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People | 30.04.2020

Schwung holen für die Zeit danach!

Die Coronakrise rüttelt die heimische Kulturszene gehörig durch. Die beliebte Opern- und Konzertsängerin Monika Medek war unsere „Niederösterreicherin des Jahres“. Uns gibt sie Einblicke in den Effekt, den der Virus auf das Leben der hauptberuflich Kreativen hat.

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"Der Aufführungsabend ist nur der Zenit, der Moment, an dem alles zusammenläuft." (© Dominik Frühauf)

NIEDERÖSTERREICHERIN: Monika, wie sehen Sie die aktuellen Herausforderungen?
Auch als Kulturschaffende arbeiten wir derzeit an Schadensbegrenzung. Im musikalischen Bereich ist die Hauptarbeit der Konzerte, die jetzt abgesagt werden, schon lange getan. Eine kulturelle Veranstaltung ist vergleichbar mit einem sportlichen Großereignis. Ein Sportler trainiert das ganze Jahr unter Umständen für einen einzigen Lauf, ein großes Skirennen oder eine einmalige Meisterschaft. Genauso ist der Aufführungsabend nur der Zenit, der Moment, an dem alles zusammenläuft. Das Klischee, dass Musiker „nur zwei Stunden musizieren“ ist eben ein Klischee. Davor wurden Konzertprogramme erarbeitet, stundenlang geübt, Texte auswendig gelernt, Stimmen geprobt, Noten organisiert, Fotos und Texte für die Presse erstellt und versendet, Proben und Proberäume für Soli, Chor und Orchester wurden koordiniert, Plakate und Programmhefte designt, gedruckt und verteilt, das Ticketing und der Kartenverkauf wurde organisiert, das Stammpublikum mobilisiert, das Catering für die Pausen arrangiert, und noch vieles mehr. Für größere Konzerte beläuft sich die notwendige Vorlaufzeit auf viele Monate oder sogar auf ein bis zwei Jahre. Deswegen herrscht momentan, wo immer es möglich ist, die Devise: aufgeschoben ist nicht aufgehoben, um den Schaden etwas zu minimieren.

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(© Gregor Hoheneder) „Verschoben ist nicht aufgehoben“ sagt sich die Camerata Carnuntum mit Monika Medek.

Wie betrifft es Sie persönlich?
Es betrifft mehrere Konzerte, zum Beispiel die Gala „Hits aus Oper und Operette“, die in der Burg Perchtoldsdorf stattfinden sollte. Zusammen mit der Camerata Carnuntum, dem Chor „Village Voices“ und der Mezzosopranistin Dagmar Dekanovsky treten wir seit Jahren – bis dato immer vor ausverkauftem Saal – auf. Um unser Stammpublikum in der Region um Perchtoldsdorf etwas später abzuholen, haben wir nun auf den 21. November im schönen Burgsaal verschoben. Dazu werden wir diese Gala heuer erstmals auch in Ober-Grafendorf, und zwar am 17. Oktober in der Pielachtalhalle, spielen.

Was nehmen Sie aus Ihrem künstlerischen Umfeld wahr?
Dass Kreativität die Stärker der Kulturschaffenden ist, denn ich nehme viele findige Lösungen wahr. Meine Freunde aus dem popularmusikalischen Bereich haben mir von einer App berichtet, die es Profis mit entsprechendem Equipment erlaubt, in Echtzeit per App miteinander zu proben. Meine Kabarettisten-Freunde nehmen die gesellschaftlichen Auswüchse wie Hamsterkäufe und übermäßigen Klo­­pa­pierkonsum sehr bereitwillig auf Social-Media-Kanälen aufs Korn. Musiker, die unterrichten, bieten Unterricht per Skype an. Wir üben weiterhin, eben auch allein zu Hause. Auch scheint mir, dass freischaffende Künstler das Gefühl, etwas in der Luft zu hängen, eher gewohnt  sind. Trotz der Verunsicherung ist aber dennoch eine gewisse Gelassenheit spürbar. Die Devise lautet: Durchhalten!

Was erhoffen Sie für die Zeit danach?
Ich sehe sowohl für Kunst-Konsumenten als auch für Kulturschaffende eine Chance. Ich hoffe, dass durch das völlige Wegbrechen der kulturellen Veranstaltungen wieder mehr Wertschätzung für das so breite kulturelle Angebot, dass hierzulande Künstler erschaffen, entsteht. Kulturveranstaltungen bieten zugleich sozialen Kontakt als auch die oft besungene, gesellschaftliche Katharsis, deren Wichtigkeit nicht zu unterschätzen ist. Auch wäre es schön, wenn auf Seiten der Künstler die notwendig gewordenen Petitionen und Künstlervereinigungen nach dieser Phase nicht mehr das blanke Überleben der Kulturschaffenden absichern müssten und auch, wenn hohe Kunst nicht länger als eine Art Hobby gesehen würde. Vielleicht wird „danach“ wieder mehr Freude an unserer reichen Kulturszene gefunden. Es heißt: „Vieles lernt man erst zu schätzen, wenn man es nicht mehr hat.“ Schön für uns alle, dass es nur ein Verlust für überschaubare Zeit ist!
Aktuelle Updates zu den Terminverschiebungen finden Sie auf:
 www.monikamedek.com.