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People | 12.08.2018

Wordrap

Mit viel Leidenschaft für die Interessen von Arbeitnehmer und Angestellte: Bettina Heise ist die neue Direktorin der Arbeiterkammer Niederösterreich. Warum sie Chinesisch studierte und was sie auf die Palme bringt, verrät sie im Blitzinterview.

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BERGE UND BÜCHER. Lesen und Wandern sind der Ausgleich zu ihrem Job an der AK-Spitze: Direktorin Bettina Heise. (© Vyhnalek)

Ihre Laufbahn begann bei der „Süddeutschen“, später war Bettina Heise Redakteurin bei Antenne Aus­tria, ehe sie die Seiten wechselte: Die Öffentlichkeitsarbeit war ihr Eintritt in die Kammer für Arbeiter und Angestellte (AK). Seit kurzem ist Bettina Heise Niederösterreich-Direktorin.


Was sind Ihre wichtigsten Ziele?
Jenen, die die Sozialpartnerschaft – und da vor allem Arbeiterkammer und Gewerkschaft – als veraltet ansehen, zu beweisen, dass das Gegenteil der Fall ist. Für die Arbeitswelt von morgen ist die AK unverzichtbar. Unsere Mitglieder wissen das, unsere Kritiker lade ich ein, sich mit unserem Zukunftsprogramm auseinander zu setzen.


Die größte Ungerechtigkeit ist …
Die arbeitenden Menschen zahlen den Großteil der Steuern, während Konzerne immer weniger dazu beitragen, dass Staat und Gesellschaft funktionieren. Dann heißt es, man müsse sparen, weil kein Geld da sei. Das stimmt nicht. Wenn ich mir unsere Beratungen anschaue, dann ist die größte Ungerechtigkeit, wenn Menschen viel arbeiten und nicht fair bezahlt werden.


Sie studierten neben Wirtschafts- und Sozialgeschichte Sinologie, auch in Taipei. Woher das spezielle Interesse?
Familiäre Vorbelastung: Mein Vater ist in China aufgewachsen und hat mit seinen Geschwistern oft Chinesisch geredet, das wollte ich auch können. Ich war auch davon überzeugt, mindestens zehn Sprachen lernen zu können …


Wo und wie leben Sie?
In einer Wohnung, Altes und Neues gemischt, im ständigen Kampf, die sich vermehrenden Bücher unterzubringen.


Wie können Sie abschalten?
Am Berg. Im Sommer mit Wanderstiefeln, im Winter mit Tourenski.


Was bringt Sie auf die Palme?
Aktuell: Wenn behauptet wird, dass sich beim neuen Arbeitszeitgesetz Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch weigern können, zwölf Stunden arbeiten zu müssen. Das ist realitätsfremd.


Das Geheimnis Ihres Erfolgs?
Da ich erst kurz in meiner Funktion bin, will ich noch nicht von Erfolg reden. Generell: Glaubwürdigkeit, ein gutes Team, auf das man sich verlassen kann – das habe ich – und das Vertrauen jener erfüllen, die einen bestellen.


Die #MeToo-Debatte finde ich …
Sehr wichtig. Natürlich auch unbequem. Aber es ist gut darüber zu reden, wo Grenzen überschritten werden und Machtmissbrauch beginnt.


Auf welche Eigenschaft(en) sind Sie stolz, welche weniger?
Loyalität ist mir wichtig, das glaube ich, auch zu leben. Die Ungeduld ist so eine Sache laut meinem Umfeld …


Die schönste Musik ist …
„Friday Night in San Francisco“, das legendäre Konzert von Al Di Meola, John McLaughlin, Paco de Lucia.


Das bringt mich zum Lachen …
Immer wieder mein Lebensgefährte, ganz besonders, wenn ich gar nicht damit rechne.


Haben Sie ein Lieblingsbuch?
Eines?! Wenn ich mich wirklich entscheiden muss: Salman Rushdie, „Der Boden unter ihren Füßen“.