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People | 07.10.2021

Perspektivenwechsel

Bei den Herbsttagen in Blindenmarkt wagt die international gefeierte Sängerin Daniela Fally etwas ganz Neues: Mit „Wiener Blut“ zelebriert sie ihr Regiedebüt. Ein Richtungswechsel?

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Opernstar Daniela Fally goes Regie (© Vanessa Hartmann)

Wenngleich sie heute im Rampenlicht mit ihrer großen Stimme beeindruckt, zu Beginn ihrer Laufbahn war Daniela Fally mit Stift und Kamera unterwegs: Sie war Journalistin, Abenteuerlust und Neugier sind also durchaus ein Lebenselixier. Diesbezüglich war Michael Garschall an der richtigen Adresse bei ihr. Für einen Augenblick sprachlos war sie dennoch, als der Intendant der Herbsttage Blindenmarkt mit einem nicht alltäglichen Jobangebot bei ihr anklopfte …

 

 

NIEDERÖSTERREICHERIN: Sie werden demnächst mit „Wiener Blut“ Ihr Regiedebüt zelebrieren: Wie kam es dazu?
Daniela Fally: Intendant Michael Garschall hat mich mit seiner Idee echt überrascht. Aber ich habe ein wenig nachgedacht und mich entschlossen, dieses neue Abenteuer zu wagen. Die Sicht aus der anderen Perspektive und die sich dadurch ergebenden Gestaltungsmöglichkeiten reizen mich.
Die Regie für „Wiener Blut“ ist eine schöne, spannende Herausforderung mit sehr, sehr viel Vorbereitungs- und Recherchearbeit und Autorentätigkeit. Gleichzeitig ist es erfüllend, wie nun meine bunte Arbeitsvergangenheit von Regieassistenz, Requisite, Inspizienz, Journalismus, Kulturmanagement und natürlich 25 Jahre aktive Bühnenzeit zusammenfließen darf. Aber es ist auch eine große Verantwortung, die ich sehr ernst nehme. Sowohl im künstlerischen Sinn, als auch im Sinn eines Miteinanders; ich trage die Verantwortung für das Arbeitsklima, den Teamspirit, einen wertschätzenden Umgang und vieles andere mehr.

Was können Sie schon über die Produktion „Wiener Blut“ verraten?
Es erwartet das Publikum ein kurzweiliger, schneller, schwungvoller, und urwienerischer Operettenabend. Und: Liebes Publikum, Sie werden das Stück sehen! Natürlich mit vielen Gegenwartsbezügen und moderner Methodik umgesetzt, in wunderschönen, zeitlos spannenden Kostümen von Anna-Sophie Lienbacher voller Frechheit und Witz, wie es in der Operette sein soll. Überraschen wird Sie auch die Bühne von Marcus Ganser und Sam Madwar.
Ob Sie nun „Wiener Blut“ noch nicht kennen oder schon lange nicht mehr gesehen haben und besonders auch die junge Generation lade ich ganz herzlich ein: Kommt, ihr werdet euch zerkugeln! Wir haben das beste, urösterreichische Ensemble, das man sich wünschen kann, mit lauter Vollprofis in ihrem Metier. Sie sehen, ich schwärme, ich kann es einfach kaum erwarten.
„Wiener Blut“ war die erste Operette, die ich damals als Teenager im Badener Stadttheater gesehen habe und ich konnte mich kaum am Sessel halten vor Lachen. Gerade jetzt kann uns allen ein leichter, witziger Theaterabend so richtig guttun.
 
Als Regisseurin braucht es sozusagen Führungsqualitäten. Wie sehen Ihre aus?
Oh ich denke, das kriege ich hin (lacht). Aber mir ist ein wertschätzender Umgang sehr, sehr wichtig. Mein Team und mein Ensemble müssen sich wohlfühlen. Nur so bekomme ich und schließlich das Publikum das beste Ergebnis.

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Gute Chemie. Intendant Michael Garschall – er wurde kürzlich mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet – und Regie-Newcomerin und Starsopranistin Daniela Fally (c) Laura Heinschink

Sehen Sie Ihre Regietätigkeit als Ergänzung zu Ihrer Bühnenkarriere – oder könnte dieser Schritt doch auch zukunftsweisend sein?
Derzeit sehe ich das tatsächlich als einen einmaligen Ausflug. Was die Zukunft  generell bringen wird, wird die Zukunft zeigen. Ich liebe das Singen über alles, aber auch das Unterrichten. Die Perspektive rückt ein wenig weg von der Opernbühne und hin zum Konzertsektor; das nimmt seit ein paar Jahren einen großen und hoch erfüllenden Raum in meinem Leben ein.

Könnten Sie sich ein Leben ohne Rampenlicht vorstellen?
Ja, ein Leben ohne Rampenlicht kann ich mir vorstellen. Aber vor allem kann ich mir ein aufregend buntes Leben vorstellen (lacht).
 
Sie stehen im Herbst auch bei den Serenadenkonzerten des Landes auf der Bühne. Womit werden Sie das Publikum erfreuen?
Norbert Ernst, einer der gefragtesten österreichischen Tenöre, und ich bringen das Italienische Liederbuch von Hugo Wolf zur Aufführung. Und zwar in der Reihenfolge, wie es Hugo Wolf geplant hatte. Es ist dies eine seltene Gelegenheit, das gesamte Liederbuch zu hören (24. Oktober, Burg Perchtoldsdorf, Anm.).
 
Sie waren „Mädchen für alles“ beim Stadttheater Berndorf, als Felix Dvorak Ihr künstlerisches Talent entdeckte. Das war der Beginn Ihrer Karriere, die Sie schließlich an die Opernhäuser der Welt führte. Würden Sie heute etwas anders machen?
Ja, ich hatte damals – das gibt es heute kaum noch – die Möglichkeit, den ganz klassischen Theaterweg zu machen: angefangen von Hilfstätigkeiten über kleine Rollen an kleineren, aber wichtigen  Häusern bis hin zu Rollen auf ganz großen Bühnen.  Das Theater und all seine Prozesse, Magien, Herausforderungen und Systeme von der Pike auf kennenzulernen und gewissermaßen aus der Praxis heraus „studieren“ zu dürfen, war ein großes Privileg.
Ja, ich würde vielleicht dieses oder jenes anders machen, aber im Grunde bin ich sehr zufrieden und dankbar, was mir das Leben geboten hat und wohin ich von Pottenstein aus kommen durfte.

 

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Musik mit viel witz. Katrin Fuchs (Pepi) und Andreas Sauerzapf (Josef) in der Operette „Wiener Blut“. Premiere ist am 8. Oktober im Rahmen der „Herbsttage Blindenmarkt“, weitere Termine und Tickets: www.herbsttage.at (c) Mark Glassner

Was macht Sie glücklich?
Meine Familie, die Natur, eine erfüllende, positive und beflügelnde Arbeitsumgebung, glückliche Menschen – und es vielleicht zu schaffen, das Publikum mit dem Zauber des Theaters und der Musik ein wenig den Alltag vergessen zu lassen und ihm ein paar schöne Stunden in einer beflügelnden Dimension zu schenken.
 
… und was lässt Sie verzweifeln?
Oh, so manches … Aber dem will ich in meinem Leben keinen großen Platz geben. Ich erlaube mir, für mich toxische Umgebungen zu meiden und mein Leben zu einer Zone netter Begegnungen, Leichtigkeit und Freundlichkeit zu machen.
 
Wer und was hilft, wenn es Ihnen mal nicht gut geht?
Mein Verlobter, meine Mutter und meine über alles geliebten Freundinnen und Freunde. Es ist wichtig, in einer Zeit der aufstrebenden Herzenskälte seine Inseln der Geborgenheit und des Wohlfühlens zu pflegen. Nur so sind wir stark für alle möglichen Herausforderungen.
 
Sie und Ihr Verlobter Gustavo Quaresma Ramos sind Eltern der sechsjährigen Sophie. Wie managen Sie beide Familie und künstlerische Karrieren?
Indem wir versuchen, die für uns stimmige Version unserer Leben und der berühmten Work-Life-Balance zu finden und auch durchzuziehen. Es muss uns gut gehen, dann können wir auch gut vor allem als Eltern sein, aber auch in unseren Berufen.
 
Apropos: Sie sind seit Jahren verlobt. Werden Sie irgendwann heiraten?
Wir arbeiten daran (lacht).
 
Wir fragten Sie vor drei Jahren nach Ihrem Lebensmotto. Sie sagten: „Kreiere eine Vision, die dich jeden Tag begeistert aus dem Bett springen lässt.“ Wie sieht diese Vision heute bei Ihnen aus?
Immer noch genau so! Mir ging es schon sehr lange nicht mehr so gut wie jetzt. Ich liebe mein buntes Leben und nächstes Jahr kommt noch eine schöne neue Aufgabe hinzu, auf die ich mich ganz besonders freue, aber da sprechen wir dann 2022 hoffentlich weiter (lacht).

 

KURZBIO

Daniela Fally wurde 1980 geboren und wuchs in Pottenstein auf. Sie war zunächst NÖN-Journalistin und jobbte am Stadttheater Berndorf, wo Intendant Felix Dvorak ihr Talent entdeckte. Nach Musical- und Schauspielausbildung sowie Operngesangsstudium sang Daniela Fally u. a. an der Volksoper Wien, an der Wiener Staatsoper, ehe sie sich auch international einen Namen machte. Ein Auszug ihrer bejubelten Auftritte: als Adele in „Fledermaus“ an der Mailänder Scala, in „Ariadne auf Naxos“ an der Dresdner Semperoper unter Maestro Christian Thielemann oder ebenfalls in Richard Strauss‘ „Ariadne“ als Zerbinetta unter Franz Welser-Möst in Cleveland.
www.danielafally.com