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People | 15.06.2020

Die Liebe ist die Antwort

Warum Streiten immer dazugehört und warum die Sexualität gerade jetzt wie ein Fest gefeiert werden muss, verrät Georg Fraberger. Der Psychologe ist glücklich verheiratet und fünffacher Vater.

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(© Aleksandra Pawloff / Residenz Verlag)

Er schrieb über sein außergewöhnliches Leben, über Kommunikation und über Persönlichkeitsbildung. „Über die Liebe habe ich mich lange nicht drübergetraut“, gesteht der Psychologe Georg Fraberger aus Langau bei Geras. Dann wagte er es doch: Im Vorjahr erschien „Erfolgreich lieben. Wie man ein glückliches Paar wird und es bleibt“ (Residenz Verlag). Die Liebe ist die Antwort auf vieles, erfährt man darin. Er wäre ohne die Liebe seiner Familie nicht dort, wo er heute ist, sagt er. Georg Fraberger kam ohne Arme und Beine auf die Welt. Er studierte, arbeitet als Psychologe, ist glücklich verheiratet und Vater von fünf Kindern.

NIEDERÖSTERREICHERIN: Wie haben Sie die vergangenen Wochen erlebt?
Georg Fraberger: Ich arbeite sonst am AKH, habe eine Privatpraxis, schreibe Bücher und halte Vorträge. Statt einer 60-Stunden-Woche bin ich jetzt zu Hause und gesund, das ist super.

Was nehmen Sie aus der Zeit mit?
Um es theatralisch zu formulieren: Wir haben uns in den vergangenen 100 Jahren gottähnlich entwickelt und beginnen jetzt wieder von unten. Egal ob Millionär oder armer Schlucker, Virus ist Virus.

Wie sind Sie als Vater?
Ich möchte meine Kinder so frei lassen, dass sie aus einem inneren Antrieb heraus handeln. Sie sollen ihre Neugierde behalten. Nur wenn ich Angst kriege, dass sie beispielsweise über die Straße laufen, bin ich manchmal zu streng im Ton (lacht). Ich hab‘ letztens ein Buch gekauft, der Titel gefällt mir: „Yell less, love more“ (Weniger schreien, mehr lieben).

Wie wird Ihr Vatertag?
Ich freue mich über alles, was ich da bekomme. Ich sehe die Welt sonst recht pragmatisch, aber wenn die Kinder mit den selbst gebastelten Geschenken kommen, da geht mir das Herz auf.

Sie beschreiben in Ihrem Buch auch viel Privates: Wie etwa, dass Sie nach einigen gescheiterten Beziehungen nun eine glückliche Ehe führen. Was ist anders?
Es ist eine Beziehung, in der auch der Streit einen gewissen Stellenwert hat. Streit ist nicht angenehm, aber notwendig, damit niemand zurückstecken muss. Wenn man alles für den anderen macht und immer zurücksteckt, macht das auf Dauer nicht zufrieden.

Wie streitet man richtig?
Indem man sich nicht allein darauf besinnt, dass man gerade nicht verstanden wird. Die große Herausforderung bei einem Streit ist: In einer Beziehung haben beide recht. Es ist wichtig, dem anderen recht zu lassen und parallel der eigenen Wahrheit Raum zu geben. Man kann den anderen so lassen, wie er ist, auch wenn man ihn nicht versteht.

Wieso gibt es so viele Scheidungen?
Vielleicht, weil tatsächlich viele nicht streiten können. Auch das Handy erschwert das Streiten. Man hat damit eine schnelle Möglichkeit einfach „wegzugehen“: Man schaut aufs Display, ist damit schon in einem anderen Raum und hört gar nicht mehr, was der andere sagt.

Viel in der Natur.
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Georg Fraberger mit seiner Frau und seinen Jüngsten.

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Georg Fraberger mit seiner Frau und seinen Jüngsten.

Sie schreiben, dass Sie es der Liebe Ihrer Familie und auch die der behandelnden Ärzte zu verdanken haben, dass Sie so viel erreichen konnten. Ist die Liebe auf alles die Antwort?
Ja, die Liebe, dass man ernst genommen und trotzdem nicht geschont wird. Ein Beispiel: Aus Liebe muss ich meine Kinder zum Lernen trimmen.

In einem Interview sagten Sie, Sie sind für die Monogamie, aber nicht fürs dauernde Zusammensein. Wie haben Sie das in den vergangenen Wochen mit Ihrer Frau erlebt?
Sehr angenehm. Vor der Krise haben wir gedacht: Es gibt Arbeitszeit, Freizeit, Chill-out-Zeit … Jetzt gab es nur noch eine Lebenszeit. Man konnte nicht Freunde treffen, nicht zwischen diesen Zeiten herumspringen. Die Einteilung hieß nun: Was ist Alltag, was ist Fest? Wenn wir einen großen Spaziergang machen, dann ist das das Gegenteil des Alltags – und ein Fest.

All das klingt so positiv, waren Sie nie mit negativen Gefühlen konfrontiert?
Wir hatten auf der Uni einen tollen Genetiker, von ihm habe ich gelernt: Die Natur macht keine Fehler. Das heißt: Es gibt keine negativen Gefühle; es gibt nur angenehm und unangenehm. Natürlich hatte ich die auch, wenn beispielsweise die Kinder ohne Fußball und Turnen komplett unausgelastet waren oder wenn mal existenzielle Sorgen auftauchten. Aber: Ich bin froh, dass ich dieses Leben mit meiner Behinderung führe und nicht vor dem Fernseher mein Dasein fristen muss, sondern mich sogar auf die Psychologie spezialisieren konnte.

Ein Kapitel widmen Sie der Sexualität. Welche Rolle hat sie?
Sie ist ein Fest. Die Aufgabe der Liebe ist es, das Leid erträglich zu machen. Die Aufgabe des Festes und damit auch der Sexualität ist es, die Welt ein bisschen vergessen zu können. Es ist wichtig, dass man allem entkommen kann; das geht nur in Form eines Festes. Im Idealfall wird die Sexualität wie ein Fest gelebt; das muss man lernen.

Wofür braucht es die Liebe noch?
Um nicht aufzugeben. Sonst würden wir keinen Tag leben wollen und alles logisch erklären. Dann würden wir sagen: Ich hab‘ die Welt gesehen, meine Ziele erreicht – und danke.

Ist die Liebe unser eigentliches Ziel?
Die Liebe ist der Weg und das Ziel. Wir werden auch irgendwann älter. Wenn man Liebe hat und geliebt wird, ist selbst der Schmerzstatus ein anderer, das macht uns eine Spur härter.
In manchen Sachen ist man auch in einer Beziehung allein. Wie ich beispielsweise mit der Behinderung. Aber wenn ich weiß, dass ich mit der Frau zusammen bin, die ich liebe, dann ist dieses Alleinsein leichter auszuhalten. So bin ich nur allein, aber nicht einsam.

GEWINNSPIEL!

Die NIEDERÖSTERREICHERIN vergibt 3 x „Erfolgreich lieben. Wie man ein
glückliches Paar wird und es bleibt“ von
Georg Fraberger (Residenz Verlag).
Teilnahmeschluss ist am 24. Juni 2020.
Hier klicken und mitspielen!