Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 18.10.2016

„Iss ein Stückerl Keks und denk an deinen Liebsten!“

Diesen Oktober wird Inge Maux 72. Und es regnet Film- und Kinorollen. Wir besuchten die herzliche Neo-Niederösterreicherin mit den funkelnden Augen und sprachen mit ihr über 13 Hochzeitsfeste, Nacktheit vor der Kamera und Ballett als Workout.

Bild Inge Maux_groß.jpg
STRAHLENDE MIMIN. Nur maximal gleich nach dem Aufstehen pausiert ihre positive Stimmung kurz, verrät Inge Maux bei unserem Besuch bei ihr zuhause in Artstetten. (© Laurent Ziegler)

Der Hang zur Theatralik begleitete sie von Mädchenbeinen an. Als sie die Klosterschule besuchte, verstärkte sich gar die dramatische Passion. „Ich war verzückt vor Inbrunst“, lacht Inge Maux. Regelmäßig fiel sie während der Wandlung in Ohnmacht. Ein Frühstück gab es vor dem Gottesdienst nicht; dass die umwerfende Reaktion freilich am niedrigen Blutzuckerspiegel gelegen haben muss, wurde ihr erst später bewusst. Damals hingegen spürte sie eine Berufung, spekulierte in der Tat auf ein Leben als Nonne.
So ziemlich genau das Gegenteil ist passiert. Statt dem Rückzug in die Religion wurde es ein Siegeszug im Rampenlicht. Auf den Theaterbrettern schon lange, in Kino und Fernsehen erlebt Inge Maux jetzt mit knapp über 70 ein schillerndes Karrierehoch: Zu ihren Fans zählen Filmemacher Ulrich Seidl und David Schalko; sie spielte mit Karl Merkatz in „Der Blunzenkönig“, mit Günther Maria Halmer oder Mavie Hörbiger kommt sie mit „Sommerhäuser“ demnächst ins Kino, eine brandneue Folge von „Schnell ermittelt“ drehte sie unlängst mit Ursula Strauss.

Strahlende Aura. Eingehängt bei Regisseur und Intendant Alexander Hauer erscheint sie zur Premiere der Sommerspiele Melk; ein Jahr zuvor stand sie auch dort selbst auf der Bühne. Sie lächelt, schüttelt Hände, ist wie umhüllt von einer lückenlos positiven Aura. Über die Interviewanfrage freut sich die Neo-Niederösterreicherin sofort – und empfängt uns wenige Wochen später mit eben derselben Herzlichkeit in ihrem Haus in Artstetten: strahlend, mit den kleinen Hunden Suri und Pepita im Arm, im hauchdünnen, farbenfrohen Kaftan über dunkler Hose und Top. Stolz zeigt sie uns den Panoramablick auf Schloss Artstetten und ihren wildromantischen Garten mit dem kleinen Schwimmteich, an dessen Ufer sie sich oft in ihren Rollen verliert. „Wir fühlen uns hier so wohl“, schwärmt sie. Seit einem Jahr lebt sie mit ihrem Mann, dem Schauspieler Manfred Dino Schmid in dem Haus, das einst dem Schwiegerpapa gehörte. Die beiden waren schon ein Paar, als sie 18 war; damals gab es kein Happy End. „Ich bin aber eine Wiederholungstäterin“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Eine zehnjährige Ehe mit dem Philosophen Juraj Maly und eine Zeit der Boheme mit einem viel jüngeren Künstler waren Geschichte, als sie das Schicksal erneut zueinander führte. „Daraufhin haben wir gleich 13 Hochzeitsfeste gefeiert. Mit ihm vergeht mir die Zeit auch viel zu schnell“, schwärmt sie. An seiner Seite genießt sie nun auch ihre Rolle als „Ersatzmami“ und „Ersatzoma“, wie sie erklärt. Überglücklich ist sie über die gute Beziehung zu seiner Tochter aus erster Ehe, erfüllte sich doch ihre einstige Vision von elf Kindern nicht.

Bild Strauss Maux_Abend der Nominierten Österreichischer Filmpreis (c) Viktor Brazdil.jpg
(© Viktor Brazdil)
Bild IMG_2356.jpg
REFUGIUM. Oft verliert sich die Mimin in ihre Rollen im Garten mit Blick auf das Schloss Artstetten. (© Viktória Kery-Erdélyi)
Bild mit Laura Tonke Sommerhäuser.jpg
SELFIE-MANIA. Inge Maux mit der preisgekrönten deutschen Schauspielerin Laura Tonke
Bild IMG_2346.jpg
 

Heimatlos in Hamburg. Inge Maux war in Mettmach, Oberösterreich, aufgewachsen. Dort dekorierte sie schon als Kind am liebsten das Schaufenster von Omas Laden und ebendort war auch die Faszination für die Schauspielerei geboren. In jungen Jahren stand die Künstlerin als Schlagersängerin auf der Bühne – mit Stars wie Georges Dimou oder Gus Backus. Ihr Ziel verlor Ingeborg Christine Wöchtl, so ihr bürgerlicher Name, aber nie aus den Augen. Sie liebte die Schauspielschule, sog die Kinoabende in Wien wie ein Schwamm in sich auf. „Ich war schockiert, als ich vorzeitig mein Zertifikat bekam“, schildert sie. Überdurchschnittliche Begabung hatte man ihr attestiert, doch die junge Inge Maux – den Namen lieh sie sich von ihrem Onkel, dem Komponisten Richard Maux – wollte eigentlich weiterstudieren. „Also habe ich weitergelernt, und weil es mich so interessierte, nach allen Methoden gearbeitet, die es nur gab, ob nun Stanislawski, Grotowski oder Strasberg.“
Mit Haut und Haar taucht sie stets in ihre Rollen. So irrte sie schon als junge Mimin nachts heimatlos durch Hamburg, um sich auf die Rolle des Aston (!) in „Der Hausmeister“ einzustimmen. „So eine Freiheit! Ich fühlte mich erleichtert, für die Rolle eines Mannes einmal die Koketterie abzulegen“, schmunzelt sie.

Tiefpunkt. Eine Vielzahl großer Rollen säumt ihre Laufbahn, als ein tragischer Verlust sie aus der Bahn wirft. Der Schauspieler Wolfgang Reichmann, ihr kreativer Partner, Förderer und Mentor, erleidet einen plötzlichen Herztod. „Wir hatten ein bissl auch eine Liebe“, gibt Inge Maux zu. „Als ich erfuhr, was passiert ist, schlug ich mit dem Kopf am Küchenboden auf.“
Im größten Schmerz beginnt sie zu fotografieren – und findet so den Weg aus der tiefen Trauer. „Ich versuchte Spiegelungen, Doppelbelichtungen, spannende Perspektiven. Wenn das Bild fertig war, war es fertig. Im Nachhinein habe ich es nie bearbeitet.“ Selbst namhafte Menschen wie Pierce Brosnan oder Robin Williams bekam sie im Laufe der Jahre vor ihre Linse; ihre Fotografien – ebenso wie ihre malerischen Arbeiten – zeigt sie immer wieder bei Ausstellungen.

Blitzlichtgewitter. Noch einen Hauch mehr funkeln ihre so außergewöhnlich leuchtenden Augen, wenn sie über ihre jüngsten Erfolge spricht. Der Traum vom großen Kino wurde mit Ulrich Seidls „Paradies: Liebe“ wahr, in der sie eine liebeshungrige Touristin auf Männerfang in Kenia gab. Eine packend natürliche Performance. „Ich bin Ulrich so dankbar für diese Chance. Aber ich war kein schöner Anblick“, findet sie. Rein optisch mag sie sich lieber in der ZDFneo-Sitcom „Blockbustaz“, in der sie hübsch gestylt Telefonsex praktiziert. Für „Spuren des Bösen“ (Regie: Andreas Prochaska) war sie im Vorjahr für den deutschen Fernsehpreis als beste Nebendarstellerin nominiert, heuer sitzt sie in der Jury zur Vergabe des besten Hauptdarstellers.
Als Tante mit Alkoholproblem schläft Inge Maux in „Sommerhäuser“ im Eva-Kostüm in der Sonnenliege ein, für eine neue „Schnell ermittelt“-Folge steigt sie vor der Kamera in die Badewanne. „‚Iss ein Stückerl Keks und denk an deinen Liebsten‘, hat der Regisseur Michi Riebl zu mir gesagt“, amüsiert sich die Schauspielerin. Ob ihr das Nacktsein vor der Kamera schwerfällt? „Bei ,Paradies: Liebe’ hätte ich mich noch nicht getraut, aber jetzt geht das schon“, sagt sie. Um sich wohl in ihrer Haut zu fühlen, macht sie Ballett. Und zwar nach dem Buch von Mary Helen Bowers, deren „Ballett-Workouts“ nach dem Hollywoodfilm „Black Swan“ um die Welt gingen. Bei so viel Nacktheit auf Fernsehbildschirm und Leinwand wage ich zum Abschluss eine intime Frage. Und die Antwort ist so bezaubernd wie Inge Maux von der ersten bis zur letzten Sekunde des Gesprächs: „Natürlich ist mir Sinnlichkeit wichtig, schließlich haben mein Mann und ich uns sehr gern.“

Inge Maux – Aktuelle Projekte
Sonja Maria Kröner: „Sommerhäuser“, Kinostart Winter 2016/17
David Schalko: „Landkrimi Wien.
Höhenstraße“, Fernsehfilm für 2016/17
Ulrich Seidl: „Böse Spiele“,
Drehstart 2017
Michi Riebl: „Schnell ermittelt:
Gudrun Schatzinger“ (voraussichtlicher
Sendetermin Winter 2016/17)
Jan Markus Linhof: „Blockbustaz“,
ZDFneo-Sitcom, Drehstart für die
zweite Staffel 2017