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People | 15.03.2019

Wir sind auf einem guten Weg!

Seit genau einem Jahr ist Christiane Teschl-Hofmeister als Landesrätin für Soziales, Bildung, Jugend und Familie im Amt. Ein Jahr mit großen Aufgaben und voller Agenda.

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(© Vanessa Hartmann)

Als ehemalige Chefredakteurin des ORF NÖ war Christiane Teschl-Hofmeister gewohnt, über die Politik im Land zu berichten. Bis sie vor ziemlich genau einem Jahr einen Anruf erhielt, der ihre berufliche Tätigkeit entscheidend verändern sollte. Landeshauptfrau Mikl-Leitner fragte an, ob sie sich vorstellen könnte, in ihr Landesregierungsteam zu wechseln. Am 22. März 2018 wurde die 45-jährige Magistra als Landesrätin angelobt – und ist seitdem mittendrin in jener Welt, in der politische Entscheidungen getroffen werden.

Landhaus, Freitagnachmittag, strahlender Sonnenschein. Ein Termin, wo sich viele bereits ins Wochenende verabschieden können. Nicht so die Landesrätin. War es doch die einzige Terminlücke, die wir für unser Interview finden konnten. Als wir schon mit dem Aufbauen für das Shooting beginnen, kommt Christiane Teschl-Hofmeister in ihr Büro gewirbelt, um uns sehr freundlich noch kurz zu vertrösten, denn ein weiterer Termin muss noch eingeschoben werden. Frisch und voll engagiert wirkt sie. 

Hinter dem Schreibtisch fallen uns fröhliche Familienfotos ins Auge, sowie Zeichnungen und reizend kleine Briefchen der beiden Kinder Ida (8) und Bruno (5) an die Mama. In Mönichkirchen am Wechsel hat man in den Semesterferien einen Familienurlaub verbracht. „Ida und Bruno haben im Skikurs sogar Medaillen gewonnen“, lacht die Landesrätin, und man spürt, dass ihr Familie alles ist. Wie auch Familienarbeit auf der Agenda NÖ oberste Priorität hat. Womit wir mittendrin wären – in der Politik. 

NIEDERÖSTERREICHERIN: Was war Ihre Motivation, sozusagen „die Seiten zu wechseln“?

Christiane Teschl-Hofmeister: Nach dem Angebot der Landeshauptfrau habe ich mich mit meiner Familie an den Tisch gesetzt und wir haben gemeinsam darüber gesprochen. Ich muss aber sagen, dass es für mich ziemlich schnell klar war, dass ich diese Aufgabe gerne übernehmen möchte. In meiner Zuständigkeit als Landesrätin für Bildung, Familien und Soziales möchte ich daran mitarbeiten, unser Niederösterreich für alle Generationen als lebenswertes Familienland zu erhalten und weiterzuentwickeln.

Mit der Einführung des Frauenwahlrechts vor 100 Jahren wurde auch eine große Hürde genommen, um Frauen den Weg in die Politik zu ermöglichen. Wenn man den Frauenanteil der Bevölkerung mit knapp über 50 Prozent anschaut, so hinkt die Politikerinnen-Quote weit nach. Was sind die Gründe dafür?

Das traditionelle Frauenbild war sicher lange ein Hemmschuh für Frauen, sich politisch zu engagieren. Erst in den letzten zehn bis 15 Jahren ist die Kritik gegenüber erfolgreichen und engagierten Frauen bezüglich „fehlender“ Familienzeit usw. leiser geworden. Um alle Aspekte unseres gesellschaftlichen Lebens beachten zu können, also auch die Anliegen und Sichtweisen der Frauen, braucht es eben mehr Frauen in der Politik. Ich denke, wir sind auf einem guten Weg, es ist aber sicher noch viel Luft nach oben.

Der erschütternden Tatsache geschuldet, dass allein in Niederösterreich seit Jahresbeginn bereits fünf Frauenmorde passiert sind, möchte ich gleich mit dem Thema „Gewalt an Frauen“ beginnen. Sie haben auf Landesebene umgehend darauf reagiert ...

Ja, stimmt. Aufgrund der Häufung der Gewaltverbrechen habe ich noch im Jänner zu einer Expertinnen- und Expertenrunde zum Thema „Gewalt an Frauen“ eingeladen, wo wir einen intensiven Austausch zwischen Einrichtungen des Opferschutzes, Beratungseinrichtungen und Exekutive führen konnten. Dabei haben wir uns auf regelmäßige Treffen und aktive Vernetzung der unterschiedlichen Stellen geeinigt, um die Zusammenarbeit in dieser aktuellen Phase noch stärker zu fördern. 

 

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Im Gespräch: Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister und Chefredakteurin Angelica Pral-Haidbauer (© Vanessa Hartmann)

Stichwort „blau-gelbes Familienpaket“:  In einer arbeitsteiligen Welt ist die Frage nach einer bedarfsgerechten Kinderbetreuung, beginnend bei den Kleinstkindern, von großer Bedeutung. Wird ein flächendeckendes Angebot kommen?

Der Ausbau der Kinderbetreuungsangebote ist mir ein persönliches Anliegen. In einem Flächenbundesland wie Niederösterreich ist es wichtig, dass dort Angebote entstehen, wo entsprechende Nachfrage besteht bzw. wo sie gebraucht werden. Wir haben uns das Ziel gesetzt, hundert neue Kleinstkindergruppen im ganzen Land entstehen zu lassen.

In Ihren Aufgabenbereich fallen ja nicht nur Familie und Jugend, sondern auch die immer größer werdende Gruppe der Senioren, die nicht mehr mit jener Gruppe von Pensionistinnen und Pensionisten der Vergangenheit zu vergleichen sind. Sie setzen auf Weiterbildung, welche Angebote gibt es dazu?

Niederösterreich bietet ein breites Spektrum an Angeboten. Seit 2007 gibt es beispielsweise speziell für Seniorinnen und Senioren an den Fachhochschulen St. Pölten und Wr. Neustadt eintägige Weiterbildungstage, an der IMC FH Krems seit 2012 sogar eine eigene „SeniorInnenUNI“, die im Zweijahresrhythmus einen viersemestrigen Lehrgang anbietet.

Wobei der 2018 gestartete Lehrgang unter dem Motto „Ehrenamtliches Engagement“ steht. Gewinnt das Ehrenamt immer mehr an Bedeutung und welche Rolle wird es in der Pflege spielen?

In den 48 niederösterreichischen Pflege- und Betreuungszentren leisten derzeit rund 1.600 Freiwillige jährlich etwa 240.000 Ehrenamtsstunden. Nicht alle Bewohnerinnen und Bewohner haben Angehörige, auch hier bringen unsere Ehrenamtlichen Abwechslung und gute soziale Beziehungen in den Alltag. Das ist eine enorm wichtige und unverzichtbare Leistung, für die wir sehr dankbar sind. 

Unser Ziel ist ja, möglichst gesund alt zu werden. Welche Initiative setzen Sie zum gängigen Schlagwort „in Bewegung bleiben“?

Im Jahr 2018 wurden bereits zum dritten Mal die „NÖ Seniorensportlerinnen und Seniorensportler des Jahres“ für ihre sportlichen Leistungen in unterschiedlichsten Disziplinen geehrt und ausgezeichnet. 

Also auch als Ansporn für Jüngere ...

Auf jeden Fall. Alle Nominierten sind Vorbilder, nicht nur für Ältere. Heuer ist wieder sichtbar geworden, welch tolle sportlichen Leistungen bis ins hohe Alter möglich sein können! Mit der Förderaktion „Schulhöfe und Spielplätze in Bewegung“ werden zudem immer wieder Projekte zum Ausbau von „Treffpunkten zum Austausch aller Altersgruppen“  unterstützt. Diese Generationenprojekte sind uns wichtig!

Institutionen im Sozial- und Gesundheitsbereich befürchten einen nahenden Pflegenotstand. Bei der niederösterreichischen Ausbildungs-Offensive für den Pflegebereich sollen heuer zusätzlich 400 Ausbildungsplätze geschaffen werden. Kann die Pflege damit längerfristig gesichert werden?

Wir setzen seit vielen Jahren auf eine bewährte Zusammenarbeit mit den Trägerorganisationen, um gute Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie bestmögliche Versorgung gewährleisten zu können. Unsere Ausbildungsoffensive haben wir mit einer genauen Bedarfs­erhebung hinterlegt, um punktgenau handeln zu können. Durch eine Kooperation mit dem AMS wird es schon ab dem Frühjahr 2019 möglich sein, zusätzliche Ausbildungsplätze zur Pflegeassistentin bzw. zum Pflegeassistenten anzubieten. Ausgewählte landwirtschaftliche Fachschulen arbeiten außerdem bereits mit Hochdruck daran, ihr Ausbildungsangebot bis zum nächsten Schuljahr auf die Ausbildungsmöglichkeit zur Heimhelferin und zum Heimhelfer bzw. zur Pflegeassistentin und zum Pflegeassistenten zu erweitern.

 

@office
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(© Vanessa Hartmann)
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(© Vanessa Hartmann)

2019 starten Sie auch ein Regionales Mentoring Programm für Frauen, bei dem Sie selbst als Mentorin tätig sein werden. Welche Ziele verfolgen Sie damit?

Dieses Programm richtet sich an Niederösterreicherinnen, die von erfolgreichen Vorbildern in der Politik lernen wollen. Nachdem ich selber viel von anderen Frauen lernen durfte, möchte ich meine Erfahrungen weitergeben. Ich habe es als sehr wertvoll empfunden, Vorbilder und Ansprechpartnerinnen zu haben, und möchte auch anderen Frauen diese Möglichkeit bieten.

Am 25. August 2019 wird in St. Pölten wieder der NÖ Frauenlauf gestartet, um abermals eine große Summe für die Krebshilfe NÖ zu erlaufen. Sind Sie dabei?

Der NÖ Frauenlauf ist nicht nur ein sportliches Ereignis. Als generationenübergreifende Veranstaltung stehen das Interesse und die Freude an Fitness und Bewegung im Vordergrund – unabhängig vom Alter der Teilnehmerinnen. Bei diesem wichtigen Event, bin ich natürlich wieder sehr gerne dabei. Und auch meine Kinder laufen beim Kinderlauf mit (lacht).

Sie sind Politikerin mit großem Arbeitspensum, Ehefrau und Mutter von zwei Kindern. Wie bringen Sie das alles unter einen Hut?

Organisation ist alles! Entsprechende Kinderbetreuungseinrichtungen in Anspruch nehmen zu können und einen Partner zu haben, der einen unterstützt, ist in einer solchen Situation unglaublich wertvoll. Dafür bin ich sehr dankbar.

Wie können Sie selbst am besten entspannen?

Viel Zeit mit meiner Familie verbringen! Wir gehen gerne in den Wald, wir basteln und wir besuchen Kindertheater und Museen ...

Dazu gibt es ja auch eine Familienaktion, die heuer in die zweite Runde geht ...

Ja, genau! Es ist wunderbar, dass wir als Familienland so eine breite Palette an Freizeit- und Kulturangeboten haben. Über 6.000 Familienpass-Inhaber nutzten im Vorjahr die Möglichkeit, um nur zehn Euro pro Familie ausgesuchte Museen zu besuchen. Museen haben eine wichtige Rolle in der Vermittlung von Geschichte und Kultur und wecken große Begeisterung bei den Kindern.

Frau Landesrätin, stricken Sie noch? 

Ja, ich stricke noch. Derzeit häkle ich aber mehr, da Ida in der Schule gerade häkeln lernt (lacht).