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People | 21.06.2019

Kultur ist eine freiwillige Entscheidung!

Noemi Hartig aus Aschbach-Markt ist unsere Miss Niederösterreich 2019. Das strahlend-schöne Energiebündel ist 21 Jahre alt – und schwarz. Was für ein starkes Statement, in Zeiten wie diesen!

"Mein beinloses Baby". Noemi lebt mit ihrer Königspython "Jürgen" zusammen.
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(© anthrazit.studio)
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(© Privat(
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(© anthrazit.studio)

Dass es in der Familie von Noemi Hartig keine antiquierten Rollenverteilungen gab und gibt, zeigt sich schon in der Tatsache, dass Noemis Großmutter Julienne von Kamerun nach Österreich gekommen war, um hier eine Berufsausbildung zur Krankenschwester zu machen. Bald schon konnte sie ihre Tochter Marie-Edwige, Noemis Mutter – heute Psychologin und Gemeinderätin der Grünen –, nachholen. Bildung und Fleiß, Gleichberechtigung und Unabhängigkeit sind jene Werte, welche Noemi von den Frauen ihrer Familie vorgelebt bekam. Kein Wunder also, dass die vielen Talente der jungen Frau danach drängen, verwirklicht zu werden. Vielleicht ist ja die gewonnene Misswahl ein willkommener Türöffner für die Architekturstudentin, um ihre Ideen einer breiteren Öffentlichkeit kundzutun. Jene Ideen einer reflektierten, verantwortungsbewussten, jungen Frau, welche unsere Welt vielfältiger und ein Stück besser machen könnte ...

NIEDERÖSTERREICHERIN: Noemi, was waren deine ersten Gedanken, als man dir das legendäre Krönchen aufsetzte?
Noemi Hartig: Ich habe gedanklich die Liste meiner Ideen verlängert.

Du hast aufgrund deiner Hautfarbe auch Diskriminierungen erlebt. Nun bist du die erste „schwarze“ Miss im Lande. Was bedeutet dir das?
Jetzt kann ich dem einen oder anderen zeigen, dass der Melaningehalt  den angeborenen Unterschied zwischen Schwarz und Weiß darstellt. Kultur ist eine freiwillige Entscheidung.

Welches Image ich einer Miss geben würde?
Statt Schoßhund: Selbstständigkeit, statt Präsenz: Engagement, statt Schönheitsobjekt: Amazone, statt einfältig: vielfältig, statt Glück: Kompetenz.

Wie definierst du Schönheit?
Schönheit ist für mich eine Mischung aus Geschmack, guten Genen und Ausstrahlung. Dazu kommt noch die Schönheit des Verhaltens und der Einstellung.

Du hast die HTL absolviert, studierst Architektur und arbeitest bereits auf den Baustellen deines Vaters. Wurde dir die Leidenschaft für das Gestalten bereits in die Wiege gelegt?
Definitiv! Ich bin in einer sehr künstlerischen Familie groß geworden. Gutes Design macht mich glücklich und inspiriert. Daher habe ich seit klein auf mein Auge für Ästhetik geschärft und über die Jahre mein naturgetreues Zeichentalent verbessert.

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(© Daniela Mere)
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(© Daniela Mere)
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(© Daniela Mere)
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Zeichenkunst. Noemi absolvierte in ihrem Austauschjahr einen Kurs für Art und Design.
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Was wäre dein ideales Wohnkonzept?
Ich will effizient mit der Umwelt arbeiten, ohne unseren „luxuriösen“ Standard aufzugeben. Die Grundbausteine dafür wären erstens die Ästhetik: Es muss aussehen, wie ein Traumhaus, auch wenn es nicht deinem Stil entspricht. Zweitens die Funktion: Das Haus soll in seiner Ausstattung den Alltag, die Gesundheit sowie die Chaosvermeidung seiner Bewohner unterstützen, wenn nicht sogar autonom agieren. Hierbei ist Effizienz das Stichwort, jedoch nicht Digitalisierung, denn ein gutüberlegtes System garantiert wenig Aufwand für den Endverbraucher. Und drittens das Umweltbewusstsein: Das Haus soll durch sein intelligentes internes Recycling die Umwelt schonen und nach dem Gebrauch sollen einzelne Elemente des Hauses verrotten. Für all diese nachhaltigen Schritte möchte ich Kunden einen Service anbieten, der das möglich macht.

Eines deiner nächsten Projekte ist es, das Büro für „RfdS“ („Raum für die Sinne“) in Aschbach und in Wien komplett neu auszustatten ...
Ja, RfdS ist ein vierjähriges Projekt zwischen meinem Vater Gregor Divinzenz und mir, das sich mit einer etwas anderen Art der Raumausstattung beschäftigt. Regeneration, gesundheitliche Förderung und ästhetische Organisation stehen hier im Vordergrund, genauso wie die nachweislich transparente Produktbeschaffung und Verwendung nachhaltiger Ressourcen. Ein Onlineshop, der gerade entsteht, soll die Produkte und das Bewusstsein unter die Leute bringen. Das Büro dient dabei als Schau-, Riech-, Schmeck-, Hör- und Fühl-Raum. Wir wollen mit diesem Projekt Bedürfnisse abdecken, die man bewusst nur schwer wahrnimmt und unter dem Überbegriff „sick building syndrom“ bekannt sind. So ist zum Beispiel die Firma „Artaqua“ mit ihren Wasserwänden als Referenzprojekt am Wiener Hauptbahnhof vertreten. Mit ihren Produkten regulieren sie den Feuchtigkeitsgehalt in der Luft, der gerade in der Heizperiode meist viel zu niedrig und für Mensch und Material „ungesund“ ist. Sogar Amazon könnte seine skandalösen Arbeitsbedingungen mit Hilfe dieser Produkte im Nu optimieren. Mehr Infos unter www.divinzenz.at/rfds/.

Du hast mir erzählt, du hattest eine Spinnenphobie, also hast du mit neun Jahren eine Spinne bekommen. Nun teilst du dein Zimmer mit einer Königspython. Wie kam das?
Trotz Todesphobie fand ich die Idee, eine Vogelspinne zu besitzen, faszinierend. Als ich „Midorin“ von meinem Vater bekommen habe, konnte ich vieles über die Achtbeiner lernen. Unter anderem, dass das blutrünstige Monster dem menschlichen Geiste entsprungen ist und nichts mit dem bescheidenen Lebewesen zu tun hat. Dadurch konnte ich meine Angst mit Forschung und rationalen Erklärungen besiegen. Heute hilft mir mein beinloses Baby „Jürgen“, die Angst meiner Freunde zu lindern. Er ist mit Abstand das süßeste und harmloseste Haustier, das ich kenne (strahlt).

Wie hat eigentlich deine Familie auf deinen Erfolg reagiert?
Ich glaube, dass der Sieg aus der Sicht meiner Familie einfach ein weiteres meiner Projekte ist, weswegen der Großteil meinen Titel mal so hingenommen hat und auf das nächste Ereignis wartet (lacht). Der engere Kreis hat mich bis zur Misswahl tatkräftig unterstützt und sich sogar mehr gefreut als ich. Nur wenige haben mir meinen Sieg nicht vergönnt, da sie mir nicht gratuliert, sondern mich ignoriert haben.

Wenn du für einen Tag die Politik Österreichs bestimmen könntest, was würdest du ändern?
Anstatt groß zu reden, würde ich mit Aktionen Vorurteile widerlegen. Ich würde mich für gesellschaftliche Themen, wie das unterschätze Potenzial der Frauen oder das Engagement und die Relevanz von Österreicherinnen und Österreichern mit Migrationshintergrund einsetzen, aber auch die Wichtigkeit und Bewusstwerdung der Umweltschonung in den Fokus rücken.

Käme die gute Fee und du hättest drei Wünsche frei – welche wären das?
Bis an mein Lebensende gesund zu bleiben; das nötige Glück, um die meisten meiner Ideen umzusetzen zu können; nochmal drei Wünsche frei zu haben ...

Noemi Hartig kann man auf Instragam unter noemi.hartig folgen.

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Geschwister-Shooting mit Selbstauslöser. Noemi mit Bruder Gregor und Stiefschwester Sneh Kunene
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Elefanten-Auffangstation Nähe Chiang Mai in Thailand, Dezember 2018
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Noemis Maturaball 2017. Links stehend: Onkel Benjamin und Manuel Hartig Links sitzend: Noemi, Oma Julienne Hartig und Oma Irmgard und Opa Hannes Divinzenz Rechts sitzend: Bruder Gregor Divinzenz, Papa Gregor Divinzenz, Ehefau Pamela Divinzenz, Silke Grabinger, Mama Marie-Edwige Hartig Rechts stehend: Franciska Grill und Freundin
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Ostern mit der Familie 2017. Noemi, Bruder Gregor, Mama Marie-Edwige (Psychologin und Grünen-Gemeinderätin), Tante Ruth (Kunstprofessorin Stift Melk)
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Nach der Wahl zur Miss NÖ. Mit Dad und Onkel Manuel
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(© Daniel Lichterwaldt)

ABOUT ME

Glück ist für mich, ...
wenn sich Bewusstsein und Unterbewusstsein einig sind und mich eine Art Erleuchtung trifft.

Angst macht mir ...
die Wahrscheinlichkeit des Misserfolges.

Meine Heimat ist dort, ...
wo ich aufgewachsen bin, trinkbares Wasser aus der Leitung fließt, ich versichert bin und immer mit offenen Armen empfangen werde.

Mein Wunschziel wäre, ...
verschiedene globale Unternehmensstandorte zu finden, sodass auch mein abenteuerliches Bedürfnis gedeckt ist.

Ich höre gerne ...
alles, das mir zusagt und zu dem es sich tanzen lässt.

Dieses Buch hat mich beeindruckt ...
„Die 4-Stunden-Woche“ von Timothy Ferriss

Meine Generation ...
wird das umweltbewusste Gedankengut hoffentlich in sich tragen.