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People | 12.07.2021

SERIE. Mozarts "Entführung"

Stellvertretend für Tausende Menschen auf und hinter den Bühnen Niederösterreichs baten wir sieben Protagonistinnen zum Interview. Teil 5: Respekt, Toleranz und Achtung vor dem Fremden sind die Grundpfeiler einer noch nie dagewesenen Fassung von W. A. Mozarts „Entführung aus dem Serail“ in der Oper Burg Gars. Inszeniert von der Jungregisseurin Lisa Padouvas.

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Lisa Padouvas. Die griechisch-österreichische Jungregisseurin (© Jennifer Bilska)

NIEDERÖSTERREICHIN: Was fasziniert Sie persönlich an Mozarts Entführung?
Lisa Padouvas: Der geschichtliche Hintergrund zur Zeit der Entstehung der Oper, der von Kriegen mit dem Osmanischen Reich  aber auch von einem neu erwachenden Interesse für das Reisen und Entdecken anderer Kulturen geprägt war, sowie die Neuartigkeit der Handlung und die Wahl des Sujets. Mozart hat hier die Kunstform des Singspiels in jeder erdenklichen Weise gesprengt und damit erstmals große Oper erschaffen. Das unterhaltsam angelegte Stück erreicht in vielen Szenen große und emotionale Tiefe und Komplexität. Und genau diese, vom Komponisten hervorragend ausgearbeitete, figurenpsychologische Tiefe in Musik und Text macht die Beschäftigung mit seinem Werk so spannend für mich.

Welche dramaturgische Besonderheit dürfen wir erwarten?
Wir lenken der Fokus ganz bewusst auf die sechs Protagonisten. Personenpsychologie und Figurenentwicklung stehen im Mittelpunkt der Auseinandersetzung und sollen die wesentlichen Aussagen der Handlung besonders schonungslos darstellen. Auch das Ende unsrer Garser Entführung wird den Opernkenner vielleicht überraschen. Das von Mozart komponierte Ende ist ein von den Regeln des Kaiserhauses erzwungenes und (musikalisch) ironisiertes Happy End. Denn Konstanze, die weibliche Hauptrolle der Oper, ist eine Frau, die zwischen zwei Männern steht. Dass so eine Geschichte nicht gut ausgehen kann, erklärt sich wohl von selbst …

Wie zeitlos ist das Stück 240 Jahre nach der Uraufführung?
Sklaverei, Menschenhandel und Zwangsehe sind, wenn auch unter anderem Namen oder in anderer Form, leider immer noch ein Thema, selbst in Europa. Ich denke, wir können auch heute noch sehr viel von Bassa Selim lernen – Liebe und Vergebung, Respekt und Toleranz, aber vor allem Mut zur Veränderung.

Wie fühlt es sich an, ein eigenes Regiekonzept inmitten der tausend Jahre alten Mauern der Burg Gars umzusetzen?
Dieser magische Ort und die atemberaubende Atmosphäre der Burg beflügelt meine Fantasie. Im Fall der Entführung passt sie auch noch wie die Faust aufs Auge zum Stück, denn Schauplatz der Handlung ist der Palast des Bassa Selim. Deshalb wird die Burg – oder eher die Burgmauer – auch ein elementarer Bestandteil meiner Inszenierung und in einer Form bespielt, wie sie bisher noch nicht zu sehen war.

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DAS OPERNHAUS DES WALDVIERTELS unter der Intendanz von Dr. Johannes Wildner (© Reinhard Podolsky)

OPER BURG GARS
„Die Entführung aus dem Serail“
15. Juli bis 7. August 2021
Karten: [email protected] und
02985/330 00
www.operburggars.at

 

Hier findest du die bisher erschienenen Teile unserer Serie (jeweils einfach draufklicken):

Teil 1: Myrthes Monteiro, Musicalstar in Amstetten

Teil 2: Miriam Fussenegger ist nicht nur lieb – beim Theatersommer Haag

Teil 3: Adriana Zartl hat in Asparn/Zaya eine Schraube locker 

Teil 4: Marie Sturminger über Kostüme & Bühne bei den Sommerspielen Perchtoldsdorf