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People | 19.03.2021

Undercover als Lockvogel

Sie ist Schauspielerin, Regisseurin und Autorin. Vor 15 Jahren hat sie mit ihrem Ehemann Joseph die Komödienspiele Neulengbach gegründet: Theresa Prammer. Im März legt sie ihren neuesten Roman vor. Wir fragten nach – und erfuhren mitunter, was es mit einem Foto von Dustin Hoffman auf sich hat. Mit einem aufgemalten Herz ...

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KLAR UND POINTIERT steigert Theresa Prammer als Krimiautorin mit brisanten Themen die Pulsfrequenz ihrer Fangemeinde. (© Janine Guldener (© Janine Guldener)

Als eine mit Wortwitz und treffenden Dialogen herausragende Autorin schafft sie es immer wieder, in ihren Romanen glaubwürdige Plots mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen spannend und aufrüttelnd zu verbinden. Als Schauspielerin und Regisseurin stehen ihr die brisanten Themen der #MeToo-Debatte und ihrer negativen wie positiven Auswirkungen besonders nahe. Ist der Regisseur nur ein „lockerer Typ“ oder nutzt er seine Position aus? Kann und soll eine Schauspielerin einfach vertrauen? Was zieht es nach sich, wenn Betroffene mutig hervortreten und Missstände aufzeigen? Kurz: Sie hat Talent – und er sie in der Hand. Was ist also dran an der Geschichte, dass ein einflussreicher Regisseur übergriffig geworden sein soll?

NIEDERÖSTERREICHERIN: Frau Prammer, worum geht es im „Lockvogel“?
Theresa Prammer: Um die Schauspielschülerin Toni Lorenz, die dringend die Hilfe eines Detektivs benötigt. Doch sie ist völlig pleite und kann kein Honorar bezahlen. Der Detektiv Edgar Brehm, der seinen Geschäftspartner verloren hat und momentan auch noch mit gesundheitlichen Problemen kämpft, schlägt ihr deshalb einen Deal vor: Sein neuester Fall führt ihn in die Filmbranche – ihr zukünftiges Metier. Wenn sie ihm bei den Ermittlungen hilft, begibt er sich auf die Suche nach ihrem verschwundenen Freund. Toni nimmt das Angebot an. Doch sie hat weder mit den Turbulenzen gerechnet, die sie bei der Detektivarbeit erwarten, noch damit, dass sie zum Lockvogel für den berühmten Starregisseur wird.

Im Roman werfen Sie einen präzisen Blick auf die menschlichen Beziehungen in den Machtkonstellatio­nen der Filmbranche. Führte die #MeToo-­Thematik zu diesem Kriminalroman oder kam sie erst später hinzu?
Ich kann das gar nicht genau sagen. Wahrscheinlich war beides bereits in meinem Kopf und hat sich dann selbstständig verknüpft. Was mich vor ein paar Jahren, als #MeToo so ins Rollen kam, sehr bewegt hat, waren die Vorwürfe an Dustin Hoffman. Er ist einer meiner absoluten Lieblingsschauspieler und „Tootsie“ steht ganz oben auf der Liste von Filmen, die ich immer und immer wieder anschaue. Ich konnte das einfach nicht glauben. Als ich ein schüchterner 14-jähriger Teenager auf Sprachreise in London war, habe ich mir ein Autogramm von ihm geholt. Er war so hinreißend. Hat ganz normal mit mir geplaudert. Ich habe ihm einen Brief gegeben – wie großartig ich ihn finde, was für ein außergewöhnlicher Schauspieler er ist. Darauf hat er mir per Post ein Foto mit darauf gemaltem Herz geschickt. Das Bild hängt immer noch bei mir im Wohnzimmer.

Haben Sie als Schauspielerin Erfahrungen mit Machtmissbrauch oder sexuellen Übergriffen gemacht?
Im Schauspiel sind körperliche und emotionale Nähe Voraussetzungen. Man muss einander vertrauen können, ob es sich nun um Kollegen oder die Regie handelt. Zum Glück war ich selbst nie in einer wirklich „brenzligen“ Situation, aus der ich nicht selbst wieder rausgekommen bin. Von ehemaligen Schauspielkolleginnen weiß ich aber, dass es auch andere Geschichten gibt.

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HERZENSPROJEKT.
Das Schauspielerehepaar Joseph und Theresa Prammer gründete vor 15 Jahren die Komödienspiele Neulengbach.

(c) Janine Guldener

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Erscheint am 16. März 2021
im Haymon Verlag,
ISBN 978-3-7099-8103-0,
€ 24,90

Etwa im Filmbereich?
Aus eigenen Erfahrungen kann ich das nicht sagen. Von Kolleginnen würde ich aber meinen, dass sich im Filmbereich durch #MeToo viel geändert hat.

Ihre ermittelnde Hauptfigur ist ein Privatdetektiv ...
Ich bin ein großer Fan von Recherchen. Man lernt so interessante Menschen kennen und erfährt Dinge, die es nicht im Internet zu finden gibt. Bei meinen bisherigen Büchern war das einfach, jemanden in der nötigen Sparte zu befragen. Doch bei den Detektiven hat das nicht und nicht geklappt. Da war eine große Skepsis aufgrund der „Berufsgeheimnisse“. Meine großartige Freundin, die eine leitende Position im Landeskriminalamt bei der Gewaltprävention hat und eine meiner ersten Testleserinnen ist, gab mir den Tipp, es beim österreichischen Detektivverband zu versuchen. Das war ein Volltreffer. Dadurch habe ich den Präsidenten des Detektivverbands und einen seiner Kollegen interviewen dürfen und so spannende Einblicke in deren Berufserfahrungen bekommen.

Die Komödienspiele Neulengbach und das Krimischreiben. Wie passt das zusammen?
Als „Wiener Totenlieder“ erschienen ist und der Verlag eine Fortsetzung wollte, war für mich ganz klar, dass ich mehr schreiben möchte. Die Entscheidung fiel mir leicht, da ich wusste, die Komödienspiele Neulengbach sind ein Herzensprojekt, das ich problemlos weiterführen kann. Und so ist es auch mit der Schauspielakademie Neulengbach – ich freue mich immer über die Treffen mit den Teilnehmerinnen.

Schauspieler sind ja bekanntlich abergläubisch. Haben Sie ein Schreibritual ?
Ich habe viele Schreibrituale, die sich von Buch zu Buch häufig ändern. Beim Lockvogel habe ich nonstop beim Schreiben die Aufzeichnung des Konzerts in Zagreb des Cellisten Stjepan Hauser gehört. Außerdem bin ich ein großer Fan der Morgenseiten – das ist so eine Art Tagebuch. Man schreibt gleich nach dem Aufstehen, wenn das Unterbewusstsein noch präsenter ist als später am Tag. Ich nutze dieses Schreiben, um mir Gedanken über bestimmte Szenen, Reaktionen der Figuren und „rote Heringe“, so nennt man falsche Fährten, zu machen.

Wie geht es der Schauspielerin in Ihnen bei einer Lesung?
Ich liebe Lesungen. Bei meinen Lesungen erzähle ich sehr viel über die Hintergrundgeschichte, die Recherchen, über vieles, was mit dem Buch zu tun hat, aber nicht im Buch steht. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum es mir so leichtgefallen ist, nicht mehr hauptberuflich als Schauspielerin zu arbeiten. Und der Lockvogel war für mich ein echtes Highlight, denn ich habe dazu selbst zum ersten Mal ein Audiobuch aufgenommen. Die Arbeit im Tonstudio hat mir so viel Spaß gemacht. Es war ein echtes Vergnügen, als die Autorin und die Schauspielerin in mir kooperieren konnten.

Worauf dürfen wir uns bei den Komödienspielen Neulengbach im Sommer 2021 freuen?
Die Planungen und Vorbereitungen laufen bereits seit 2019 – nicht ganz freiwillig, denn coronabedingt konnte es im Sommer 2020 keine Aufführungen geben. Was wir sehr vermisst haben, darum freuen wir uns umso mehr, wenn die drei Tenöre ihr Geheimnis im Juli 2021 preisgeben.

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(c) streulicht.at

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Die drei Tenöre.
Marius Lackenbucher, Alois Frank, Joseph Prammer,
unten: Klaus Schaurhofer

(c) streulicht.at


Komödienspiele Neulengbach

„Das Geheimnis der drei Tenöre“ im Juli 2021
Termine: 2., 3., 9., 10., 16., 17., 23., 24., 30. und 31. Juli 2021
Beginn: 20 Uhr im Innenhof des Gerichts
(bei Schlechtwetter im Lengenbacher Saal)
Informationen und Karten: www.komödienspieleneulengbach.at

ABOUT THERESA
Auf dem Papier, auf der Bühne und dahinter – Theresa Prammer weiß, wie man Geschichten inszeniert und Leben in Figuren bringt. Mit ihren Kriminalromanen um Lotta Fiore hat sie zahlreiche Leser in Spannung versetzt und für ihr Krimidebüt „Wiener Totenlieder“ (2015) den Leo-Perutz-Preis erhalten. Im zweiten Studienjahr an der Schauspielschule wurde sie am Burgtheater engagiert, wo sie in Turrinis „Die Liebe in Madagaskar“ an der Seite von Otto Schenk und Kirsten Dene spielte. Seit 2015 hat sie sich hauptberuflich aufs Schreiben und auf die Komödienspiele Neulengbach verlegt, welche sie vor 15 Jahren mit ihrem Ehemann, dem Schauspieler Joseph Prammer, gegründet hat. Seit sechs Jahren leitet das Ehepaar außerdem die Schauspielakademie Neulengbach für Nachwuchstalente von zwölf bis 19 Jahren. Sie lebt und arbeitet in Wien und in Reichenau an der Rax.
Aktuelle Infos und Termine: www.theresaprammer.com