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People | 04.06.2020

Reflektierte Rebellin seit Jugendtagen

Von Bienen, breiten Schuhen und einem Balkon-Nationalpark. GLOBAL 2000-Chefin Agnes Zauner im Wordrap.

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(© Stephan Wyckoff ) mit herz und humor Öko. Die Wiener Neustädterin Agnes Zauner

Als Kind wollte sie Feuerwehrfrau werden, sie wurde aber bereits jung aktive Atomkraftgegnerin. Agnes Zauner studierte Internationale Entwicklung, lebte und arbeitete etwa in Kiew und in Warschau und war zuletzt in einer leitenden Position beim interkulturellen Jugendverband „Amaro Foro“ in Berlin. Seit März ist die 30-Jährige politische Geschäftsführerin der Umweltschut­z­organisation GLOBAL 2000.

Wie sind Sie aufgewachsen?
In Wiener Neustadt mit meinen Eltern und meinem Bruder. Meine Eltern waren immer sozial- und umweltaktivistisch tätig und engagieren sich noch heute für den Radverkehr und für nachhaltiges, regionales Wirtschaften. Da habe ich natürlich viel über politische Prozesse und Aktivismus gelernt.

Wie sah Ihre junge Rebellion aus?
Meine Eltern waren auch mit grünen Haaren und Punkmusik voll o.k. Ich habe eher gegen  das Schulsystem rebelliert.

Im März sagten Sie, es sei eine spannende Zeit, in der Sie zu GLOBAL 2000 kamen. Wie erleben Sie das heute?
Die Klimaproteste der jungen Menschen haben einen weltweiten Diskurs ins Rollen gebracht. So etwas, mit einer derart globalen Vernetzung, gab es noch nie. Teil dieser Klimabewegung zu sein, macht mich glücklich und stolz. Jetzt ist die Corona-Krise sehr präsent, wir hatten bei GLOBAL 2000 viel mit der Umstellung zu tun, aber es läuft und die Kol­leginnen und Kollegen sind motiviert. Der Kampf für den Umweltschutz und gegen die Klimakrise wird von zu Hause fortgesetzt.

Das Virus drückte auf Stopp. Was bedeutet die Atempause für die Umwelt?
Auch wenn durch die Corona-Krise soziale Ungerechtigkeiten aufgezeigt werden, sieht man, was alles getan werden kann, um die Umwelt und die Natur zu entlasten und die Klimakrise zu bekämpfen. Jedoch wird die Verschnaufpause uns langfristig nicht dabei helfen, die großen Umweltprobleme zu lösen. Es ist jetzt Zeit, in zukunftsfähige Unternehmen und Ideen zu investieren!

Wie schwer ist es, jetzt den Blick auf Umweltanliegen zu lenken?
Gerade jetzt sind die Themen nachhaltige Landwirtschaft und Versorgung aktueller denn je – die Unterstützung kleiner und regionaler Bauern ist notwendig, um faire Bedingungen für die Lebensmittelversorger in Österreich zu schaffen. Wir haben dazu etwa die Kampagne „Bauer sucht Biene“ gestartet.

Stichwort Hamstern für die Krise: Was darf bei Ihnen nicht ausgehen?
Äpfel! 

Welches Umweltschützer-Klischee ist Ihr „Favorit“ ?
Ich reize das Klischee der breiten Öko-­Schuhe voll aus (lacht)! Aber es gibt auch elegante Varianten, die fair und nachhaltig produziert sind (Tipps unter global2000.at/tests-und-tipps).

Wer sind Ihre Vorbilder?
Ich war sehr beeindruckt von Sabine Derflingers Film über Johanna Dohnal. Außerdem fasziniert mich Jane Goodall.

In welche Zeit würden Sie mit einer Zeitmaschine reisen?
Anschauen würde ich mir gerne die Zeit, als die Umweltbewegung in den 1970er- und 1980er-Jahren startete. Zwentendorf, Hainburg, Wackersdorf …

Drei Zukunftswünsche …
Dass wir gemeinsam mit Regierung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft in Richtung klimafreundliche Zukunft steuern, um die Klimakrise in den Griff zu bekommen! Dass wir die Transformation zu einem nachhaltigen Wirtschaftssystem schaffen, um weder Mensch noch Umwelt auszubeuten. Und persönlich: einen Balkon, auf dem ich meinen Mini-Nationalpark-Garten anlegen kann (nationalpark-garten.at).