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People | 22.02.2016

Das Spielkind aus der Wachau

Ihr Lächeln ist umwerfend, ihre Liebenswürdigkeit natürlich und verbindlich. Barbara Kaudelka ist eine der vielseitig begabtesten Künstlerinnen unseres Landes. Die Herzensheimat des erfolgreichen Serien-Stars ist und bleibt Weißenkirchen, weshalb ihr Debütroman – so viel sei bereits verraten - auch in der Wachau angesiedelt ist. „What else?“, meint sie – lächelnd.

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(© Chris Ecker)

Text: Angelica Pral-Haidbauer

Produktion: Angelica Pral-Haidbauer, Viktória Kery-Erdélyi

Fotos: Chris Ecker

Mode: Alle Modelle Lena Hoschek, das rückenfreie Spitzenkleid Couture by Benhard Gashi

Schmuck: Kette von collections by joya, Armreif von Benhard Gashi

Schuhe: Natalie Rox

Style und Make-up: Dirk Nebel mit Produkten von Urban Decay

DIE BUHLSCHAFT 

Als Marcus Strahl mich gefragt hat, ob ich Lust hätte, die Rolle der Buhlschaft im „Wachauer Jedermann“ bei den Wachaufestspielen 2016 zu übernehmen, war die Freude naturgemäß groß. So schnell „Ja!“ hab ich wahrscheinlich zuletzt beim Heiratsantrag meines heutigen Mannes gesagt (lacht). 

Dieses Engagement stellt für mich persönlich auf vielen Ebenen etwas ganz Besonderes dar: zum einen liegen meine familiären Wurzeln ja in Weißenkirchen in der Wachau; hier ist meine Herzensheimat, für mich ist es das schönste Platzerl auf der Welt. Dass ich jetzt selber auf der Bühne des altehrwürdigen Teisenhoferhofs stehen darf, auf der ich als Kind selbst Sommertheater gesehen habe, ist schon irgendwie magisch. Ich kann mich noch ganz genau erinnern, als ich dort als ganz kleines Dirndl die Mozartkinder­oper „Bastien und Bastienne“ gesehen habe und wochenlang verzaubert war. Als angehende Jungjournalistin habe ich vor über zehn Jahren meine allererste Theaterkritik über ein Stück geschrieben, das auf ebendieser Bühne gespielt wurde, nämlich „Was ihr wollt“ unter der Intendanz von Peter Janisch. Es ist mir jetzt zudem eine große Ehre, mit Schauspielgrößen wie Waltraud Haas und Marcus Strahl zu arbeiten. Ich bin schon lange ein Fan von Marcus‘ Art, Theater zu machen, insbesondere seiner Regiearbeiten. 2001 habe ich im Ateliertheater in Wien seine Interpretation von Felix Mitterers „Kein Platz für Idioten“ gesehen, mit dem grandiosen Michael Duregger in der Titelrolle. Dieser Abend war für mich ein „game changer“! Ich war insgesamt dreimal in der Vorstellung, jedes Mal erschüttert bis ins Mark, verheult und glücklich darüber, wie sehr Theater imstande ist mich zu berühren. Da wusste ich, es kommt noch etwas auf mich zu, dieses Kapitel ist in meinem Leben noch nicht abgeschlossen. Nicht lange danach habe ich dann den Mut aufgebracht, an einer Schauspielschule vorzusprechen. Also: Hier bin ich jetzt und stehe im September als Buhlschaft auf der Bühne. So schließt sich der Kreis.

Barbara Kaudelka
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(© Chris Ecker)
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(© Chris Ecker)
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(© Chris Ecker)

COPSTORIES 

Die Dreharbeiten zu den beiden neuen Staffeln der ORF-TV-Serie „CopStories“ haben mich die letzten zwei Jahre auf Trab gehalten und riesigen Spaß gemacht. Die Figur der „Patrizia Kratzer“ ist mir richtig ans Herz gewachsen. Was ich an dieser Produktion so mag, ist, dass sie mutig ist, auch Problemthemen behandelt und man als Schauspieler dauernd gefordert ist. Das Tolle an unserem Beruf ist ja, dass man sich dauernd in unterschiedliche Köpfe hineinbeamen darf, sich in ungewohnte Situationen begibt und ständig Neues lernt – allein das Polizeitraining mit den Beamten der Inspektion Wattgasse war irrsinnig interessant. Einem Menschen wie mir, der einfach Zeit seines Lebens eine „Neugierdsnase“ und ein  „Spielkind“ bleiben wird, kann eigentlich nichts Besseres passieren. Max Reinhardt hatte schon Recht, als er sagte: „Ein Schauspieler ist ein Mensch, dem es gelungen ist, seine Kindheit in die Tasche zu stecken und sie bis an sein Lebensende dort aufzubewahren.“ 

Nun bekomme ich fast täglich die Frage gestellt, wie es mit den „CopStories“ weitergeht. Die Antwort ist: Wir Schauspieler haben leider selber noch keine Infos, wann der Ausstrahlungstermin für den Start der Staffeln 3 und 4 angesetzt ist. Wir geben unseren Fans aber umgehend Bescheid, sobald wir mehr wissen. Was ich aber schon verraten darf, ist, dass die Cops-Familie 2016 keineswegs untätig sein wird: Ende des Jahres, rund um Weihnachten, finden die Dreharbeiten zu einem 90-minütigen „CopStories“-Spielfilm statt. Eine wundervolle Zeit um zu drehen, findest du nicht? (Zwinkert)

MEIN ERSTER ROMAN

Ja, es stimmt, ich arbeite gegenwärtig am Manuskript zu meinem Debütroman. Das geschriebene Wort spielte schon immer eine zentrale Rolle in meinem Leben. In meinem Elternhaus wurde immer viel gelesen und vorgelesen, da war‘s fast vorprogrammiert, dass aus mir mal ein Bücherwurm wird. Ich hab schon sehr früh begonnen, mir Geschichten auszudenken. Zunächst hab ich sie vor versammeltem Stofftierpublikum vorgetragen, später dann folgten Kurzgeschichten, die ich auf Papas alter Schreibmaschine zu Papier gebracht habe. Mein allererster getippter Text war eine Nacherzählung vom „Hund von Baskerville“. Die Leidenschaft für Schreibmaschinen ist mir übrigens bis heute geblieben; mittlerweile sammle ich sie emsig. Geschrieben habe ich, solange ich denken kann. Gleich nach der Matura habe ich als Journalistin gearbeitet, und auch heute schreibe ich immer wieder Gastkolumnen für verschiedene Print- und Onlinemedien. Den Wunsch, einen Roman zu schreiben, schleppe ich schon eine Weile mit mir herum, allein am Zeitmanagement hat es bis dato gehapert. Den ersten ernsthaften Versuch habe ich Anfang 2015 gestartet, musste aber rasch feststellen, dass der Spruch, dass „es bloß einen guten Plot brauche, dann schreibe sich das Buch ganz von selber“, definitiv ins Land der Märchen gehört. Das geht leider nicht so easy neben Dreharbeiten oder Proben. Deshalb habe ich im Spätherbst 2015 mit mir selbst den Deal ausgehandelt, mir jetzt die Ruhe und Zeit zum Schreiben zu nehmen. Ich will nur soviel verraten: Die Geschichte spielt in der Wachau. What else? ;-) Wie es läuft? Es gibt Tage, an denen flutscht es und die Seiten füllen sich. Dann gibt es Phasen, wo ich das Gefühl habe, der deutschen Sprache nur so weit mächtig zu sein, wie dem Mongolischen des 17. Jahrhunderts. Und manchmal steckt mein Mann seinen Kopf durch die Tür meines Arbeitszimmers, weil er denkt, ich hätte mit ihm gesprochen, dabei halte ich Zwiegespräche mit meinen Charakteren.

Barbara Kaudelka
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(© Chris Ecker)
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(© Chris Ecker)

MEINE LEHRTÄTIGKEIT 

Auf diese neue Aufgabe freue ich mich sehr! Mein lieber Schauspielkollege und Freund Morteza Tavakoli eröffnete am 13. Jänner seine Schauspielschule „Acting Center Tavakoli“, an der ich Sprechtechnik und Basics für angehende SprecherInnen unterrichten werde. Das Schulsystem des ACT ist nach dem Modell der amerikanischen Acting Studios aufgebaut, das Kursangebot reicht von Camera Acting über Körperarbeit nach der berühmten Alexander Technik bis hin zur Basisausbildung zum Studio­sprecher. Morteza und ich haben gemeinsam die ORF-Serie „Janus“ gedreht; er wusste, dass ich seit fast zehn Jahren als professionelle Sprecherin in den Bereichen TV, Hörfunk und Werbung arbeite. Da ist er kurzerhand auf mich zugekommen, hat mir bei einem Kaffeetratscherl sein Konzept vorgestellt und mich gebeten, in sein Team zu kommen. Ich war sofort überzeugt, das ist eine tolle Chance, mit großartigen Leuten vom Fach ein neues, junges und frisches Trainingsmodul im Bereich der Schauspielausbildung zu etablieren. Mein Mann ruft mich schon jetzt zum Spaß „Frau ‘Fessa“! Wen es interessiert: www.actingcentertavakoli.com

DIE ZUKUNFT 

In diesem Jahr möchte ich mich in verschiedener Hinsicht auf Reise begeben. An Orte, an denen ich noch nie war und an die zu gelangen ich mir schon lange wünsche. Das beinhaltet geistige Orte, wie zum Beispiel jene Zone des kreativen Schreibprozesses, die jeder Buchautor für sich bereisen muss. Aber auch physische Orte sind damit gemeint: Heuer stehen Tokio, Schweden im Sommer, Grönland und Vermont zum Indian Summer auf der Liste. 

 
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(© Chris Ecker)