“ für das ehrlichste Publikum: die Kinder (© Alexi Pelikanos)

Du spielst gerade in drei Produktionen. Ein paar Worte zu diesen …

Wir arbeiten an „Der Revisor“ (Premiere: 4. Mai, Anm.); das wird bunt, musikalisch, grotesk und poppig. In „Die kleine Hexe“ ist uns wichtig, den Kindern zu vermitteln, dass man nie aufhören soll, an sich zu glauben. Und die Botschaft von „Der Zerrissene“? Geld macht nicht glücklich!

Was macht dich glücklich?

(trinkt einen Schluck) Ananassaft (lacht)! Vieles macht mich glücklich: ein Eis in der Sonne, Zeit mit meiner Familie, ein schöner Disney-Film.

Interessiert dich der Bereich Film?

Sehr. Haaallo – an alle da draußen (lacht)!

Dein Papa und Nina Proll waren im Zuge von #MeToo viel in den Medien. Nicht nur positiv. Welchen Zugang hast du zur Öffentlichkeit?

Ich werde nicht auf der Straße erkannt, ich habe kaum Erfahrung damit, in der Öffentlichkeit zu stehen. Ich fand es schon schräg, als ich entdeckt habe, dass es einen Wikipedia-Artikel über mich gibt. Social Media nutze ich privat unter einem Pseudonym. Ich bin nicht paranoid, aber ich muss auch nicht alles auf dem Präsentierteller zeigen.

Wie stehst du zu #MeToo?

Ich fand es interessant, dass diese  Bewegung von Frauen in Amerika gestartet wurde, wo deren Präsident gesagt hat, „grab them by the pussy“. Eine Unruhe war zu spüren, dass die Leute was verändern wollen und dass Frauen, denen sexuelle Übergriffe passiert sind, Sachen aussprechen, die sie sich zuvor nicht getraut haben. Dass dann in die eine oder andere Richtung übertrieben wird, ist bei jeder Bewegung so, die über Social Media startet.

Die Branche im Rampenlicht ist hart; hast du je ans Aufgeben gedacht oder daran, einen Job zu haben, bei dem man auch mal krank sein darf?

Das stimmt, das ist zach: Du spielst auch mit 40 Grad Fieber, das Publikum ist ja da. Aber ich mag nichts anderes machen, das ist meine Berufung. Ich empfinde so, wie es viele Kollegen sagen: Ich will spielen, bis ich tot umfalle.

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(© Viktória Kery-Erdélyi)

Wordrap

Eine Zukunftsvision ist … David Bowie kommt im Jahr 2050 als Alien zurück auf die Erde und bringt Good News und Champagner für alle.

Das Rampenlicht bedeutet … heiße Scheinwerfer (schmunzelt).

Ein unvergesslicher Ausrutscher … ist, wenn man zwei Personen, die man schon lange kennt, einander vorstellen soll, aber man kann sich an die Namen nicht erinnern.

Ich werde niemals … Golf spielen! Ganz schlimm, niemals! Und Ballerinas anziehen.

Das schönste Lied … „Five Minutes“ von Her.