Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 10.09.2018

Ehrenamtlich Königin

Nicht nur fesch am Foto: Wofür die niederösterreichischen Produkthoheiten brennen, was sie für ihre Herzensmission motiviert.

Ein schönes Dirndl, Krone, Schärpe und ein Lächeln – und fertig ist der Aufputz für das Foto. Mitnichten! Wir haben die Produkthoheiten – ja, so werden die Königinnen und Prinzessinnen tatsächlich genannt – zum Interview gebeten, um ihr Engagement einmal gesammelt ins Rampenlicht zu stellen.
Dabei sei betont: Keine von ihnen gab an, die Krone zu tragen, weil sie schon als Kind Prinzessin spielen wollte; sie brennen für ihre Früchte, edlen Tropfen und tierischen Produkte, deren Botschafterinnen sie ehrenamtlich (!) in vielen Stunden ihrer Freizeit, bei vielen Veranstaltungen sind. Umso verständlicher der Ärger, wenn ihre Mission missinterpretiert wird. Wenn beispielsweise die Karp­fenkönigin bei einem Event über die Qualität des Fisches schwärmen will, sie aber die „geistreiche“ Frage gestellt bekommt: „Haben Sie zu Hause ein Meerjungfrauenkostüm?“
Die Antwort darauf lassen wir im Raum stehen, viele andere spannende Statements lesen Sie in den folgenden Porträts.

Elsbeer-Prinzessin
Bild 1809_N_Menschen_Elsbeerprinz.jpg
Ricarda Weitzl, Elsbeer-Prinzessin. Der fein-säuerliche, marzipanartige Geschmack der daumennagelgroßen Frucht begleitet sie von Kindesbeinen an. „Mir war lange nicht bewusst, dass viele Menschen Elsbeeren gar nicht kennen, welche Besonderheit mich da umgibt“, verrät Ricarda Weitzl. Die 25-Jährige verschrieb sich der Aufgabe, „diesen regionalen Schatz“ bekannter zu machen. Seit Mai 2016 ist sie Elsbeer-Prinzessin; zum sogenannten „Elsbeer-Reich“ zählen heute 23 Gemeinden in den Bezirken St. Pölten-Land, Lilienfeld und Baden. Ricarda Weitzl rührt mit dem Elsbeer-Verein mit Sitz in Michelbach bei Ball und Märkten die Werbetrommel; der „Königin der Wildfrüchte“ will sie auch Schulprojekte widmen. Sie studiert Agrarwissenschaften an der BOKU Wien, das Thema ihrer Bachelorarbeit: die Elsbeere. Acht majestätisch große, bis zu 250 Jahre alten Bäume stehen auf den Wiesen ihrer Familie, diesen Herbst werden 25 Jungbäume gesetzt. Geduld ist angesagt; die ersten Früchte wird es etwa in 15 Jahren geben. Aus Elsbeeren werden feine Brände und Süßspeisen gemacht, sie harmonieren mit Fleisch und Käse, aus den Blüten wird Sirup gezaubert. „Zudem ist der Elsbeerbaum mit seinem tiefen Wurzelsystem und durch seine Robustheit ein Baum der Zukunft“, weiß Ricarda Weitzl. www.elsbeerreich.at (© JAP Elsbeerreich)
Milchkönigin
Bild 1809_N_Menschen_Milchkoenigi.jpg (1)
Marlene Laschober, Milchkönigin. „Acht Grad – wärmer darf sie für mich nicht sein“, sagt Marlene Laschober, 22, und nimmt einen Schluck Milch aus dem Glas. Heute nicht das erste, nicht das letzte. Die Lichteneggerin ist seit Mai 2018 Milchkönigin, Prinzessin ist Magdalena Payrleitner aus Biberbach. Ihre Familie hat einen Milchviehbetrieb, ihr Freund genauso. Marlene Laschober weiß aus erster Hand, wie viel Arbeit in der Milch steckt, „nämlich 365 Tage im Jahr“. Für ein Produkt, „das leider für selbstverständlich genommen wird“. „Wir repräsentieren die Milchwirtschaft, bemühen uns um Wertschätzung für das Engagement von Produzenten, Direktvermarktern, Molkereien.“ Auch widmet sich das Duo der Aufklärung: in Kindergärten, Schulen, aber auch unter Erwachsenen. Es kursieren stets viele falsche Bilder. „Wir haben in Österreich im Schnitt rund um die 20 Milchkühe auf einem Hof, nicht Hunderte, wie manche glauben.“ Im Mittelpunkt stehe dabei stets das Tierwohl, vom Futteranbau bis hin zum Melken. „Gerade zu Milchkühen braucht es eine enge Bindung für einen entsprechenden Ertrag.“ Im Brotjob ist Marlene Laschober – sie machte im Juni ihren Bachelor in Projektmanagement und Produktmarketing an der FH in Wieselburg – beim Mostviertel Tourismus für regionale Kulinarik verantwortlich. (© LK NÖ / Franz Gleiß)
Bild 1809_N_Menschen_Milchkoenigi.jpg
(© LKNÖ)
Karpfenkönigin
Bild 1809_N_Menschen_Karpfenkoeni.jpg
Luna Maria Nosko, Karpfenkönigin. Auch die Fischzucht geht mit der Zeit. „Der Karpfen von heute hat nichts mit dem fetten Fisch von früher zu tun“, betont Luna Maria Nosko, seit Mai 2017 Karpfenkönigin. „Er wird heute gesund gefüttert, die Wasserqualität ist besser; damit er keinesfalls lettelt, wird er zusätzlich ausgewassert“, weiß die 26-Jährige. Die Liebe zum Karpfen kommt vom Herrn Papa, der im Auftrag der Burg Heidenreichstein regelmäßig Fischmärkte auf die Beine stellt. Innovativ ist er noch dazu, hat er doch den „Karpfen-Taler“ erfunden, quasi ein pikantes Pendant zu Mohnzelten. Aufgewachsen im Waldviertel, arbeitete Luna Maria Nosko zunächst in der gehobenen Hotellerie, heute ist sie mit Leidenschaft Assistentin in einer Tierklinik. Die Vorzüge des Karpfens vermag sie im Schlaf voller Enthusiasmus zum Besten geben: „Er ist ein gesunder Fisch voller Vitamine, Omega-3- und -6-Fettsäuren – und im Gegensatz zu Meeresfischen ein regionales, nachhaltiges Produkt.“ Ihre Lieblingsversion? „Der Klassiker: gebacken, mit Erdäpfel-Mayonnaise-Salat, aber nur zu Weihnachten“, lacht sie. Das Kochbuch „Karpfen kulinarisch“ gibt es als Gratis-Download: www.teichwirteverband-noe.at (© E. Hois)
Mostkönigin
Bild 1809_N_Menschen_Mostkoenigin.jpg
Nicole Bitter, Mostkönigin. Wenn sie sich für einen entscheiden muss, dann ist es der rote Pichlbirnen-Most. „Er ist mild, leicht, hat ein bissl Süße und trotzdem Säure und ist im Abgang harmonisch“, beschreibt Nicole Bitter ihren Lieblingsmost, so dass man sofort gerne einen am Tisch hätte. Seit Februar 2018 ist die Bergingerin Mostkönigin, Tanja Datzberger heißt bis 2020 ihre Stellvertreterin. Nicole Bitter ist in einem landwirschaftlichen Betrieb mit Muttertierhaltung und Mostheurigen aufgewachsen. Sie und ihr Bruder wollen eines Tages den Hof übernehmen. „Wir halten zaum wie Pech und Schwefel“, lacht die WIFI-Tourismusschule-Absolventin. Das längst überholte Image des Mostes, das bei vielen Jungen noch fälschlicherweise als „altes Bauerngetränk“ gilt, will sie weiter aufpolieren. „Es hat sich so viel geändert; es werden heute nur noch beste Rohprodukte verarbeitet, wir haben auch sortenreine Moste, Birnen-Frizzante oder Birnen-Cider“, zählt sie auf. Auch über die Landesgrenzen hinaus will sie weiterhin die feinen Moste präsentieren; „ich sehe den Wein nicht als Konkurrenz. Dem einen liegt das mehr, dem anderen das andere.“ moststrasse.mostviertel.at, mostbarone.at (© Herbert Bitter)
Bild 1809_N_Menschen_Mostduo_c_La.jpg
(© Landjugend Niederoesterreich)
Veltlinerland-Weinkönigin
Bild 1809_N_Me_Veltlinerland_c_We.jpg
Sandra Wötzl, Veltlinerland-Weinkönigin. Sandra Wötzl schlägt gerne ungewöhnliche Wege ein. So auch bei der Wahl ihres ersten Praktikums, das sie an ihre Weinmanagement-Ausbildung in Krems anschloss: Sie arbeitete drei Monate auf einem Weingut in Schweden. „Ich hatte immer schon eine Vorliebe für nordische Länder.“ Vergangenen Sommer sammelte sie Erfahrungen in Kanada. Gleich drei Prinzessinnen stehen der Veltlinerland-Weinkönigin zur Seite: Rebecca Hugl, Sonja Tögl und Theresa Pühringer. An die Erstgenannte gibt die 23-Jährige aus Klein Harras noch diesen September ihre Krone weiter. Viele Menschen hat sie in ihrer zweijährigen „Regentschaft“ kennengelernt, auf vielen Veranstaltungen die edlen Tropfen aus ihrer Heimat präsentiert. Selbst witzig-schöne Gedichte über den Weingenuss aus eigener Feder trug sie vor. Während ihre Schwester Krankenschwester wurde, will sie auf dem Weingut der Familie bleiben. „Wenn es oft gar nicht so leicht ist, wenn mehrere Generationen mitreden: Ich bringe mich schon jetzt aktiv ein“, lacht Sandra Wötzl. „Andererseits sind unterschiedliche Ansichten auch von Vorteil.“ (© Werner Kraus)
Bild 1809_N_Me_Veltlinerland_36.jpg
TEAMGEIST. Mit Prinzessinnen Rebecca Hugl, Sonja Tögl, Theresa Pühringer (© Privat)
Weinkönigin
Bild 1809_N_Menschen_Weinkoenigin.jpg (1)
Julia Herzog, Weinkönigin. Dass eine junge Frau nach einem Monat Yoga in Indien, eine Krone anstrebt, demontiert hübsch mehrere Klischees. „Ich habe spontan am letzten Tag der Frist meine Bewerbung abgegeben“, sagt Julia Herzog aus Bad Vöslau. Sie überzeugt mit Fachwissen und einer Rede über Weintrends und Gesundheit die 25-köpfige Jury aus Weinbau, Politik und Medien – und wird im Juni 2017 niederösterreichische Weinkönigin. Seit dem Sommer 2018 tourt die 24-Jährige sogar als Bundesweinkönigin durch In- und Ausland. Stets im Gepäck: viel Wissenswertes zur Qualität heimischer Weine. Aufgewachsen im Weinbaubetrieb inklusive Heurigen, sammelte Julia Herzog auch in Neuseeland und Südafrika Erfahrungen; heute ist sie selbst Jungwinzerin. „Ich mag die Vielfalt am Beruf, dass ich – da waren meine Eltern entgegenkommend – meine Vorstellungen verwirklichen kann“, sagt sie. Dass man Wetterkapriolen ausgeliefert ist, dass es keinen „Alltag“ gibt, nimmt sie für ihre Leidenschaft in Kauf. Zum Ausgleich macht sie Sport: vom Marathon bis hin zum Klettern. „Wenn ich sehe, dass die Leute bei einem guten Glaserl zusammenkommen, wenn sie sich für das Produkt interessieren, für das man das ganze Jahr schwitzt – das ist einfach schön“, findet die Weinkönigin, der als Vize-Weinköniginnen Melanie Moser und Teresa Dietl zur Seite stehen. (© Johann Ployer)
Bild 1809_N_Menschen_Weinkoenigin.jpg
POWER-TRIO. Mit Melanie Moser und Teresa Dietl (© LK NÖ / Eva Lechner)
Dirndlkönigin
Bild 1809_N_Menschen_Dirndlkoenig.jpg
Melanie Maria Pfeffer, Dirndlkönigin. 2017 war ganz schön viel los bei Melanie Maria Pfeffer in Frankenfels: Sie arbeitete im Schichtbetrieb, machte ihre Matura und den Sanitäterkurs. Und zur Krönung gab es auch noch eine Krönung: zur Dirndlkönigin gemeinsam mit Dirndlprinzessin Romina Winter. Die Schärpe wandert diesen September weiter, die 21-Jährige blickt auf eine bewegte Zeit zurück. „Ich war gern Dirndlkönigin, bin viel fortgekommen, habe viele neue Leute kennengelernt und konnte für etwas Gutes einstehen“, beschreibt sie. Wenngleich gerade im Pielachtal viele die Frucht selbst kennen, die Vielfalt an Dirndlprodukten – sie reicht von Schokolade bis Honig – sei für die meisten selbst dort noch eine Überraschung. „Ich hatte bei Veranstaltungen gerne ein Flascherl Likör oder Schnaps dabei, da bringt man die Leute schnell zum Kosten“, lacht sie. „Mir war immer wichtig, die Regionalität zu betonen.“ Schon zuvor hatte die quirlige junge Dame die Tischlerei-Lehre absolviert, zuletzt finalisierte sie ihre Ausbildung zur Rettungssanitäterin und wechselte kürzlich hauptberuflich zur Rettung. „Das ist ein abwechslungsreicher Beruf und man tut was Gutes.“ Der Name der neuen Dirndlkönigin wird beim Dirndlkirtag in Ober-Grafendorf verlautbart (28. bis 30. September 2018). (© Katharina Karner / www.foto-karner.at)
Bild 1809_N_Menschen_Dirndlkoenig.jpg (1)
SELFIE. Mit Dirndlprinzessin Romina Winter (copy; privat)
Waldkönigin
Bild 1809_N_Menschen_Waldkoenigin.jpg
Anna Maria Gebhart, Waldkönigin. Zepter und Krone, kunstvoll aus Zirbenholz gefertigt, begleiten Anna Maria Gebhart, 22, noch bis November 2019. Viele Mädels drücken dort nicht die Bank, so fiel sie schon bei der Ausbildung zur Forstfacharbeiterin an der Berufsschule Edelhof auf. Ein Vorstellungsgespräch bei Forstdirektor Werner Löffler später war die Hürmerin (Bezirk Melk) die dritte Waldkönigin. „Holz ist leiwand!“, sagt sie. „Es ist nicht einfach zum Verbrennen da, es ist so vielseitig einsetzbar – sogar Kaugummi kann man aus dem Harz schon machen.“ Die Botschaft von dem Produkt, das sie selbst im eigenen Wald hegt und pflegt, trägt sie seit November 2016 durch ganz Österreich. Mal setzt sie mit Kindern Jungbäume, ein anderes Mal feuert sie die Teilnehmer beim Eurojack, einem großen Motorsägensport-Event an. Anna Maria Gebhart packt im elterlichen Betrieb mit an. „Ich mache alles, was gerade anfällt: vom Schweinefüttern über Ackern bis hin zum Anbauen.“ Seit sieben Jahren ist die junge Frau, die auch jagt, aktives Feuerwehrmitglied ist und im Musikverein spielt, mit ihrem Freund zusammen. Ihre Vision: „Gemeinsam etwas Eigenes schaffen. Landwirtschaft funktioniert am besten, wenn man die Erfahrungen der Eltern mit unseren jungen Ideen kombiniert.“ www.waldverband-noe.at (© LK NÖ/ Marschik)
Christbaumkönigin
Bild 1809_N_Menschen_Christbaumko.jpg
Jennifer Fröhlich, Christbaumkönigin. Viele von uns beschäftigt das Jahr für Jahr: Wie bleibt der Chistbaum möglichst lange frisch im Wohnzimmer? „Im Wasserkreuz“, weiß Jennifer Fröhlich, nicht nur weil sie die Lehre zur Gartenfacharbeiterin in der Tasche hat, sondern auch, weil sie die erste Christbaumkönigin Niederösterreichs ist. „Am besten schneidet man den Baum vorher noch an, damit er gut Wasser aufnehmen kann. Meiner hält so bis Februar.“ Der ARGE-Verein der Christbaumbauern kürte sie im August 2016 zur Christbaumkönigin; das Amt soll sie bis 2019 bekleiden. Schon als Kind ging sie leidenschaftlich gerne mit Opa Willibald Greßl in den Wald, „in der Vorweihnachtszeit ist meine ganze Verwandtschaft unterwegs, um Christbäume zu verkaufen“, erzählt die 25-Jährige aus Hilmanger, Maria Taferl. Ihr Ehrenamt bedeutet vor allem in der Vorweihnachtszeit eine ordentliche Herausforderung, schupft sie doch da auch neben Advenmarkt-Eröffnungen und Co. ihren 40-Stunden-Job im Lagerhaus Roggendorf – Samstagsdienste inklusive. „Einsetzen, pflegen, zwicken, düngen, schneiden – dem Christbaum sieht man diese Arbeit kaum an. Es ist besonders für Kinder toll, wenn Familien zu uns kommen und sich den Baum direkt aussuchen“, schwärmt sie. „Manche sogar schon im Sommer.“ (© Dieter Nagl/Weihnachtsbaum.at)