Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 29.05.2020

Eine graue Strähne als Hommage

Der graue Nachwuchs als Statement: Wie Schauspielerin Katrin Lux den Drehstopp erlebte, was sie aus der Krisenzeit mitnehmen und wie sie mit ihrem Podcast Mut machen will.

Bild 2005_N_Katrin Lux-1.jpg
(© Guido Lux)

Die Zahl ist bemerkenswert: Mehr als 2.500 Folgen der beliebten BR-Serie „Dahoam is Dahoam“ wurden bereits ausgestrahlt. Seit 2013 gibt darin die gebürtige Mostviertlerin Katrin Lux eine der Hauptrollen: die temperamentvolle Köchin Fanny. So gern sie mit ihrer Familie am Stadtrand von München lebt, ein Teil ihres Herzens pocht weiterhin für ihre Heimat.

Wie sehr beweist auch eine Trophäe: 2017 erhielt sie den niederösterreichischen Tourismus-Ehrenpreis, unter anderem für ihr Buchprojekt „Mild & Wild – Mit Katrin Lux durchs Mostviertel“. Heuer hatte sie sich besonders auf ein großes österreichisches TV-Projekt gefreut, doch dann kam Corona. „Zum Glück konnte der Dreh vom Sommer auf den Winter verschoben werden“, ist sie erleichtert.

NIEDERÖSTERREICHERIN: Du hast einige Wochen Drehstopp hinter dir. Wie geht es dir?
Katrin Lux: Ganz gut. Wir haben ein enormes Glück, dass wir außerhalb von München leben, eigentlich schon am Land, umgeben von Wald und Bauernhöfen. Meine Tochter (sie ist zwölf, Anm.) ist super selbstständig, hat aber gleichzeitig die Zeit mit uns wie ein Schwamm aufgesaugt. Ich habe gemerkt, dass mir die Entschleunigung gut tut. Mir wurde bewusst, mit welchem Tempo wir sonst durch das Leben sausen.

Dein Mann Guido hat wunderschöne Fotos von dir gemacht, auf denen du stolz deinen grauen Haaransatz zeigst. Was steckt für dich dahinter?
Ich bin eines Tages mit dem Haaransatz-Spray, den ich die ganze Zeit benutzt habe, vor dem Spiegel gestanden und hab‘ mir gedacht: Warum eigentlich? Warum lass‘ ich die grauen Haare nicht einfach mal stehen? Ich bin 40 Jahre alt und ich habe es spannend gefunden, mich einmal mit diesen weißen Haaren auseinanderzusetzen. Fernsehen, Werbung – wo sieht man schon Frauen unter 70 mit weißen Haaren? Wieso wird uns suggeriert, dass das nicht geht?! Warum muss man das verstecken, wo doch so viel Kraft und Schönheit in weißen Haaren steckt?
Ich dachte mir: Wenn wir schon diese herausfordernde Zeit erleben, dann sollten wir zumindest über unsere Wertehaltung nachdenken und darüber, worauf wir unser Leben aufbauen.

Zeichen.
Bild 2005_N_Katrin Lux-4.jpg

Zeichen. Während des Lockdowns setzte Katrin Lux ihren weißen Haaransatz bewusst in Szene – auch bei ihren Insta-Interviews.

(c) Guido Lux

Bild 2005_N_Katrin Lux-2.jpg

Zeichen. Während des Lockdowns setzte Katrin Lux ihren weißen Haaransatz bewusst in Szene – auch bei ihren Insta-Interviews.

(c) Guido Lux

Bild 2005_N_Katrin Lux-3.jpg

Zeichen. Während des Lockdowns setzte Katrin Lux ihren weißen Haaransatz bewusst in Szene – auch bei ihren Insta-Interviews.

(c) Guido Lux

Bild 2005_N_Katrin Lux.jpg

Am TV-Schirm. Die Mostviertlerin Katrin Lux spielt unter anderem die Power-Köchin Fanny in der BR-Serie „Dahoam is Dahoam“ (im Bild mit Ursula Erber).

(c) BR/Marco Orlando Pichler

Wie geht es weiter mit deinen Haaren?
Für den Dreh werde ich sie mir natürlich wieder färben lassen müssen, aber ich wollte ein Zeichen setzen (Katrin Lux postete auch zahlreiche Fotos auf Instagram, Anm.). Vielleicht lasse ich mir eine graue Strähne stehen – als Hommage an Corona (lacht)!

Du hast außerdem einen Insta-Pod­cast mit Interviews gestartet. Worum geht es dir dabei?
Wenn wir uns komplett ins Drama stürzen, sind wir verloren. Mir ist klar, dass das nur eine Seite ist, aber ich habe beschlossen, ausschließlich Menschen zum Interview zu bitten, die Licht und Liebe bringen.

Wie beispielsweise?
Zu ihnen gehört eine ayurvedische Kosmetikerin, die wegen Corona natürlich nicht am Gesicht arbeiten konnte und vorerst schließen musste. Sie hat ein Konzept nach dem Motto „spa at home“ entwickelt, wobei sie via Videokonferenz einfache Massagegriffe und Rituale zeigt. Es ist wichtig, dass wir uns selbst in die Verantwortung für unsere Schönheit, Sinnlichkeit und unser Frausein nehmen. Es tut schon gut, nach dem Aufstehen sich ganz bewusst das Gesicht zu waschen, sich in den Spiegel „Guten Morgen“ zu sagen und bewusst zu entscheiden, mit welchen Intensionen man in den Tag starten möchte.
Gerade jetzt ist es wichtig, in die Mitte zu kommen. Dazu interviewe ich auch einen ayurvedischen Mediziner, der sich nach einem außergewöhnlichen Aufenthalt in Indien auf transzendentale Meditation spezialisiert hat.

Du und dein Mann arbeitet beide in der Filmbranche, seid sonst viel unterwegs – und musstet nun gezwungenermaßen zu Hause bleiben. Wie ging es euch damit?
Wie andere haben auch wir mal Krisen und es darf auch mal eine Tür knallen. Aber wir haben uns schon vor Corona Rituale angewöhnt, die uns richtig gut tun: Wir meditieren immer wieder gemeinsam und beginnen möglichst jeden Tag, auch mit meiner Tochter, mit einem Gespräch von einer halben, dreiviertel Stunde, bei dem die Handys wegkommen und wir gemütlich bei einem Kaffee ausschließlich miteinander reden. Ich muss ehrlich sagen, dass wir diese Zeit, die wir jetzt miteinander verbringen „müssen“, wirklich sehr genießen können. Ich bin mir dessen bewusst, dass wir auch viel Glück haben; ich bin sehr, sehr dankbar dafür, dass das so ist.

Instagram: @katrinlux_official