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People | 21.06.2016

Von der Birnbaumblüte geküsst

Mit 18 verließ sie ihre Heimat, heute sehen Katrin Lux alias Köchin Fanny rund eine Million Zuschauer im bayrischen Fernsehen. Zum Herzensprojekt wird ein Buch, das die Mimin mit ihrem Mann verwirklicht: eine Reise durchs Mostviertel und zu sich selbst.

Fotos: Guido Lux, Johannes Wagner-Pesendorfer

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(© Guido Lux)

Manchmal“, sagt sie, „erkennen mich Menschen, wenn sie vor mir auf der Straße gehen.“ Das hat sie stets verblüfft. Also fragte sie einmal nach. „Es ist Ihr Lachen, das ist unverkennbar“, gab ihr eine Lady kürzlich als Antwort. Und tatsächlich begleitet Katrin Lux, selbst in dem gut besuchten Lokal, wo wir uns zum Interview treffen, ein unverkennbares Lachen. Überhaupt nicht laut, im Gegenteil. Aber so besonders, so positiv und lebensbejahend – ein herzliches „Mezzosopran“. Rund eine Million Zuseher pro Folge zählt die BR-Serie „Dahoam is dahoam“, mit der die Mostviertlerin vor allem in Deutschland riesige Bekanntheit erlangte. In Hunderten Folgen gab sie mittlerweile die Köchin Fanny, die zur großen Überraschung der Schauspielerin von Beginn an exakt ihren Dialekt beherrschen sollte. „Ich wusste gar nicht, ob ich das noch kann, als mir die Rolle angeboten wurde“, gibt sie zu. „Ich hatte die Mostviertlerin in mir in eine Kammer gesperrt.“ Wirbelwind Fanny, der sie auch charakterlich nicht unähnlich ist, schloss auf. Mehr noch: Sie führte  Katrin Lux – sie ist Mama einer Achtjährigen – in ihre Heimat, hauchte der eingerosteten Liebe mit Birnbaumblüten und Mostparfait ein neues Leben ein und beflügelte sie zur Verwirklichung eines Herzensprojekts: dem Buch „Mild & Wild. Menschen. Landschaften. Küche“ (Grubbe Media), an dem sie eineinhalb Jahre mit ihrem Mann Guido Lux, dem Kameramann und Fotografen, gearbeitet hatte. „Jede Rolle hat eine besondere Bedeutung – diese bringt mich dazu, mich mit meinen Wurzeln auseinanderzusetzen. Es war für mich so bereichernd zu erleben, wie vielseitig und wunderschön meine Heimat ist.“

„Weil ich das Mostviertel endlich wieder umarmen konnte, kann ich mich selbst auch annehmen wie ich bin.“ - Katrin Lux

Katrin Lux
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(© Guido Lux)
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(© Guido Lux)
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GANZ VIEL GÄNSEHAUT. Beim Gespräch mit Schauspielerin Katrin Lux und ihrem Guido (mit Hund Keilani)

Lebensverändernde Diagnose. Aufgewachsen war die Mimin in einer Großfamilie mit vier Geschwistern in St. Peter in der Au, sozusagen in einer Metzgerei. Mit dem Fleisch, dem sie zwischendurch für zehn Jahre entsagte, hat sie – das zeigen auch die köstlichen Rezepte ihres Buches – wieder ihren Frieden geschlossen. Nach rotem Teppich, schillernden Roben und Rampenlicht sehnte sich Katrin Lux, geborene Katrin Ritt, schon als Kind. Ihr Traum schien ausgerechnet beim Vortanzen für die Wiener Opernballettschule zu zerplatzen. Sie war damals acht Jahre alt, „der Direktor erkannte mein Talent, aber auch, dass mit meiner Wirbelsäule etwas nicht stimmte“, erzählt sie. Jahrzehnte hindurch sprach sie weder über die Diagnose noch über deren Folgen; erst vor wenigen Monaten, in einer deutschen Radiosendung mit viel Tiefgang („Mensch, Otto“) öffnet sie sich. Das kleine Mädchen von damals musste ihre Spitzenschuhe an den Nagel hängen, sie litt an einer schweren, 49-gradigen Skoliose. Ob wir darüber sprechen können, frage ich sie vorsichtig im Interview. „Ja“, sagt sie. „Ich habe es angenommen, Skoliotikerin zu sein, ich bin damit im Reinen.“ Statt des erträumten Tutus musste sie zwei Jahre lang ein Stützkorsett tragen, „in dem ich mich wie in einem Gefängnis fühlte und das für jeden meine Krankheit sichtbar machte. Trotzdem sah ich mich nie als Opfer, wurde auch nie gehänselt. Ich wurde eher zum Klassenkasperl“, sagt sie mit einem zurückhaltenden Augenzwinkern. Die Familie entschied sich wegen der Risiken gegen eine Operation; Katrin Lux sitzt heute dennoch nicht wie einst prognostiziert im Rollstuhl. Ein Wunder? „Ich verteufle die Schulmedizin sicher nicht. Wenn ich mir heute den Arm breche, fahre ich ins Krankenhaus. Aber sie hat ihre Grenzen“, erklärt sie. „Ich habe einfach begriffen, dass es auch weitere Möglichkeiten außer der Schulmedizin gibt.“ Sie versuchte viele Alternativen, seit zwölf Jahren unterstützt sie ihre „Seelenfrau“, eine Art Therapeutin. Und warum sie jetzt darüber sprechen kann? „Die Krankheit war meine Wunde, ich fühlte mich mit ihr angreifbar. Weil ich das Mostviertel mit diesem Buchprojekt nach so vielen Jahren nun endlich wieder umarmen konnte, kann ich mich selbst auch annehmen, wie ich bin“, beschreibt sie, während sich ihre strahlenden Augen mit Tränen füllen …

Der Weg nach Deutschland. Bereits mit 18 packte Katrin Lux ihre sieben Sachen. Neben ein paar Fotomodel-Jobs besann sie sich erneut auf ihre ursprünglichen Ziele und startete zunächst in Wien ihre Laufbahn als Schauspielerin. Zunächst Learning by Doing, später holte sie eine Schauspielausbildung nach. Ihre erste Hauptrolle: In Georg Baryllis „Preis der Unschuld“. Als sie in Berlin ihr Glück versucht, erfährt sie zunächst einen herben Rückschlag. „Du wirst in Deutschland nie eine Rolle bekommen“, lautet die schonungslose Zurückweisung gleich beim ersten Casting; ihr Mostviertler Dialekt scheint eine unüberwindbare Hürde zu sein. „Ich nahm Sprachunterricht, lernte Konsonanten anders auszusprechen – und siehe da, plötzlich kamen wirklich die Rollenangebote“, lacht sie heute. So spielte sie im deutschen Fernsehen „SOKO“, „Für alle Fälle Stefanie“ oder „Marienhof“. Bis zu jenem sagenumwobenen Treffen, als der Produzent von „Dahoam is dahoam“ sie zum Essen einlud. „,Muss ich da jetzt Bayerisch sprechen?’, habe ich ihn gleich gefragt“, erinnert sie sich. Woraufhin er amüsiert entgegnet: „Wieso denn? Du bist doch Mostviertlerin, die Köchin Fanny, die du spielen sollst, ist eine Mostviertlerin.“ 

Katrin Lux
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Gut drauf in „Overknee-Stiefeln“: beim Fliegenfischen in der Ybbs (© Guido Lux)
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Rückschläge gab es genug in Katrin Lux‘ Leben, die Lebensfreude ist ihr dennoch ins Gesicht geschrieben (© Guido Lux)
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Patchwork-Family: Die Schauspielerin bringt eine Tochter, ihr Mann Guido Lux drei Kinder aus erster Ehe mit (© Johannes Wagner-Pesendorfer)

Geglückte Verkuppelung. Das Publikum schloss sie schnell ins Herz; Fans, die sie via Facebook wegen Rezepten aus der Serie zum Nachkochen kontaktierten, riefen sie auf den Plan. „Ich dachte mir: Ich war eh schon lange nimmer bei Oma, da fahre ich hin – sie und meine Tante sind ja wirklich Köchinnen –, besuche sie und sammle ein paar Rezepte für ein kleines Buch“, schmunzelt sie. „Ich hab’ das völlig unterschätzt.“ Eineinhalb Jahre intensive Arbeit liegen nun hinter ihr und ihrem Mann Guido Lux; sobald es zwei, drei drehfreie Tage gab, düste das Paar von München ins Mostviertel: Sie recherchierte, schrieb Porträts und Reportagen mit viel Feingefühl und freilich auch Rezepte, er machte fantastische Fotos.

„Ich verteufle die Schulmedizin sicher nicht. Ich habe einfach begriffen, dass es auch weitere Möglichkeiten gibt.“ - Katrin Lux

Unbedingt erzählt werden muss die zauberhafte Liebesgeschichte der beiden, die über Facebook ihren Anfang nahm. Die Wunden waren kaum noch vernarbt, es war der Scheidungstag der Schauspielerin: „Ich hatte abends einfach das Gefühl, es kundtun zu müssen. So richtig wusste ich wohl nicht, was ich da tue: Ich hab’ einfach nur meinen Status auf Facebook geändert.“ Freilich folgte eine Flut an Reaktionen, ein guter Freund preschte prompt mit einem Verkuppelungsversuch vor. Überrumpelt fühlten sich davon beide Seiten: „Überhaupt als er mir dann auch noch ein Foto von Katrin am roten Teppich schickte“, lacht Guido Lux. Auch der dreifache Papa hatte eine Scheidung hinter sich. „Dann bin ich auch noch 13 Jahre älter – was sollte so eine Frau von mir wollen?!“, hatte er sich damals gedacht. Doch der Freund war hartnäckig – und behielt recht. Als es endlich zum Nummernaustausch kam, war es um die beiden schon via SMS geschehen. „Wir hatten uns zig SMS geschickt, ohne uns auch nur gesehen zu haben – ich hab’ die alle noch gespeichert“, sagt Guido Lux. Und schließlich war es Liebe auf den ersten Blick ...