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People | 10.02.2020

Drei auf einen Streich

Wietske von Tongeren spielt und singt „Cats“, „Aspects of Love“ und „Evita“: Wie der in Gablitz lebenden Musicaldarstellerin das schillernde Comeback nach der Babypause gelingt, schildert sie im Interview.

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(© Christian Ariel Heredia) "Wenn man Kinder kriegt, definiert man sich neu: in der Beziehung, in der Familie, im Beruf."

Sie spielte in den Erfolgsmusicals „Elisabeth“ und „Rebecca“, sie war die Adrian in der Hamburger Erfolgsproduktion „Rocky“ nach dem Kultfilm mit Sylvester Stallone. Dass es um die strahlende Holländerin Wietske von Tongeren ein bisschen ruhiger wurde, war eine bewusste Entscheidung. Vor vier Jahren bekam sie einen Sohn, vor gut eineinhalb Jahren eine Tochter. Sozusagen Ana Milva Gomes‘ Babypause katapultierte sie wieder ins Rampenlicht: Seit Kurzem gibt sie die Grizabella in „Cats“ im Ronacher (abwechselnd mit Carin Filipcic).

NIEDERÖSTERREICHERIN: Dein Mann Martin Pasching ist ebenfalls Musicaldarsteller. Wie bekommt ihr Familie und künstlerischen Beruf unter einen Hut?
Wietske von Tongeren: Wir teilen uns alles, wobei er mit Papierkram besser ist und ich in der Küche. Eine Challenge ist das aber manchmal schon (lacht). Wenn wir beide fulltime im Theater arbeiten würden, wäre das schwieriger und wir bräuchten jeden Abend einen Babysitter. Wir haben uns inoffiziell entschieden, dass wir uns mit den größeren Produktionen abwechseln. Bis jetzt ging sich das aus. Das Schöne ist andererseits, dass, wenn die Probenzeit zu Ende ist und man nur noch abends Vorstellungen hat, man tagsüber Zeit mit den Kindern hat.

Wie erlebst du es, in „Cats“ auf der Bühne zu stehen?
Unwirklich! Toll! Emotional! Ich bin so dankbar. Als Ana (Milva Gomes, Anm.) schwanger wurde, habe ich mich sehr für sie gefreut und dann gedacht: Mein Mann hat gerade mehr Ruhe, unsere Tochter ist schon eineinhalb, wie toll wäre diese Rolle! Als es geklappt hat, habe ich mich tierisch gefreut. Gleichzeitig war es spannend, in eine Gruppe zu kommen, die bereits seit einem halben Jahr zusammenarbeitet. Früher war ich zumindest die Junge, aber jetzt gehen alle davon aus: „Die kann das schon.“ Aber innerlich fühlst du dich „wuhaaaa“ (lacht)! Aber umso älter man wird, desto besser kann man trotzdem Ruhe bewahren. Ich habe bei „Cats“ so liebe, talentierte Kollegen, ich bewundere alle!

Im Februar geht es spannend weiter: Du spielst eine Titelrolle in Webbers „Aspects of Love“, einer österreichischen Erstaufführung  …
Da sind drei Menschen, die „The Musical Showroom“ aus Liebe und purer Leidenschaft gegründet haben und es schaffen, talentierte Leute zusammenzubringen und zusammen Kunst zu machen – das ist so toll! Als Regisseur Carsten Lepper, mit dem ich schon mehrmals zusammengearbeitet habe, mich gefragt hat, habe ich sofort gesagt: Ich bin an Board!

Wie sieht deine Rolle aus?
Ich spiele eine selbstbewusste Schauspielerin, eine Frau mit Erfahrung. Ich finde es spannend, dass sie sich mehrfach verliebt, verstrickt, dann ist da noch die Liebe zu ihrer Tochter; diese Rolle hat ganz viele Aspekte.
Im Sommer bist du dann Marika Lichters „Evita“ in Winzendorf. Wie definierst du eine starke Frau?
Das ist eine Frau, die sich traut, ihre Meinung zu sagen, ihren Träumen nachzugehen, die sich nicht von der Meinung anderer einschränken lässt. Das bewundere ich.

Gelingt dir das?
Ich versuche es jeden Tag aufs Neue (lacht). Manchmal gelingt es, manchmal ist das innere Kind noch unsicher. Früher habe ich oft schüchterne Mädchen gespielt, die erst im Laufe des Stücks aus sich herauskommen. Jetzt sind die Frauen von Anfang an selbstbewusst. Das gefällt mir.

Ende des Jahres wirst du 40. Hat das eine Bedeutung für dich?
Ich habe mich nie über das Alter definiert, aber vielleicht kommt das noch (lacht). Dass ich meine Kinder bekommen habe, hat mich viel mehr geprägt. Bei meinem Sohn war ich zunächst vier Monate und dann vor und nach der Geburt meiner Tochter noch mal zweieinhalb Jahre zu Hause. Ich liebe das Mamasein, aber ich habe nach einer gewissen Zeit gespürt: Ich lebe auch noch, ich will wieder was für mich machen. Ich glaube, dass ich dadurch eine bessere Mama sein kann. Wenn man Kinder kriegt, muss man sich neu definieren: in der Beziehung, im Beruf, innerhalb der Familie. Im Sommer habe ich mir stark wieder die Bühne gewünscht, mein Mann hat das gespürt. Dann dachte ich: Ob es überhaupt noch geht? Da war plötzlich eine Unsicherheit, aber dass es jetzt für die nächsten Monate so gut gekommen ist – das ist ein Traum!

Was hat euch nach Gablitz gebracht?
Eine Facebook-Anzeige eines Dirigenten, der nach Spanien gezogen ist. Ich liebe Wien, aber ich bin vom Dorf und wir haben lange nach etwas am Land gesucht, das für Auftritte nah genug zur Stadt ist. Wir sind vor zwei Jahren nach Gablitz gezogen und haben es da so schön.

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(© Conny Wenk) Wieder im Rampenlicht. Musicalstar Wietske von Tongeren – mit Herzensmensch und Ehemann Martin Pasching. Die beiden lernten einander 2006 bei „Elisabeth“ kennen.

Wieso eigentlich Musical?
Meine Tochter wacht morgens auf, geht zur Musik und sagt: „Mama an!“ Meine Mama sagt, ich war genauso: Ich habe den ganzen Tag gesungen und getanzt, war ein lebhaftes Kind mit dramatischem Talent. Aber in dem Dorf in Holland, wo ich herkomme, war ein künstlerischer Weg nicht so üblich, also wollte ich auch zunächst was „Gescheites“ machen. Bis mein Vater meinte: „Wietske, willst du es nicht versuchen?“ Ich habe dann an zwei Konservatorien vorgesungen, die wenig Leute aufnahmen – und ich gehörte dazu. Dann dachte ich mir: O.k., ich probiere es, ich kann noch immer Jura studieren, wenn‘s nicht klappt. Aber dann habe ich sofort nach der Ausbildung ein Engagement am Theater an der Wien in „Elisabeth“ bekommen …

Als Musicaldarstellerin trittst du manchmal sieben, acht Mal die Woche auf. Wie schaffst du das?
Man muss diszipliniert sein. Die Tänzer sind körperlich topfit, ich muss stimmlich topfit sein. Das ist meine Qualität, mein Instrument, das muss ich schützen und dafür sorgen, dass es noch besser wird. Ich nehme bis heute Gesangsunterricht. Bei einer Show kannst du nie weniger geben als 100 Prozent. Bei „Cats“ siehst du viele Eltern, die schon mit ihren Kindern kommen; das haben sie sich so gewünscht. Sie bezahlen dafür. Deine 100 Prozent sind nicht immer gleich, aber es muss für den Tag dein Bestes sein.

Live on Stage
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In „Aspects of Love“ verstrickt sich Wietske von Tongeren ab 13. Februar in mehrere Liebschaften.

(c) Christian Ariel Heredia

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In „Cats“ gibt die Wahl-­Gablitzerin im Ronacher die Grizabella.

 (c) Deen van Meer

Wietske von Tongeren in …

Aspects of Love. Die neue „The Musical Showroom“ – dahinter stehen Doris Spiegl und Christian Ariel Heredia – zeigt die österreichische Erstaufführung von Andrew Lloyd Webbers „Aspects of Love“. Spieltermine: 13. bis 18. Februar, Theater Arche (Münzwardeingasse 2a, 1060 Wien). Infos und Tickets: www.themusicalshowroom.com/tickets

Cats. Die Vereinigten Bühnen Wien zeigen das Musical in einer neuen Version der Originalproduktion in deutscher Sprache im Ronacher (Seilerstätte 9, 1010 Wien). Die Rolle der Grizabella teilt sich Wietske von Tongeren mit Kollegin Carin Filipcic. Infos und Tickets unter www.musicalvienna.at

Evita. Andrew Lloyd Webbers Erfolgsmusical „Evita“ geht heuer ab 3. Juli im Steinbruch Winzendorf über die Bühne; Wietske von Tongeren spielt die Hauptrolle Eva Perón. Weitere Spieltermine und Tickets unter www.musicalsommer-winzendorf.at