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People | 30.10.2020

Schicksalhafte Begegnung

„Rosabell“ wird als Gute-Laune-Kabarett gefeiert. Dem Duo aus Perchtoldsdorf gelingt nicht nur auf der Bühne eine Symbiose, sondern auch beim Interview. Staunt selbst! Außerdem verlosen wir Tickets für das Theater Forum Schwechat – schnell mitmachen!

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Da ist ein imaginäres Band auf der Bühne zwischen uns, das spüren die Leute. -Isabell Pannagl (© Andrea Peller)

 

Weil‘s angeblich keine Zufälle gibt: Das war nicht bewusst so ausgemacht, aber das Interview mit Isabell Pannagl und Veronika Rosa Rivo fand exakt ein Jahr nach ihrer ersten gemeinsamen Premiere mit „Rosabell“ statt. Das ist auch deswegen bemerkenswert, weil es das Kabarettduo eigentlich schon seit drei Jahren gibt. Verwirrend? Es klärt sich auf, vertraut mir.

Und noch etwas Wichtiges vorweg: "Rosabell" tritt am 2., 3., 4., 5. und 6. November im Theater Forum Schwechat auf – wir verlosen jeweils 1 x 2 Freikarten. Einfach hier klicken & bis 1. November mitmachen!


NIEDERÖSTERREICHERIN: Kürzlich wurdet ihr groß beim Wiener Kabarettfestival gefeiert. Wie habt ihr das nach der langen Bühnenabstinenz erlebt?
Isabell Pannagl: Es war ein Meilenstein! Das Projekt „Rosabell“ gibt es seit drei Jahren, damals haben wir als Nachwuchs gespielt – und diesmal als Hauptact neben Andreas Vitasek. Das Publikum war hellauf begeistert.

Habt ihr das Programm an die aktuelle Situation angepasst?
Isabell: Wir haben Corona nur ganz wenig eingebaut. Wir glauben, die Leute wollen es nicht mehr hören …
Veronika Rosa Rivo: Wir auch nicht (lacht)! Sie sollen bei uns nicht an ihre Sorgen denken, sondern sich amüsieren.
Isabell: Der Kurier nannte uns ein Gute-Laune-Duo, das passt sehr gut.

Haben die Gäste anders reagiert, als bei einem Auftritt vor Corona?
Isabell: Am liebsten hätten‘s uns abgebusslt, dass Kabarett wieder passiert.

Wie blickt ihr in die Zukunft?
Veronika: Wir hoffen, dass unsere geplanten Auftritte stattfinden können. Wir sind im November eine Woche im Theaterforum Schwechat, dann in der Wiener Kulisse, in Gutenbrunn …
Isabell: Einige hören schon auf. Das letzte was „Rosabell“ macht, ist aufgeben. Aber es braucht viel Energie und eine sehr, sehr dicke Haut.
Veronika: Wir haben ohnehin schon nicht den leichtesten Beruf der Welt. Wir leben ständig mit Unsicherheiten.
Isabell: Wenn du nicht wirklich für diesen Beruf brennst, …
Veronika: … dann macht es auch keinen Sinn.

Weshalb habt ihr euch beide für eine Musicalausbildung entschieden?
Isabell: Ich hab‘ Jus studiert, weil ich eine singende Richterin werden wollte (lacht). Nein, weil mir Gerechtigkeit immer wichtig war. Meine Eltern haben mich gefördert – ich hatte Gesangs- und Klavierunterricht –, waren aber nie von der Idee begeistert, von der Musik zu leben. Mir war Jus dann dermaßen trocken, dass ich doch eine Aufnahmeprüfung am Konservatorium gemacht habe. Das erste Jahr war sauhart. Ich hab‘ niemanden von der Branche gekannt, ich war ein Nackerpatzerl. Aber ich bin eine Kämpferin und nach einem Jahr hatte ich mein erstes Engagement (am Gloria Theater bei Gerald Pichowetz, Anm.). Ins Kabarett bin ich durchs Studium gerutscht. Vronis (Veronikas, Anm.) Papa war mein Korrepetitor; ich wollte Balladen singen, aber er hat mir lustige Nummern hingelegt (lacht). Dann hab‘ ich länger darüber nachgedacht, so ist mein erstes Solokabarett entstanden.

 

 

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Endlich wieder. Viel Applaus erntete „Rosabell“ beim Wiener Kabarettfestival als Hauptact neben Andreas Vitasek. (© Maria Altmann)

 

Veronika, du kommst also aus einer Musikerfamilie?
Veronika: Absolut. Meine Mutter war AHS-Lehrerin für Deutsch und Musik, mein Vater Abteilungsleiter unserer Musicalschule (Vienna Konservatorium, Anm.). Ich habe mit Cello begonnen, das Singen kam später dazu, aber ich wusste früh: Ich will auf die Bühne. Als Tochter des Abteilungsleiters wurde ich leider anfangs ein bisserl wie ein Spion wahrgenommen, nur Isabell hat mich nie anders behandelt. Wir haben uns sehr gut verstanden, aber nach dem Abschluss an verschiedenen Theatern gearbeitet.
Isabell: Vor zwei Jahren haben wir gemeinsam „Heidi“ gespielt, danach bei „Krawutzi Kaputzi!“ uns eine Garderobe geteilt. Zu der Zeit ist mir meine „erste Rosi“ sechs Wochen vor der Premiere abgesprungen. Das hab‘ ich Vroni alles erzählt und plötzlich ist mir die Idee gekommen: Warum nicht sie?!
Veronika: … und ich hab‘ gesagt: Ja, fix, mach ich!
Isabell: Sie heißt auch noch Rosa!
Veronika: Veronika Rosa, das ist kein Witz, so steht es im Reisepass.
Isabell: Es war Schicksal, dass sich unsere Wege so gekreuzt haben. Ich hab‘ das Programm ein bisserl umgeschrieben, wir mussten schnell zusammenwachsen. Wir haben am Vormittag geprobt, am Abend Vorstellungen gehabt. Sechs Mal die Woche, über eine sehr lange Zeit. Geheiratet habe ich auch noch und Vroni hat bei meiner Hochzeit gesungen. Eine sehr intensive Zeit (lacht).
Veronika: Das hat uns sehr zusammengeschweißt.
Isabell: „Rosabell“ ist besser denn je; da ist dieses imaginäre Band auf der Bühne zwischen uns, das spüren alle.

Worum geht‘s im Programm „Wenn‘s passt, dann passt‘s“?
Isabell: Ums Single­sein, Polterabende, wie das ist, wenn Frauen und Männer Kabarett machen …

Wie ist das denn?
Isabell: Wenn Frauen beispielsweise über Sex auf der Bühne reden, dann heißt es: „Oh, sie hat das böse Wort gesagt!“ Ein Mann darf das. Und dann ist da noch immer dieses Klischee, dass Frauen nicht so lustig seien wie Männer. Dagegen kämpfen alle Kabarettistinnen an.

 

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Talk in Perchtoldsdorf. Mit Veronika Rosa Rivo (l.) und Isabell Pannagl alias „Rosabell“. (© Viktória Kery-Erdélyi)

Woher kommt das?
Isabell: Ein Punkt ist, dass noch immer mehr Männer als Frauen im Fernsehen gezeigt werden. Bei Kabarettshows ist meist nur eine Frau dabei und vier Männer. Österreich hat aber viele lustige Frauen zu bieten.
Veronika: Wir beweisen jedenfalls, dass wir sehr lustig sind; es lachen bei uns Frauen und Männer, Jung und Alt, in der Stadt und am Land.

Ihr singt euch durch alle Metiers. Habt ihr jeweils einen Lieblingssong?
Veronika: „Polterabend Paradise“ – ich liebe es zu rappen! Da geht es darum, wie sehr übertrieben wird; es reicht kein Polterabend mehr, man muss zum Polterwochenende nach Barcelona fliegen.
Isabell: … und das alles noch auf Instagram stellen und zeigen, wie lustig es gewesen ist.

Und dein Lieblingssong, Isabell?
Isabell: Der Austropop-Song „Wenn‘s passt, dann passt‘s“ – weil es zwischen uns einfach passt, obwohl wir so unterschiedlich sind.

Ihr seid Kolleginnen und Freundinnen, wie funktioniert das?
Veronika: Gestritten haben wir noch nie und wir reden über alles.
Isabell: Wir wissen sehr viel voneinander; wir sitzen ja auch viel im Auto oder in Garderoben. Wir hatten schon beide Situationen, wo es uns scheiße ging. Da kotzt man sich aus …
Veronika: … und geht danach frisch auf die Bühne!
Isabell: Da merkt niemand was, wir sind Maschinen (beide lachen). Das haben wir in der Ausbildung gelernt: Zwei Schritte vor der Bühne hört das Privatleben auf. Du atmest durch und machst deinen Job. So wie die Köchin ihr Schnitzel macht.
Veronika: Diese lustige Parallelwelt auf der Bühne hat auch was Meditatives. Wir wollen, dass das Publikum sich von allem lösen, sich amüsieren kann. Auch wir lassen alles für diese Zeit hinter uns.
Isabell: Wir haben gar keine Zeit zum Nachdenken, das ist ein Aerobic-Programm! (beide lachen) Ich sehe die Leute oft mit offenem Mund dasitzen.
Veronika: Wir kommen vom Musical, tanzen und singen muss gleichzeitig funktionieren. Was wir zaumschwitzen!
Isabell: Ich glaub‘, teilweise lachen und applaudieren die Leute, weil wir so schwitzen. Egal, Hauptsache sie lachen.

Was macht ihr abseits von „Rosabell“?
Isabell: Ich hab‘ noch mein Solo­kabarett und drehe. Wir machen beide immer Kabarett und Schauspiel.
Veronika: Zuletzt hab‘ ich in Dortmund „Jekyll & Hyde“ gespielt; ich habe immer am Theater gearbeitet. Ins Kabarett wurde ich ja reingeschubst (lacht).  Ich hab‘ das immer toll gefunden, dass Isabell sich da drübertraut. Vor dem Kabarett hatte ich viel Respekt. Für mich war klar: Ich kann Leute unterhalten, wenn ich schön singe. Aber zum Lachen bringen? Mit Isabell funktioniert das!
Isabell: Ich liebe das Kabarett! Bei meinem Soloprogramm improvisiere ich viel, rede viel über Feminismus. Ich liebe es, den Leuten mit Humor einen Spiegel vorzuhalten …

Infos: www.rosabell.at