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People | 08.07.2019

Die Prinzipalin

25 Jahre Theaterfest Niederösterreich stehen für eine Vielzahl an mitreißenden Produktionen im Sommer: Im Jubiläumsjahr baten wir sieben starke Bühnenfrauen, deren kreatives Herz für Niederösterreich schlägt, zum persönlichen Interview. Die Storys findet Ihr in unserem Sommermagazin – sowie in den kommenden Wochen hier online. Heute im Interview: Intendantin Andrea Eckert.

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(© Janine Guldener)

Begeisterung und Ehrfurcht für das Leben von Ferdinand Raimund waren die Motivation von Andrea Eckert, in ihrem vierten Jahr der Intendanz, den Autor Felix Mitterer zu bitten, ein Stück über Raimund zu schreiben: für die Raimundspiele Gutenstein. („Brüderlein fein“, Felix Mitterer, Nicole Claudia Weber 11. Juli bis 4. August 2019, www.raimundspiele.at)

NIEDERÖSTERREICHERIN: Mit Felix Mitterers „Brüderlein fein“ bringen Sie heuer ein Stück ÜBER und nicht VON Ferdinand Raimund auf die Bühne. Wird uns dieser tiefere Blick in Raimunds Persönlichkeit überraschen?
Andrea Eckert: Felix Mitterer hat für sein Stück genauestens recherchiert und sich gleichzeitig auf magische Weise der Person Ferdinand Raimunds anverwandelt. Diese Nähe, oder vielleicht sage ich besser Seelenverwandtschaft, machte es ihm möglich, wie aus dem Inneren des Dichters zu schreiben. Wir erleben Raimund in all seiner Leidenschaft und Besessenheit, seiner Liebe und Empfindsamkeit, seiner Angst und seiner grenzenlosen Sehnsucht. Felix Mitterer sagt „... während der Recherchen, während des Lesens und Schreibens, ist mir Ferdinand Raimund zum Bruder geworden. Und das Tragische, das seine Existenz durchwebt, hat sich wie durch ein Wunder – durch ihn! – in eine Komödie verwandelt. In eine sehr schmerzhafte Komödie. Oh, was für ein wahnwitziges Leben! Was für eine grenzenlose Hingabe an die Liebe, an die Natur, ans Theater. Brüderlein fein, du bist mir ans Herz gewachsen.“

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(© Joachim Kern) Grandoser Autor. Felix Mitterer

Was fasziniert Sie persönlich an dem sehr vielschichtigen und auch kontroversen Raimund?
Es ist so vieles an Raimund, was mich tief berührt. Er war ganz ohne Zweifel ein großer Künstler, ein genialer Schauspieler, der die Menschen in seinen Bann zog und ihnen mit seinem Spiel die Herzen brach. Gleichzeitig war er ein abgründiger Dichterfürst, über dessen Menschenkenntnis, Wortwitz und Humor sich nur staunen lässt. Er hatte ein leidenschaftliches Herz und war ein Meister des Theaterhandwerks. Eigentlich ist ihm in seinem Leben alles gelungen, was er sich vorgenommen und gewünscht hatte. Aber in Wirklichkeit konnte ihm nichts und niemand helfen, am wenigsten er selbst. Vielleicht ist es diese, seine Untröstlichkeit, die mich am tiefsten berührt.

War der be- und uns verzaubernde Humor Raimunds sein urpersönliches Werkzeug, bestehende Ängste und Depressionen besiegen zu können?
Sicher hat sein Humor Ferdinand Raimund in vielen, schwierigen Momenten des Lebens geholfen. Diese wunderbare Gabe hat er von den Genien wohl nicht nur bekommen, um uns zu erfreuen, sondern auch, um mit den dunklen Seiten seiner Seele besser umzugehen. Letztendlich waren es aber doch Melancholie und Traurigkeit, die den Sieg davongetragen haben. Raimund sagt über sich: „Man sollte mir‘s oft nicht ansehen, welch ein trauriger Spaßmacher ich bin.“