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People | 02.04.2020

Vielleicht ist es eine Stopp-Taste

Lange schlug ihr Herz nur für die Gastro, bis Amor sie in ein Autohaus führte. Nun feiert Ingrid Pruckner ein Comeback in der Lieblingsbranche. Ein Blitzinterview über den momentanen Stillstand, ihre abwechslungsreiche Bio und Zukunftsaussichten.

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(© Nino Zimmerhackl) Internationale Expertise. Ingrid Pruckner will Gastro- und Hotelbetriebe vor dem Aufgeben bewahren.

Ingrid Pruckner war mit Kreuzfahrtschiffen unterwegs, erlebte spektakuläre Eröffnungen namhafter Häuser und war selbst Hoteldirektorin. Amor hatte ein gutes Timing: Als sie vor gut zehn Jahren wieder in Österreich sesshaft werden wollte, begegnete sie ihrem heutigen Mann Harald Pruckner. Die Vermarktung des gleichnamigen Autohauses in Wieselburg und Scheibbs wurde ihre neue Mission, bis sie vor vier Jahren spürte, dass es ohne Gastro doch nicht geht … Ein Blitzinterview über den momentanen Stillstand, ihre abwechslungsreiche Laufbahn und Zukunftsaussichten.

Wie erleben Sie die aktuelle Coronavirus-Krise?

Es ist erschreckend und ernüchternd zugleich, wie schnell sich ein Virus, der sich angeblich in einem Land entwickelt hat, zu einer Pandemie wurde und welche Auswirkungen und Folgen das für alle Menschen jetzt hat, ganz gleich, welche Nationalität. Es macht auch keinen Halt vor Arm und Reich, Hautfarbe, politischer Einstellung, religiöser Haltung, sozialem Status oder dem Alter. Die Menschen werden abrupt entschleunigt, die Wirtschaft kommt fast zum vollständigen Stillstand.
Der Pfarrer von meinem Heimatort Thal bei Graz hat dazu gemeint: "Der liebe Gott hat die Stopp-Taste gedrückt."
Ich habe lange über diesen Satz nachgedacht. Vielleicht stimmt das. Vielleicht müssen wir über all unserem Tun und Nicht-Tun nachdenken. Vielleicht haben wir einen kräftigen Stoß bekommen, dass es nicht so weitergehen kann, dass man uns noch mal eine Chance gibt, das Blatt zu wenden. Für die Menschheit, die Natur, die Tiere, für Mutter Erde im Allgemeinen.

Wie sehen Sie das Leben danach?

Vielleicht werden danach viele wieder in den gleichen Trott verfallen, aber ich hoffe, dass die Menschen längerfristig daraus gelernt haben, für alle Situationen und Dinge im Leben.

Parallel zu Ihrer PR- und Marketingtätigkeit im Autohaus haben Sie sich selbstständig gemacht. Womit?

Mein Herz schlägt nach wie vor für die Gastronomie und Hotellerie. Da ich aber nicht mehr Vollzeit dafür tätig sein kann und will, habe ich mich entschieden, mein Wissen als Hotel- und Gastro-Trainerin weiterzugeben: Ich unterstütze neue Projekte und laufende Betriebe mit Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter, Analyse und Optimierung der Betriebsabläufe, Mysterychecks, Werbung, Marketing und PR. Zudem organisiere ich Events,  Gruppenreisen im In- und Ausland und wickle Veranstaltungen wie den Schmankerlmarkt oder das Street Food Festival für Wieselburg ab. 

Auf welche Projekte sind Sie stolz?

Es gab viele tolle! Dazu gehört etwa die Übernahme und Neueröffnung des Kreuzfahrtschiffes MS Astoria, die (Wieder-)Eröffnung der 5-Sterne-Insel Baros auf den Malediven nach dem Tsu­nami und das damalige Steigenberger Hotel Therme Meran in Südtirol. 

Worin liegt in Ihrer aktuellen Mission die Herausforderung?

Gastro- und Hotelbetreiber davon zu überzeugen, früh genug bei Schwachstellen im Betrieb zu reagieren und sich von einer außenstehenden Person wie mir helfen zu lassen. Es ist so traurig, wie viele Betriebe in den letzten Jahren aufgeben mussten; bei einigen hätte man das verhindern können.

Das beste Essen ist …  Pasta al Tartufo und Pappardelle al Cinghiale.

Was würden Sie mit einem Zauberstab auf die Erde zaubern?

Mehr Wälder, viel mehr Natur und ein gutes Leben für alle Tiere.

… und was damit verbannen?

Das rücksichtslose Verhalten der Menschen gegenüber anderen, gegenüber der Natur und der Tiere.

Was hilft, wenn nichts mehr hilft?

Ein Spaziergang mit meinem Hund Ferdi und dann ein Glas Rotwein.

Sie bekommen ein vollgetanktes Auto vor die Tür gestellt und einen freien Tag – wohin geht‘s?

Nach Südtirol. Und von dort rufe ich an, dass ich länger bleibe.

Konzert oder Couch mit Buch?

Couch – derzeit mit „Das Leben fällt wohin es will“ von Petra Hülsmann.

Wann haben Sie zuletzt schöne Glücksmomente erlebt?

Bei unserem Urlaub in Meran und zu Weihnachten mit meiner Familie.

Welche Frage hätten Sie sich gewünscht?

Was war das schönste Fleckchen Erde, das Sie auf Ihren Reisen gesehen haben? Die Antwort: Raiatea im südlichen Pazifik, Französisch-Polynesien.

Wie sieht Ihre persönliche Zukunftsvision aus?

Ein friedliches, erfülltes und gesundes Leben im Grünen mit meinem Mann, mindestens einem Hund und eventuell Hühnern. Und gerne ein, zwei Reisen im Jahr zu Zielen, die auf unserer Bucket List stehen.