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People | 15.04.2021

The care of Sisterhood

Mit gesellschaftspolitischen Statements machte Noemi Hartig aus Aschbach-Markt bereits vor zwei Jahren auf sich aufmerksam, als die schöne Studentin zur Miss Niederösterreich 2019 gekrönt wurde. Jetzt initiierte das Energiebündel ein Projekt gegen Diskriminierung und für mehr Verständnis für unterlegene Randgruppen, den Women of Color.

Models: Dina, Cindy, Leonela, Jacqueline, Dolores, Susanne, Noemi
Fotos: Martha Gattringer Photography, YVisuals photography
Lightholders: Dina, Nadin
MUA: Gooba, Jasmin, Britta Tess
Stylist: Gregor Divinzenz

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(© YVisuals photography)

In ihre DNA sind Bildung, Fleiß, Gleichberechtigung und Unabhängigkeit eingeschrieben. So kam Noemis Großmutter von Kamerun nach Österreich, um hier eine Berufsausbildung zur Krankenschwester zu machen, ihre Mutter Marie-Edwige ist Psychologin und Grüne Gemeinderätin, der Vater Gregor Divinzenz setzt in seinen Bauprojekten auf gutes Design, Umweltbewusstsein und gesundheitsfördernde Raumausstattung – ein familiäres Biotop also, welches der heute 23-Jährigen viele Talente in die Wiege legte. In einer Coverstory, die ich anlässlich ihrer Wahl zu Miss Niederösterreich 2019 mit der reflektierten jungen Frau machte, hat sie auch über Diskriminierungen erzählt, die sie als erste „schwarze“ Miss im Lande erlebte, diese jedoch mit der klugen Antwort abwehrte: „Kultur ist eine freiwillige Entscheidung. Jetzt kann ich dem einen oder anderen zeigen, dass es lediglich der Melaningehalt ist, der den angeborenen Unterschied zwischen Schwarz und Weiß darstellt.“ Auf meine Frage, was sie ändern würde, könnte sie für einen Tag die Politik Österreichs bestimmen, sagte sie: „Anstatt groß zu reden, würde ich mit Aktionen Vorurteile widerlegen. Ich würde mich für gesellschaftliche Themen, wie das unterschätze Potenzial der Frauen oder das Engagement und die Relevanz von Österreicherinnen und Österreichern mit Migrationshintergrund einsetzen, aber auch die Wichtigkeit und Bewusstwerdung der Umweltschonung in den Fokus rücken.“

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(© Martha Gattringer Photography)

Was seither geschah.
Bereits nach ihrer HTL-Matura und am Beginn des Architekturstudiums hat die für Ästhetik begeisterte Noemi im Bauunternehmen ihres Vaters eifrig mitgearbeitet. Bis vor Kurzem ...  „Bis vor Kurzem war ich sehr darauf fokussiert und erfolgreich darin, die Visionen anderer umzusetzen. Als Model verkaufe ich ein vorgegebenes Sujet. In unserem Familien­betrieb fungierte ich als Schweizer Taschenmesser für die Geschäftsleitung, oder wie ich sie nenne: Opa und Papa. Und auf der Baustelle bin ich vereinfacht nur eine Art Google Translate zwischen dem Auftraggeber und unseren bodenlegenden Arbeitern. Diese Tätigkeiten zu meistern, bereitete mir Freude, doch es erfüllte mich nicht. Gleichzeitig wurden meine politischen Ansichten im heranwachsenden Alter zu gesellschaftskritischen Themen immer prägnanter. Es entwickelte sich der Drang, für meine Rechte und die der Menschen in meiner Umgebung aktiv zu werden. Mir ist sehr bewusst, dass Veränderung und Neuheit oft auf Missgunst trifft, deshalb fokussiere ich mich auf den Aufbau eines gewissen Bewusstseins und Verständnisses für unterlegene Randgruppen. Und mein bevorzugtes Medium hierfür ist die Kunst.“

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Herzensprojekt Sisterhood von Noemi Harting (© Martha Gattringer Photography)

Das Projekt.
„Für dieses Projekt kamen all meine Kenntnisse, Erfahrungen und Kontakte zusammen und wurden zum ersten Schritt, meine Visionen wahr zu machen. Mein Ziel ist es, mit meinen gesellschaftskritischen, künstlerischen Projekten Bewusstsein, Anerkennung und etwas Empörung zu schaffen und das in Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten. In ‚The Care of Sisterhood‘ geht es um den Zusammenhalt und die Stärke der Gemeinschaft. In diesem Fall um eine oft unterschätze Minderheit in unserer Gesellschaft, den ‚Women of color‘. Jede einzelne Frau hat eine Geschichte zu erzählen, in der es darum geht, dass sie auf ihrem Weg, ihre Träume umzusetzen, wegen Äußerlichkeiten aufgehalten, diskreditiert und diskriminiert wurde. Und trotz all der Hürden und Schwierigkeiten, die sie im Laufe ihrer Zeit erlebt hat, sprüht sie voller Energie, Stärke und Nächstenliebe.“ Wir baten die jungen Frauen des Sisterhood-Projektes um ein Statement ...

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(c) YVisuals photography

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(c) Martha Gattringer Photography

Jaqueline A. (22)
Arbeitet in der Buchhaltung, Hobbytänzerin
„No matter what skincolour, religion you have, self-love and self-acceptance is what real beauty is.“

Dolores K. (23)
Projektleiterin in der Medizinbranche
„Ich bin stolz darauf, dass ich bereits mit 23 Jahren neben meinen Kindern die Chance habe, ein pathologisches Labor aufzubauen und bei solch wichtigen Projekten wie diesen mitzumachen.“

Susi U. (18)
HTL-Schülerin Bauwesen, Traumberuf Architektin
„Als eine ‚Woman of color‘ versuche ich mich, im Bauwesen durchzusetzen, um meinen Traum zu verwirklichen.“

Noemi H. (23)
Internationales Model, Projektleiterin
„Mir wurde mein ganzes Leben vorgeschrieben, was ich als Frau schaffen kann und was nicht. Als dunkelhäutiges, junges Mädchen sich auf der Baustelle von renommierten Firmen wie Strabag oder Porr durchsetzen zu können, hat mir gezeigt, dass ich alles schaffen kann, was ich mir in den Kopf setze.“

Dina B. (21)
IBWL-Studentin
„Being a model is my passion but having a career with an impact on our environment is my ultimate goal.“

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(c) Martha Gattringer Photography

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(c) Martha Gattringer Photography

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(c) Martha Gattringer Photography

Cindy N. (33)
Mutter, Ehefrau, Unternehmerin, halbtags in einer Social-Media-Marketing-Agentur
„Externe und internalisierte Vergleiche. Stereotypen rund um Schwarze Frauen, die wir entweder aktiv bekämpfen müssen oder mit denen wir im ‚Hintergrund­rauschen‘ unseres Alltags umgehen. Ich bekomme häufig beiläufige ‚Komplimente‘, die andeuten, dass sie das ‚von jemandem wie mir‘ nicht erwartet hätten.“

Leonela Z. (21)
Selbstständig mit eigenem Onlinestore
„Der Unterschied zwischen mir und den anderen wäre, dass ich mich bis heute noch immer nicht wohl fühle mit meinen eigenen Haaren, weil mir von Kind an gesagt wurde, dass glatte Haare schöner sind. Ich hatte die letzten Jahre viel struggles, mich mit meinen Haaren wohl zu fühlen. Heute weiß ich: Egal, wie du aussiehst, du bist besonders auf deine Art und Weise! Höre nicht auf die anderen, die dir was einreden wollen. Denn du musst nicht so aussehen wie die anderen.“

Martha G. (28)
Fotografin der Produktion
„Mir wurde immer gesagt, wie ich sein muss. Dass ich zu lustig und zu verrückt bin. Irgendwann habe ich erkannt, dass es genau das ist, was mich besonders macht, und habe daher aufgehört mich ‚anzupassen‘. Jetzt sind es genau diese Eigenschaften, die Menschen an mir schätzen und auch meinen Kunden zugutekommen. Denn dadurch schaffe ich es, dass Leute sich bei mir wohl fühlen und sich auch nicht verstellen müssen.“

Yvonne K. (24)
Fotografin
„Leichtigkeit, die Freude am Leben und die Passion für die Natur verbinden meine Fotografie.“

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The Care of Sisterhood. (v. l. n. r.) Dolores, Susanne, Dina, Cindy, Leonela, Noemi, Jacqueline