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People | 12.11.2018

Vom Manager zum Abt

Gregor Ulrich Henckel Donnersmarck, Altabt des Zisterzienserstifts Heiligenkreuz, erzählt nun die Geschichte seines Lebens, das vor allem eines ist: ungewöhnlich, unkonventionell und bewegt.

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Junger Priester und Mönch (© Privatarchiv Abt Gregor Henckel Donnersmarck)

Geboren in eine Adelsfamilie, die in Schlesien durch Steinkohlebergbau und Industrie zu Wohlstand gelangt, strandet Ulrich Henckel Donnersmarck als Flüchtlingskind des Zweiten Weltkriegs in Kärnten. Mit Ehrgeiz und wirtschaftlichem Geschick arbeitet er sich empor, macht schon in jungen Jahren Karriere und wird Geschäftsführer der Speditionsfirma Schenker Spanien in Barcelona. Und dann, völlig überraschend, kommt es zum Bruch: 1977, mit 34 Jahren, tritt er als Novize ins Zisterzienserkloster Stift Heiligenkreuz ein und nimmt den Ordensnamen Gregor an. Eine Entscheidung, die Rätsel aufgibt, doch zu persönlicher Freiheit und Bestimmung führt.1999 wird Gregor Ulrich Henckel Donnersmarck Abt des Stiftes und empfängt dort 2007 Papst Benedikt XVI. 2011 beendete er seine Amtszeit als Abt, seither verbringt Altabt Gregor seinen aktiven Ruhestand mit vielen Vorträgen und priesterlichen Tätigkeiten.

Das ist es, was ich bin

„Ja, ich war Spediteur – und gewissermaßen bin ich das immer noch. Bei Schenker & Co habe ich mich darum gekümmert, dass weltliche Waren von ihrem Produktionsort an den Abnehmer kamen. Als Geistlicher bemühe ich mich darum, dass die Ware ‚Glauben‘, die in himmlischen Gefilden ihren Ursprung hat, ihren Weg auf die Erde findet. Der weltliche Spediteur ist unter anderem auch für die Verpackung der Ware, die er transportieren lässt, zuständig, und in gewissem Sinne ist das ja der geistliche Spediteur auch, denn er präsentiert seine Glaubensinhalte in einer Form, die ansprechend ist. Das Handeln des Priesters als Seelsorger und Spender von Sakramenten ist eine Art des Dazwischentretens, nicht um zu trennen, sondern um den Kontakt herzustellen. Er ist letztendlich ein Vermittler geistiger Inhalte oder, anders gesagt, ein himmlischer Spediteur. Das ist es, was ich bin“, resümiert der beliebte Alt­abt über seine Lebensaufgabe.

 

Vom Manager zum Abt
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Ulrich Henckel Donnersmarck als Gymnasiast (© Privatarchiv Abt Gregor Henckel Donnersmarck)
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Ein Familienbild zum 85. Geburtstag der Mutter. Abt Gregor Ulrich Henckel Donnersmarck mit Bruder, Schwägerin und den beiden Neffen (© Privatarchiv Abt Gregor Henckel Donnersmarck)

Ein Leben zwischen Welt und Kloster

Auch hinter Klostermauern bleibt Abt Gregor offen für die Sorgen und Forderungen der Welt. Er sucht den Dialog zwischen Wirtschaft und Kirche, bewährt sich als Krisenmanager und wirkt bis heute geistig-spirituell als Brückenbauer und Erneuerer. So tritt er für eine ethisch vertretbare Ökonomie genauso ein wie für den Dialog mit dem Islam und für einen menschlichen Umgang mit Flüchtlingen. Seine Biografie schildert österreichische Zeitgeschichte aus dem Blickwinkel eines Kirchenmannes – lebendig, verblüffend und packend.

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LESENSWERT! Ueberreuter Verlag ISBN: 978-3-8000-7706-9 Preis: € 24,95