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People | 21.02.2019

Gut getarnt

24 Jahre jung, ausverkaufte Abende, ausgezeichnet mit dem Österreichischen Kabarett-Förderpreis: Wir trafen in Stockerau Christoph Fritz – „Das Jüngste Gesicht“ inklusive dunkler Seite.

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(© Roland Ferrigato)

Christoph Fritz möge uns verzeihen, ein Geheimnis muss hier gelüftet werden: Dass er in Kleinschra­mming am Winzling aufwuchs, wie bei der Überreichung des Österreichischen Kabarett-Förderpreises kürzlich behauptet, entspricht nicht der Wahrheit. Er und sein Schmäh gediehen im Schoß der Marktgemeinde Hausleiten. Wir sind guter Hoffnung, dass er uns unser Bekenntnis zur journalistischen Wahrheitspflicht nachsieht. Bitte lesen Sie hier ein Best-of aus unserem Gespräch in Stockerau – und prägen Sie sich den Namen gut ein. Dass Christoph Fritz im Jänner eine Reihe ausverkaufter Auftritte mit seinem „Das Jüngste Gesicht“ feierte, lässt auf entsprechende Motivation hoffen, damit es nicht bei einem erfolgreichen Debüt bleibt.

NIEDERÖSTERREICHERIN: Du hast Europäische Wirtschaft studiert – warum?

Christoph Fritz: Ich habe kein genaues Ziel gehabt, ich wollte studieren – das ist mir eingefallen. Ich habe mir gedacht, das ist keine schlechte Basis.

Ausverkaufte Abende: Was ist das für ein Gefühl?

Ein schönes, furchteinflößendes: Da kommen Leute und zahlen Eintritt.

Macht das Druck?

Schon, aber das gehört dazu.

Wie kamst du zum Kabarett?

2014 habe ich begonnen, amerikanische und britische Stand-up-Comedy zu konsumieren und bald beschlossen: Das probiere ich selbst. Ich habe ein Open Mike (Open Mic bzw. Offene Bühne, Anm.) gesucht und als erstes eines in einem australischen Pub in Wien gefunden. Das war zwar auf Englisch, aber da war ich nach einem Auslandssemester gerade gut drinnen.

Entschuldige bitte, du wirkst eigentlich eher zurückhaltend. Bist du das oder ist das deine Rolle?

Beides. Ich glaube, das ist auch kein Widerspruch, dass man eher ruhiger ist und auf die Bühne geht.

Du bist 2018 mit deinem Programm „Das Jüngste Gesicht“ durchgestartet. Da kommt Kirche vor, Politik, Flüchtlingsthematik …

Da sind viele verschiedene Themen, die mich beschäftigen. Aber angefangen habe ich bei mir selbst, weil ich mich da am meisten auskenne. Ich notiere mir ständig irgendwo Dinge, die mir einfallen; was sich passend angefühlt hat, habe ich in die 90 Minuten reingenommen.

Hast du Botschaften, die du unters Volk bringen willst?

Ich möchte die Leute zum Lachen bringen. Wenn sie mehr mitnehmen, würde mir das gefallen, aber ich habe keinen Auftrag. Locker, flockig, positiv mag ich nicht sein, ich mag Sachen, die ein bisschen dünkler sind.

 

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PREISVERLEIHUNG. Den Förderpreis des Österreichischen Kabaretts überreichte „vormagazin“-Chefredakteur Christoph Langecker (im Bild mit Moderatorin Verena Scheitz). (© Kabarettpreis/Stefan Joham)

Die Wiener Zeitung schrieb über dich: „Bitterböse Satire mit Baby­face-Bonus“ – was hältst du davon?

Das ist irgendwie stimmig. Der Kontrast ist witzig für manche. Mir haben schon Leute aus der Szene gesagt, dass ich mir, gerade weil ich unschuldig wirke, mehr erlauben kann. Ich weiß nicht, ob das stimmt. Wenn ja, fürchte ich mich davor, wenn ich dieses junge Gesicht irgendwann verliere. Aber man entwickelt sich ja auch weiter …

Auf einem Instagram-Post räkelst du dich vor dem Spiegel mit den Worten: „… wenn dir jemand sagt, du schaust nicht sexy aus“ – nimmst du Social Media auf den Arm?

… eher die Leute, die sich so inszenieren. Aber an sich versuche ich Face­book und Instagram regelmäßig zu pflegen, es sagen doch alle, dass das ein wichtiges Marketingtool ist. Aber ich tue es eben auf meine Art. Ich nehme das ernst, aber eben nicht ernst.

Der Förderpreis: eine wichtige Sache für dich?

Eine Bestärkung, dass man dranbleibt, gerade wenn die Selbstzweifel groß sind. Da denkt man sich dann: So furchtbar kann ich nicht sein.

Kennst du arge Selbstzweifel?

Ja. Die habe ich generell. Aber es ist auch gut, sich zu hinterfragen. Das Leben als Kabarettist begünstigt die Selbstzweifel ein bisschen, weil man viel allein arbeitet. Aber das ist ein Prozess, dass ich lernen muss, damit umzugehen. Wie insgesamt mit dem Beruf und damit, selbstständig zu sein.

Wie hat deine Familie darauf reagiert, dass du diesen Weg einschlägst?

Anfangs zögernd, als ich meinen Job bei der Versicherung gekündigt habe, aber verständnisvoll. Mit dem Preis sehen sie auch, dass es gut läuft.

Wie viele Auftritte hattest du 2018? Wie geht es dir mit der Nervosität?

Knapp 100: solo und gemischt wie bei „Lange Nacht des Kabaretts“. Da kommt ein bisschen die Routine. Früher war ich schon eine Woche vorher nervös, jetzt bin ich es zwei Tage vorher. Manche sagen, wenn sie auf der Bühne sind, ist die Nervosität weg. Bei mir nicht. Wenn es ein guter Abend war, dann vielleicht bei der Zugabe.

 

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Brav ist nur der Look. Christoph Fritz macht schön böses Kabarett. Regie: Vitus Wieser. (© Viktória Kery-Erdélyi)

Warum Kabarett?

Ich wollte sehen, ob ich das kann. Ob ich lustig bin oder nicht. Und ein bisschen aus dem Kick, sich der Angst zu stellen. Beim ersten Offenen Abend habe ich mich zunächst angemeldet und mich dann von der Liste streichen lassen. Ich bin dann aufs Klo gegangen und meine Freunde haben mich wieder angemeldet. Heute bin ich froh darüber. Ich war immer der ruhige Typ, vielleicht gefällt mir das jetzt gerade deswegen, dass ich gehört werde mit meinem Mikrofon. Die Leute müssen mir jetzt zuhören (schmunzelt).

Und zahlen sogar dafür.

Genau! Ich glaube, dass eher die unsicheren Leute auf der Bühne sind. Die, die sowieso wissen, dass sie toll und lustig sind, treibt es weniger dorthin. Das ist meine Theorie.

Was ist das Schönste am Kabarett?

Wenn man einen hinterlistigen Witz macht und merkt, dass es eine andere Art von Lachen ist als bei einem harmlosen Witz, wenn man die Leute ein bisschen vor den Kopf stoßen kann.

Die Journalisten bejubeln dich, warst du schon mal mit negativer Kritik konfrontiert?

Das kam schon vor und beschäftigt mich manchmal länger. Das tut Kritik nicht immer. Zuletzt habe ich eine böse E-Mail bekommen, die unfreiwillig lustig war – als Reaktion auf das ‚Vater unser‘, das ich umgetextet habe. Das fand ich eher schön.

Bist du privat pessimistisch?

Ich gehe oft vom Schlimmsten aus und freue mich, wenn es doch nicht eintrifft.

Was darf man noch von deinem Privatleben erfahren?

Ich habe zwei Katzen, das war‘s.

Du kochst also nicht heimlich auf Haubenniveau oder treibst Ex­tremsport?

Ich habe nicht so ein aufregendes Leben. Wobei ich hin und wieder Darts werfe. Ich glaube, dass das ein bisschen Extremsport ist, weil ich es hin und wieder am nächsten Tag im Arm spüre.

Siehst du dich irgendwann als Familienvater?

Das ist zu weit weg. Aber manchmal denke ich, ich müsste einen Sohn kriegen und dann müsste ich ihn fast Fritz nennen, damit er Fritz Fritz heißt.