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People | 17.06.2021

Was ist schon normal?

Zwei Engstler-Frauen auf der Rosenburg: Elisabeth und Amelie über ihre außergewöhnliche Beziehung, wichtige Botschaften der Komödie „Ein Käfig voller Narren“ und die Challenge gemeinsamer Projekte.

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Immer Action. „Momente der Stille sind bei uns selten“, lacht Amelie, 19, Tochter von Elisabeth Engstler.

 

(c) Viktória Kery-Erdélyi

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Immer Action. „Momente der Stille sind bei uns selten“, lacht Amelie, 19, Tochter von Elisabeth Engstler.

 

(c) Viktória Kery-Erdélyi

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Immer Action. „Momente der Stille sind bei uns selten“, lacht Amelie, 19, Tochter von Elisabeth Engstler.

 

(c) Viktória Kery-Erdélyi

Lange galt für Amelie Engstler eine klare Ansage: „Schauspielen? Nein, danke“, erzählt sie. Als sie aber Mama Elisabeth vor zwei Jahren zur Produk­tion „Amadeus“ auf der Rosenburg begleitet, staubt sie unerwartet ein paar Statistenrollen ab. „Plötzlich war ich so: Wohooo!“, lacht die 19-Jährige. „Ich liebe es, mich auszudrücken, im Mittelpunkt zu stehen. Da ist gar keine Nervosität, sondern einfach nur Spaß an der Sache.“

Die Engstler-Frauen, zu Hause in Maria Enzersdorf, ereilt heuer wieder der Lockruf der Sommernachtskomödie: In „Ein Käfig voller Narren“ spielt Elisabeth die leibliche Mutter des heiratswilligen Sohnes, Amelie gibt die Sekretärin der taffen Businessfrau. Jean Poirets köstliche Story über den Spross eines exzentrischen homosexuellen Paares, der in eine konservative Familie einheiraten will, inszeniert Marcus Ganser unter der Intendanz von Nina Blum.


NIEDERÖSTERREICHERIN: Wie war es für dich, als du gemerkt hast, Amelies Begeisterung für die Bühne wächst?
Elisabeth Engstler: Ich war ein bisserl erstaunt, aber ich hab‘ immer gesehen, dass Ami sehr gut im Ausdruck ist. Dass ihr das nun auch Spaß macht, freut mich. Sommertheater ist außerdem eine besondere Art des Miteinanderspielens. Jetzt, wo Ami ihr IB (International Baccaulauereate bzw. internationale Matura, Anm.) macht, ist das ein schöner Abschluss, den wir gemeinsam machen.

War auch Bauchweh dabei, weil du die harten Seiten des Jobs kennst?
Elisabeth: Komischerweise nein, ich habe totales Vertrauen.
Amelie: Meine Mama hat noch nie gesagt, dass ich etwas nicht kann oder soll. Sie sagt: „Probier‘s! Wenn du hinfällst, helfe ich dir, wieder aufzustehen.“
Elisabeth: Man muss alles ausprobieren. Ich habe Medizin zu studieren begonnen, dann habe ich Musik bzw. Schauspiel gemacht. Das Leben bringt schon die Dinge, die sein sollen.

„Ein Käfig voller Narren“ – worum geht es für euch?
Elisabeth: Auf der einen Seite darum, dass Vielfalt schön ist. Auf der anderen: dass Meinungen selbst in Beton geschlagen sein können, das Leben zeigt uns immer wieder, dass es anders läuft. Ich mag es, wenn Leute außergewöhnlich sind; so steht es auch auf meiner Handyhülle: „Normal people scare me“.
Amelie: Ich sage auch: Diversity ist das neue Schön. Perfektion ist sowieso nur eine Illusion, die kreiert wurde, damit sich Menschen vergleichen können; sie zu erreichen ist unmöglich.
Elisabeth: Der Vergleich ist die Grundlage zum Unglücklichsein.

Elisabeth, du hast zuletzt ein fulminantes Bühnencomeback gefeiert: beispielsweise auf der Rosenburg und mit dem Erfolgsmusical „I Am From Austria“. Dann kam Corona …
Elisabeth: … und alles war aus. Ich hab‘ die Zeit für eine Innenschau genutzt und das erste Mal Texte geschrieben. Mit meinem langjährigen Musikerfreund Goran Mikulec haben wir daraus Lieder gemacht; wenn alles klappt, gibt es am 12. Juni ein Tschauner Bühnen-Open-Air (tschauner.at, Anm.): mit Musical- und Lieblingsliedern vom Songcontest – und den neuen Nummern, die von Dingen handeln, die mich bewegen, die die Elisabeth sind. Das Lied „Frei“ handelt davon, dass ich gleichzeitig Verbundenheit und Freiheit brauche, ein anderes ist: „Stärker als zuvor“. Wir mussten in den letzten Jahren in der Familie einige traurige Dinge erleben; im Lied geht es um die Erkenntnis, dass, wenn du Krisen überwindest, du stärker bist als zuvor.

 

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Jung Vielseitig. „Deeper Than The Surface“, Linoldruck von Amelie Engstler

Amelie, du bist im Abschlussjahr – und das während der Pandemie. Worauf freust du dich, wenn‘s vorbei ist?
Amelie: Ich habe mit meinen Freundinnen eine Liste erstellt: Das Leben nach IB und Corona. Die reicht von ein einfaches Buch lesen, weil die Schule vorbei ist, über ein neues Land entdecken bis hin zum ins Kino gehen und den neuen James Bond sehen (lacht).

Ihr zwei erinnert mich an die Kult­serie „Gilmore Girls“ …
Amelie: Natürlich sind wir Mutter und Tochter, aber wir haben wirklich mehr eine freundschaftliche Beziehung.
Elisabeth: Als Alleinerziehende mit außergewöhnlichen Arbeitszeiten erschien es mir immer als die beste Lösung, meine Tochter in vieles miteinzubeziehen und sie oft mitzunehmen. Wir haben ziemlich früh über alles geredet. Was meinst du, Amelie?
Amelie: Es ist schwieriger, etwas zu finden, das wir nicht gemeinsam beschlossen haben. Wir besprechen alles; die Momente der Stille sind selten (lacht). Ich musste mich aber auch nie von ihr verurteilt fühlen.
Elisabeth: Das gehört für mich zur Freiheit. Ich kann vieles nicht ermessen, wie es für jemanden anderen ist. Andere sagen, dass das Kinder überfordert, wenn man alles mit ihnen bespricht. Für mich war es eine gute Lösung.

Du lebst seit Jahrzehnten mit viel Bekanntheit. Wie hast du deine Tochter darauf vorbereitet?
Elisabeth: Indem sie viel dabei war und gesehen hat, was wie läuft, wie mir die Menschen begegnen. Als ich bei „Dancing Stars“ war, war Ami noch sehr klein. Ich hab‘ ihr erklärt, dass ich viel trainieren werde. Sie war einverstanden, wenn sie dafür auch in die Sendung mitdarf. Dort ist das kleine Zwutschgerl oft eingeschlafen, hat aber immer gesagt: „Ich hab‘ nicht geschlafen. Ich hab‘ mich nur ausgeruht.“ (lacht) Ami war immer sehr offen, hat mit den Leuten ganz normal gesprochen. Wenn Fotos gemacht wurden, wollte sie manchmal aufs Bild, manchmal nicht und das war okay so.
Amelie: Ich bin damit aufgewachsen, dass ich eine Mutter habe, die etwas bekannter ist. Ich verstelle mich auch nicht, wenn eine Kamera kommt.

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Newcomer. Golden Retriever-Baby Phoebe hat sogar schon einen eigenen Insta-Account: @phoebe_the_goldenpuppy.

Stresst das nicht, aufpassen zu müssen, wie viel man von sich preisgibt?
Elisabeth: Für mich war das ein Entwicklungsweg. Es braucht auch Mut zu sagen, ich möchte beispielsweise nicht über mein Liebesleben sprechen. Ami ist eine starke Persönlichkeit; da wird sich noch vieles abreiben durchs Leben, aber die Grundstruktur ist genial.

… und sie brennt nun offenbar auch für die Kunst …
Amelie: Kunst macht mich glücklich. Ob es das Schauspielen ist, Design, Nähen, Fotografie …
Elisabeth: Sie hat hier einen wahnsinnig schönen Linoldruck von ihrer Ausstellung (zeigt auf ein farbkräftiges Bild mit weiblichen Torsi, siehe oben).

Du hattest schon eine Ausstellung?
Amelie: Ja, im Rahmen meines IB-Programms in der Schule; meine Ausstellung hieß „Female Beauty“ (spannende, kritische Auseinandersetzung mit Frauenbildern über verschiedene Medien, Anm.); ich genoss es bis zur letzten Sekunde, den Menschen meine Gedanken dazu zu beschreiben.

Wie geht dein Weg weiter?
Amelie: Ich liebe das Schauspielen, aber Corona hat gezeigt, wie wenig Sicherheit das allein bietet. Ich werde vielleicht mit einem Wirtschaftsstudium beginnen und mit Visual Arts und Mode kombinieren.

Was ist das Schöne, worin liegt die Challenge, wenn ihr zusammen arbeitet?
Elisabeth: Wir haben im Winter ein paar Videos für meinen Youtube-Kanal „Elisabeth Engstler Official“ aufgenommen. Da habe ich gesehen: Amelie weiß genau, was zu tun ist. Eine Challenge ist für mich, dass nicht dieses Mama-­Over-Rulen kommt. Man will immer beschützen und unterstützen, das ist manchmal zu viel.
Amelie: Und als Tochter will man alles selbst machen.
Elisabeth: Verständlich. Als ich so alt war wie Amelie, hatte ich keine Mutter; ich kann nicht aus meiner Erfahrung schöpfen, also lerne ich immer dazu. Für mich gehört es zu den schönsten Dingen überhaupt, etwas gemeinsam zu tun. Darum erlebe ich diese gemeinsamen Videos als ultralustig. (Mit verstellter Stimme) Ami, war‘s schrecklich für dich?
Amelie: Jaaa, ich musste leiden! Nein, ich find‘s auch lustig mit meiner Mutter und ich freu‘ mich irrsinnig auf die Rosenburg. Wir verbringen viel Zeit miteinander, da müssen wir nur manchmal aufpassen, dass wir uns nicht auf die Füße steigen (lacht).

Könnt ihr gut streiten?
Elisabeth: Sie ist ein Skorpion, ich bin ein Stier; da ist es praktisch unmöglich zu streiten.
Amelie: Ich werde wütend, meine Mutter wird traurig, aber am Ende sind wir immer gut.
Elisabeth: Wir sind sehr unterschiedlich, aber was wir gemein haben, ist, dass wir sehr gern wieder gut miteinander sein wollen. Manchmal ist es einfach besser, etwas stehen zu lassen, auch wenn man es nicht versteht. Es gibt nun mal unterschiedliche Wahrheiten.

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Ein Käfig voller Narren. Sommernachtskomödie Rosenburg mit Patrick Weber, Herbert Steinböck, Wolfgang Lesky, Elisabeth Engstler und Futurelove Sibanda (© Martin Hesz)

Sommernachtskomödie Rosenburg

„Ein Käfig voller Narren“
24. Juni bis 1. August 2021

Tickets und (Covid-)Infos:
www.sommernachtskomoedie-rosenburg.at