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People | 29.10.2021

Stillstand? Niemals!

Conny Kreuter ist Profitänzerin, neue Chefchoreografin bei „Dancing Stars“, vielseitige Medienfrau und seit Kurzem Flugschülerin. Wie das geht? Ihr „Geheimrezept“ gibt sie gerne weiter.

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(© Tristan Breyer)

„Du kennst doch diese Liegeposition von Babys, wenn sie ganz friedlich und zufrieden am Rücken liegen und schlafen?“, fragt sie und wartet das etwas irritierte Ja gar nicht erst ab. „Genauso wache ich morgens immer auf, wenn ich am Tag davor  Flugstunde hatte“, lacht Conny Kreuter und taucht ihren Löffel in ihr Früchtemüsli.
Dazu gibt‘s den zweiten doppelten Espresso, in den Wochen vor dem Start von „Dancing Stars“ ist Power gefragt. Die Starflight-Flugschule in Bad Vöslau avancierte quasi zum Leo für die neue Chefchoreografin der 14. Staffel der beliebten ORF-Show.
Der Terminkalender ist gut gefüllt, „ich komm‘ trotzdem meistens auf meine acht Stunden Schlaf“, winkt die 35-Jährige ab. Ein Geheimnis ist die gute Kombination aus vernetztem Denken, das sie beim Tanzen intensiv trainiert, und Organisationstalent, erklärt sie. Das ermöglicht dankenswerterweise auch ein gar nicht gehetztes Interview und einen gemeinsamen Tauchgang in Conny Kreuters Biografie.

Im Wasser. Einer der ersten wichtigen Lebensereignisse führt tatsächlich ins Wasser; nach kleineren Ausflügen zum  Ballett und auf das Eis, begann Conny Kreuter fünfjährig mit dem Schwimmen. „Ich galt als ,die kleine Aufdrahte‘ und musste unter Kontrolle gebracht werden“, schmunzelt sie, die mit einer zwei Jahre älteren Schwester aufwächst. Ihren Eltern – die Mama ist Kindergartenpädagogin, der Papa Polizist – ist sie bis heute für die Möglichkeit dankbar; bis sie knapp 18 Jahre alt war, blieb sie dem Verein treu und geriet auch in der Pubertät nicht auf Abwege. Ihr Team sei für sie lange wie eine Zweitfamilie gewesen und Inspiration für bemerkenswerte Leistungen. Schon als Zwölfjährige nimmt sie aus freien Stücken am Frühtraining teil. „Das bedeutete: drei Mal in der Woche um 5:30 Uhr aufstehen und von 6 bis 7 ins Wasser.“ Sie schwimmt 800 und 1.500 Meter; als für sie „das soziale Gefüge“ nicht mehr passt, hört sie auf. Bis heute ohne Reue. Doch sie weiß, dass sie, die viele Jahre „die harten Disziplinen“ gewöhnt war, nicht plötzlich ruhen darf.

Auf dem Parkett. Der Zufall führt Conny Kreuter in die Tanzschule; „mein Körper hat sich über die Bewegung nach dem Schwimmen richtig gefreut.“ Wenig später, bereits 2007 tanzt sie mit 21 ihre erste Meisterschaft mit Stefan Herzog.
Geblieben ist bis heute die große Emotion für das Tanzen: „Es holt mich aus der Realität; wenn die Musik angeht, ist es, als würde jemand das Licht anknipsen. Beim Tanzen bin ich im Flow und ich kann mich fallen lassen; es macht mich einfach glücklich.“
Geändert hat sich sozusagen die Konstellation. Stefan Herzog und Conny Kreuter ertanzten sich bei österreichischen Meisterschaften, Europa- und Weltmeisterschaften zahlreiche Pokale und glänzende Platzierungen. 2018 beendet sie ihre aktive Karriere. Die beiden, die auch privat ein Paar waren, trennen sich und nehmen eine einjährige Auszeit, um sich neu zu sortieren. Heute tanzen sie wieder zusammen, freundschaftlich-­beruflich sozusagen, bei Meisterschaften tritt Conny Kreuter nicht mehr an.
Seit dem Sommer ist das inspirierende Energiebündel frisch verliebt. „Die wunderschöne Verbindung“ sei für ihren Elan verantwortlich, ist sie überzeugt: „Worum geht‘s im Leben? Dass man geliebt wird. Wenn du glücklich bist, ist das wie eine Matte. Wenn ich mich wohlfühle, kann ich hoch raufklettern, fliegen und abstürzen (natürlich metaphorisch gemeint, Anm.); ich werde aufgefangen.“

In der Luft. Und Conny Kreuter fliegt in der Tat. Bei einem Besuch am Star­flight-Flugplatz in Bad Vöslau sprang der Funke über und sie beschloss kurzerhand, den Pilotenschein zu machen. Ein persönliches Motto, das die Tänzerin stets antreibt: „Bist du Meisterin in einer Disziplin, mache eine andere.“ Das bedeutet aktuell: Ärmel hochkrempeln, denn für den Pilotenschein braucht es 110 Stunden Theorie plus 45 Flugstunden. „Wie viel Stress ich auch hab‘, sobald ich in der Luft bin, bleibt er unten.“

 

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Wirbelwind. Conny Kreuter am Flugplatz Bad Vöslau (© Tristan Breyer)

In der eigenen Mitte. Conny Kreuter studierte parallel zum Tanzen Sportwissenschaften; den Bachelor hat sie in der Tasche, die Masterarbeit scheiterte bislang, weil ein technischer Defekt Hunderte Interviewseiten im digitalen Nirwana verschwinden ließ. Gespeichert blieb im Kopf all das an der Uni und im Leben erlernte über mentale Stärke. Ihr Wissen gibt sie in Kursen weiter; im Dezember startet „Mindset Boost #körperliebe“. „Es geht darum, die Menschen wieder näher zu ihrem Körper zu bringen, damit sie ihm zuhören und zu mehr Selbst- und Körperliebe finden“, sagt sie. In ihren Kursen sind alle Generationen vertreten und Frauen sowie Männer. „Du schaffst vieles, wenn du im Kopf stark bist“, ist Conny Kreuter überzeugt. Schlechte Phasen kennt sie freilich auch; ein tägliches Refugium sei Meditieren. „Manchmal genügen Minuten.“ Zudem steht sie mit einem Morgenritual auf und verabschiedet sich mit einem Einschlafritual vom Tag. „Ich schau in den Kalender und stelle mir von jedem Termin am Folgetag die beste Version vor.“

In der Show. Einiges lässt sich nicht vorabsehen. Wie der Tag, an dem der ORF anrief und ihr anbot, die Position der Chefchoreografin von „Dancing Stars“ zu übernehmen. Vier Mal war sie bisher als Profitänzerin in der Show; zunächst wirbelte sie mit Fadi Merza über die Tanzfläche, dann mit Norbert Schneider, 2019 mit Michael Schottenberg und 2020 mit Cesár Sampson. „Ich und Chefchoreografin? Ich hab‘ sofort nein gesagt; ich hab‘ kein Egothema, ich will mehr Lebenserfahrung sammeln und nicht nach oben. Ich würde nichts aus reinen Karrieregründen machen“, betont sie. Es sei eine klare Absage gewesen, „das sind ja alles Profis, ich wollte mich nicht erhöhen – und eigentlich selbst nur tanzen.“
Doch die Verantwortlichen blieben hartnäckig. „,Wir wollen, dass du deine Magie über die gesamte Show streust‘, haben sie gesagt“, schmunzelt Conny Kreuter, die sich überreden ließ. Vorsichtig habe sie sich an die neue Rolle herangetastet, zunächst alle Profis durchgerufen. Als es mit den Arbeiten losging, stellte sich alsbald Erleichterung ein. „Wären da Neid oder Missgunst, könnte ich nicht kreativ sein; aber wir begegnen uns auf Augenhöhe und haben so viel Spaß miteinander“, sprach Conny Kreuter, nahm ihren Zauberstab und flog zum nächsten Termin.

 

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(c) ORF/Roman Zach-Kiesling

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(c) ORF/Roman Zach-Kiesling

KURZBIO

Conny Kreuter wurde 1986 geboren und lebt heute in Wien und Klosterneuburg. Sie studierte Sportwissenschaften und ist seit 2007 Profitänzerin; sie ist mehrfache österreichische Meisterin in den Lateintänzen Einzeltanz, mehrfache Staatsmeisterin in der Lateinformation und mehrfache WM- und EM-Finalistin. Kreuter ist Sprechtrainerin, Moderations- und Mediencoach. Sie tanzte in vier Staffeln  bei „Dancing Stars“, in der aktuellen ORF-Show ist sie Chefchoreografin.
connykreuter.com