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People | 29.09.2020

Wordrap

Warum eine Musikerin, Lebens- und Sozialberaterin aus Schönbühel allein nach Frankreich radelt. Maria Dorn im Blitzinterview.

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(© privat) Abenteurerin. Maria Dorn fuhr mit dem Rad mehr als 3.000 Kilometer, begegnete bemerkenswerten Menschen und sah viel. Im Bild: riesige Skulptur in Saint-Brevin-les-Pins

Maria Dorn scheint unendlich vielseitig. Beruflich und privat. So war die gebürtige Mostviertlerin – nach einem Sportunfall mit schmerzhaften Folgen – lange erfolgreiche Paralympics-Ruderin. Als Corona sie zum Daheimbleiben zwang, setzte die Instrumentalpädagogin sowie psycho­soziale Lebens- und Sozialberaterin ihre Arbeit online fort. Bis das in Schönbühel lebende Energiebündel, das bereits 48 Länder bereiste, das Fernweh packte …

Du hast dich im Sommer aufs Rad gesetzt und bist losgefahren. Wieso allein?
Corona hat mich menschenscheu gemacht, gleichzeitig wuchs mein Bedürfnis nach Meer. Eine Reise aus eigener Kraft mit Sicherheitsnetz – im Notfall schnelle Heimreise und wenig Kontakte – fühlte sich da einfach richtig an.

Du wolltest nach Rotterdam, warst aber in Frankreich. Wie kam es dazu?
Die Freundlichkeit der Französinnen und Franzosen überwältigte mich im Dreiländereck nahe Basel, so entschied ich spontan bei einem Getränk, dass die Reise in Frankreich weitergeht. Ich habe es nie bereut, obwohl ich mich selbst kurz für durchgeknallt erklärt hatte.

Wie hast du deine Nächte verbracht?
Im Zelt, meist auf Campingplätzen.

Wenn du erschöpft warst, dir dein Fuß wehtat, wie konntest du dich motivieren?
Sturheit ;) Ich musste Pausen einlegen, Strecken anpassen. Mentale Übungen und die Schönheit rund um den Weg taten den Rest. Europa ist so bereichernd!

Eine schöne Begegnung …
Nico und Jon, eine in Frankreich lebende Deutsche mit fortgeschrittener MS am Tandem mit ihrem niederländischen Mann. Durch sie bin ich nach Norden, anstatt wie geplant nach Süden, abgebogen und hab mir einen Traum mit dem Besuch von Le Mont-Saint-Michel erfüllt.

Was nimmst du von der Reise mit?
Mehr Lebensfreude, Offenheit, viel Vertrauen ins Leben – und mehr Ausdauer.

Wieso Musik und wieso der neue Weg als Lebens- und Sozialberaterin (LSB)?
Musik hat für mich sehr viel mit persönlicher Entfaltung gemeinsam, es geht um die Wahrnehmung durch Hören, Fühlen und Tun. Ohne Worte lassen sich Gefühle empfinden, ausdrücken, verändern. Gleichzeitig geht es um Techniken, die die Leichtigkeit ermöglichen. So ist es beim Sport und auch in der Arbeit mit Menschen als Lehrerin und LSB – nur dass diesmal vermehrt Worte beteiligt sind und die Gefühle noch tiefer sitzen.

Was vermisst du seit Corona?
Umarmungen.

Was hat dich diese Zeit gelehrt?
Wie wichtig es ist, auf sich und andere acht zu geben.

Aus deiner beraterischen Tätigkeit: Was beschäftigt die Menschen am meisten, was tut uns gut?
Letzteres ist einfach: schöne Gedanken, das lässt sich übrigens leicht üben und trainieren. Ein Beispiel: Überlege am Morgen vor dem Aufstehen kurz, auf was du dich in den kommenden Stunden freust. Ich steh dann viel leichter auf!
Leider treten vermehrt Zukunftsängste und Einsamkeit auf. Besonders Jugendliche kommen schwer mit der Distanz zu Freunden zurecht. Das professionelle Zuhören und gezieltes Einwirken und Lenken durch Fragen kann da sehr viel Last nehmen und neue Wege aufzeigen. Gleichzeitig lösen sich viele Probleme auf, weil die Menschen teilweise mehr Zeit für sich hatten/haben.

Hast du ein Lebensmotto?
When nothing goes right, go left.

Wohin geht deine nächste Reise?
Mit dem Rad durch die herrliche Wachau nach Krems.

Gibt es jemanden, dem du sehr gerne begegnen möchtest?
Ich freue mich sehr auf meine Freundinnen und Freunde, die vielleicht oft gar nicht wissen, wie viel sie mir bedeuten.