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People | 23.05.2018

Ein Wiener Requiem

Johann Allacher aus Ebergassing führt uns in seinem zweiten Roman direkt an Falcos Grab. Der Krimi – eine Hommage an Wien und seine Musiklegenden.

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(© Mimi Pötz)

Der Bösendorfer Flügel im Wohnzimmer des Autors verweist schon auf seine musikalischen Ambitionen, die bereits als Achtjähriger mit einer klassischen Klavierausbildung bei einer „uralten, leicht verrückten, ehemaligen Staatsopernballetttänzerin“ ihren Anfang nahm, bevor er diese in autodidaktischem Erlernen weiterer Instrumente fortsetzte. Als Musiker in verschiedenen Rockbands erlangte er auch eine überregionale Bekanntheit als Könner an der Bluesharp. Eine angestrebte Juristenkarriere ließ sich letztlich weder mit Allachers Frisur noch mit  seinen Rockstar-Ambitionen vereinen, also folgten Beschäftigungen als Angestellter, Unternehmer und Kundenberater beim AMS. Seit 2011 arbeitet er an humoristischen Texten im Wiener Dialekt. In Ebergassing teilt er sich mit
seiner Familie, zahlreichen Haustieren und Tausenden Schallplatten ein Ökohaus – mit schallisoliertem Musikzimmer. Durch das Texten für Kompositionen der Band „The Other Kind“, deren Debüt-CD 2011 erschienen ist, kam er zum Schreiben. Nach seinem Debütroman „Der Watschenmann“ wirft der in Wien geborene Autor in seinem zweiten Kriminalroman einen tiefen Blick ins Wiener Totenreich ...
Was passiert? Nach einer durchzechten Nacht erwacht Bummelstudent Erki Neubauer neben einem Totenkopf. Wessen Schädel ist das und wo kommt er her? Mit diesen Fragen weckt Erki nicht nur Geister der Vergangenheit, sondern auch das Interesse skrupelloser Gegner. Ein fragwürdiges Angebot führt ihn schließlich ans Grab der Musikerlegende Falco. Doch mit dem Tod macht man keine Geschäfte …

Niederösterreicherin: Wa­rum literarische Krimis?
Allacher:
Ob meine Romane literarische Krimis sind, überlasse ich der Literaturkritik. Jeder Krimi ist wohl in erster Linie Unterhaltungsliteratur. Das Genre bietet sich geradezu dafür an, auch philosophische, gesellschaftliche, politische und kulturelle Inhalte zu thematisieren. Ich würde es als vergebene Chance betrachten, diese Möglichkeiten nicht auszuschöpfen, und verpacke immer auch viel Persönliches in meinen Erzählungen.

Der Knochentandler
Bild 1805_N_Freizeit_Knochentandl.jpg (2)
Erschienen im Emons Verlag, € 11,30, ISBN: 978-3-7408-0278-3, E-Book: 978-2-96041-323-3

„Man sagt, der Zentralfriedhof sei halb so groß wie Zürich, aber doppelt so lustig.“

- Johann Allacher

 

Ist das Schreiben mit dem Musizieren vergleichbar?
Ja! Sowohl beim Schreiben als auch beim Musizieren entsteht vieles intuitiv, aus dem Bauch heraus. Trotz unterschiedlicher gestalterischer Mittel ermöglichen beide Tätigkeiten das Erzeugen bestimmter Stimmungen. Hier wie da braucht es dabei einen durchgehenden Spannungsbogen und das Schaffen eines (Erzähl-)Rhythmus.  

 
Sind Sie beim Schreiben Autodidakt?
Ja! Learning-by-Doing ist ein durchaus brauchbares Konzept für viele Bereiche des Lebens – vom Fliesenlegen über das Schreiben bis zum Heiraten und Kinder-Großziehen.


Wie kam es zum Schauplatz Wien?
Ich denke, dass es ohne einen zumindest teilweise gegebenen autobiografischen Bezug nur schwer gelingt, wirklich überzeugend zu schreiben. Ein Schauplatz besteht schließlich nicht nur aus Straßen und Häusern. Es ist das Lebensgefühl und die Mentalität seiner Bewohner, die einen Ort unverwechselbar machen.


Wird aus dem „Erki“, der so gar kein Profi-Ermittler ist, eine Reihe?
Sobald man sich eine Zeit lang intensiv mit seiner Hauptfigur beschäftigt, entstehen zwangsläufig weitere Ideen, was diese noch so alles erleben könnte. Umso mehr, als es sich bei meinem Protagonisten Erik „Erki“ Neubauer um eine leichtlebige und lebenslustige, zugleich aber auch recht unbesonnene Person handelt. Band drei ist jedenfalls bereits in Arbeit. Danach? Das Leben bringt oft Überraschendes mit sich – und das ist auch gut so.

 

Lesungen in NÖ:

www.johann-allacher.at

20.4.: 19 Uhr, Bücherei Reisenberg

8.5.: 19:30, Uhr Bücherei Schwechat

25.5.: 19 Uhr, Gemeindefestsaal Kirchstetten

17.6.: 19 Uhr, Stadel Münchendorf