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People | 11.06.2020

Nie schmähstad

Sieben schlagfertige Frauen sehnen sich nach Live-Lachern: Wie Kabarettistinnen mit ihren Entzugserscheinungen umgehen.

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(© Vanessa Hartmann)

Aida Loos

Deine letzten Wochen in einem Satz:
Nur Kinder, Küche, Kir Royal.

Social Media als Bühnenersatz: Wie erlebst du das?
Beim Kabarett ist es wie beim Sex. Wenn dein Gegenüber keine Geräusche macht, dann machst du wahrscheinlich was falsch. Bei Onlinestreamings kann man‘s halt überhaupt nicht einschätzen. Gepostet hab ich viel. Wenn mich etwas deprimiert, mach‘ ich „an bleden Schmäh“ und dann geht‘s wieder besser. Normal mach ich den auf der Bühne, jetzt hab‘ ich‘s halt gepostet. Und ich hab‘ zwei Corona-Lieder rausgebracht: „Coronic“ und „Ich hab ka Lust“.

Was bringt dich zum Lachen?
Mein Vater hat immer das Wort „Köln“ ganz eigenartig ausgesprochen. Er hat dabei das Unterkiefer absurd weit nach vor geschoben und dabei ausgeschaut wie eine ausgezogene Schublade. Das hat mich immer zum Lachen gebracht. Ansonsten Mr. Bean, Manfred Deix, Phoebe aus „Friends“, Insiderwitze, meine Kinder (meistens) und mein Mann (regelmäßig) und wenn jemand einen Schas lässt (immer).

Wann geht dir der Schmäh aus?
Bei jeglicher Form von Gewalt.

Zeitreise: Welchen Rat würdest du deinem Ich vor dem Lockdown geben?
Achte auf die 1+1-Angebote beim Prosecco!

Dein aktuelles Motto:
Ois hot a End, nur die Wuascht hot zwa.

Zu sehen bin ich  …
Ab Herbst toure ich mit „Filterloos“ durchs Land und 2021 habe ich Premiere mit meinem neuen Programm im CasaNova in Wien.

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(© Ludwig Rusch)

Nadja Maleh

Deine letzten Wochen in einem Satz: Home-office, home-binge watching, home-party, home-training, home-shopping, home-made, home-work, home-meditation, home bitter-sweet home!

Social Media als Bühnenersatz: Wie erlebst du das?
Social Media kann viel, ist aber kein Bühnenersatz! Nichts kann das Live-Erlebnis ersetzen!

Zeitreise: Welchen Rat würdest du deinem Ich vor dem Lockdown geben?
Aus Selbstschutz weniger Schokolade einzukaufen!

Dein aktuelles Motto:
„Achtung, Achtung! Wichtige Durchsage! Die kleine Nadja möchte bitte aus der spielefreien Ecke abgeholt werden!“

Zu sehen bin ich  …
Live on stage mit meinem aktuellen Programm „Hoppala!“ am 18. Juni in der Hofbühne Tegernbach!

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(© Privat)

Monica Weinzettl

Deine letzten Wochen in einem Satz: Home-office, home-binge watching, home-party, home-training, home-shopping, home-made, home-work, home-meditation, home bitter-sweet home!

Social Media als Bühnenersatz: Wie erlebst du das?
Social Media kann viel, ist aber kein Bühnenersatz! Nichts kann das Live-Erlebnis ersetzen!

Zeitreise: Welchen Rat würdest du deinem Ich vor dem Lockdown geben?
Aus Selbstschutz weniger Schokolade einzukaufen!

Dein aktuelles Motto:
„Achtung, Achtung! Wichtige Durchsage! Die kleine Nadja möchte bitte aus der spielefreien Ecke abgeholt werden!“

Zu sehen bin ich  …
Live on stage mit meinem aktuellen Programm „Hoppala!“ am 18. Juni in der Hofbühne Tegernbach!

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(© Bernhard Eder)

Ingrid Diem

Deine letzten Wochen in einem Satz:
Eine Zeit ohne Ablenkungen, ohne Termine und voller Herausforderungen, die mich Dankbarkeit lehrte, und die ich genutzt habe,  Ordnung  zu schaffen, kreativ zu sein und groß denkend ganz neue Wege  zu beschreiten.

Social Media als Bühnenersatz: Wie erlebst du das?
Homeschooling und das Fakt, dass ein Divisor kein Ausschlag ist und ein Ar keine Kurzform für Arsch, sondern eine Fläche, hat mir einige Postings entlockt … Ebenso habe ich Ungerechtigkeiten wie die Öffnung der Bordelle ab 1. Mai mit Humor bekrittelt. Ich hab‘ nur auf den Vorschlag zur Umschulung von uns Comedians auf Hure gewartet inklusive Förderungen und Webinare. Aber siehe da, es wurde zurückgezogen. Gut, dass wir unsere Meinung sagen dürfen. Aktuell halt nuschelnd unter Masken.

Was bringt dich zum Lachen?
Sarkasmus, meine beste Freundin, gute Filme, Bücher, Facebook-Postings … Ich finde tausend Mal am Tag was Lustiges.

Wann geht dir der Schmäh aus?
Zehn Sekunden vor einer riskanten OP hab ich mit dem Anästhesisten Jokes gemacht. Humor und Würde kann einem niemand nehmen, es kommt von innen und rettet dich durch jede Situation.

Zeitreise: Welchen Rat würdest du deinem Ich vor dem Lockdown geben?
Ich hab im Lockdown viel Gutes erlebt, aber generell: Besser man liebt sich selbst, weil man sich da ziemlich ausgesetzt ist, vor allem, wenn man wie ich als Single zu Hause war.

Dein aktuelles Motto:
Ein einziger Anruf kann alles ändern – auch und vor allem ins Gute!

Zu sehen bin ich  … am 6. Juni auf der Facebook-Seite der „Gruam“ mit einer 45-Minuten-Comedy und am 1. Juli um 19 Uhr online bei 4Gamechangers.

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(© Georg Buxhofer)

Dagmar Bernhard

Deine letzten Wochen in einem Satz:
Wie man sich kreativ durch die Quarantäne wurschtelt.

Social Media als Bühnenersatz: Wie erlebst du das? Konntest/kannst du die Krise kreativ verwerten?
Ich war in den ersten zwei Wochen sehr aktiv; meinen Applaus hab‘ ich mir um 18 Uhr am Fenster geholt (lacht). Beim Streamen fehlt mir ein ganz wichtiger Teil: das Publikum. Ich bin kein Fan davon und habe auch damit aufgehört.

Was bringt dich zum Lachen?
Wenn Stevie Wonder mich anruft und sagt: „Wir haben uns schon lange nicht mehr gesehen.“

Wann geht dir der Schmäh aus?
In der Covid-Krise: Wenn Kultur in Frage gestellt und als nicht systemrelevant gesehen wird. Das kränkt meinen Berufsstand. Was ist, wenn es auf einmal keine Musik, keine Filme, keine Konzerte, keine Theater, keine Bücher mehr gibt und es still wird? Auch der Geist braucht Futter!

Zeitreise: Welchen Rat würdest du deinem Ich vor dem Lockdown geben?
Flieg auf eine Insel, nimm dir eine WLAN-Box und genug zu essen mit!

Dein aktuelles Motto:
„Sink“ positive.

Zu sehen bin ich … derzeit in Wien und Umgebung, in Kaffeehäusern, Wäldern, beim Einkaufen und Freunde treffen – und im TV als „Schärdinger-Mama“ (Werbung, Anm.). Alles andere ist derzeit abgesagt.

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(© Jeff Mangione)

Isabell Pannagl

Deine letzten Wochen in einem Satz:
… waren wie eine Gondelfahrt, es ging bergauf und bergab.

Social Media als Bühnenersatz: Wie erlebst du das?
Ich habe die Zeit für mich privat genutzt und im Hintergrund einiges kreativ verarbeitet, damit ich für die Bühne bereit bin, denn Kabarett gehört vor ein Live-Publikum und nicht ins Internet.

Was bringt dich zum Lachen?
Täglich mehrmals meine Ehemann – er ist zum Glück auch Comedian.

Wann geht dir der Schmäh aus?
Bei Pressekonferenzen von Ulrike Lunacek.

Zeitreise: Welchen Rat würdest du deinem Ich vor dem Lockdown geben?
Oft kommt alles anders, als man denkt, aber egal wie schlimm es kommt, es geht immer wieder bergauf.

Dein aktuelles Motto:
In jeder Krise steckt eine Chance.

Zu sehen bin ich …
Sobald es wieder erlaubt ist, mit meinem Solokabarett „Noch immer alles neu“ und mit meinem Kabarettduo Rosabell (www.isabellpannagl.com).

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(© Moni Fellner)

Su Mathurin

Deine letzten Wochen in einem Satz:
Life changing! Anfangs hatte ich als Single mit meinem Hund Seppi Angst in finanzieller Hinsicht, aber im Endeffekt war Corona für mich ein Segen: Ich fand wirklich zu mir.

Social Media als Bühnenersatz: Wie erlebst du das?
Wir Künstler leben von der Reaktion und Stimmung unseres Publikums. Meine Stärke ist die Interaktion, ohne die macht es mir keinen Spaß.

Was bringt dich zum Lachen?
Meine beste Freundin, Kollegin und „sister in crime“ Ingrid Diem. Mit ihr kann ich Tränen lachen.

Wann geht dir der Schmäh aus?
Nie. Ich bin lustig geboren.

Zeitreise: Welchen Rat würdest du deinem Ich vor dem Lockdown geben?
Ich würde es wieder genauso machen. Lockdown war die beste Lernerfahrung für mich. Ich hatte Zeit, mein Leben zu ordnen. Ich habe mit Freunden eine WhatsApp-Gruppe gegründet, in der wir uns täglich geschrieben haben, wofür wir dankbar sind; das hatte nach einigen Wochen eine enorme Wirkung. Durch Dankbarkeit entsteht Fülle; ich geh‘ gestärkt aus der Quarantäne raus.

Dein aktuelles Motto:
Alles immer sofort erledigen. Keine Aufschieberitis mehr.

Zu sehen bin ich  … hab‘ keinen Termin momentan.