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People | 07.07.2022

Monika & ihre Engel

Monika Steiner. Bernarda Bobro. Monika Schwabegger. Ausgehend von Mendelssohn Bartholdys „Elias“ widmet sich das Festival Retz mit einem Oratorium in szenischer Aufführung höchst aktueller Themen. Vom 7. bis 24. Juli 2022. www.festivalretz.at

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(© Festival Retz)

In Szene gesungen. In Worte gefasst. Regisseurin Monika Steiner rückt das fragile Seeleninnere der Titelfigur Elias ins Zentrum der Handlung. Mit Bernarda Bobro (Sopran) und Monika Schwabegger (Mezzosopran) besetzen zwei erstklassige Solistinnen die Rollen Witwe/Engel und Königin/Engel.

NIEDERÖSTERREICHERIN: Frau Steiner, welche aktuelle Botschaft beinhaltet Ihre Inszenierung?
Monika Steiner: Obwohl der Text des Oratoriums auf einer 2.500 Jahre alten Geschichte aus dem Alten Testament fußt, ist der gesellschaftspolitische Inhalt auch heute relevant: Der Prophet Elias geißelt das Volk Israels im Namen seines Gottes mit einer jahrelangen Dürre. Hunger und ein blutiger Religionskrieg sind die Folge des Kampfes um Ressourcen, um die Macht und die Deutungshoheit – heute würde man sagen, die mediale Vorherrschaft. Elias selbst ist ein zutiefst zerrissener Charakter mit einer ausgeprägten Persönlichkeitsstörung, die sich in manischen Höhenflügen abwechselnd mit tiefer Depression zeigen. Er begegnet in diesen Zuständen aber nicht nur Schuldgefühlen bis hin zu Suizidgedanken, sondern, gestützt von seiner Gläubigkeit, auch seinen Engeln – die ihn durch das ganze Stück in verschiedensten Ausformungen begleiten. Über allem steht die Musik von Mendelssohn Bartholdy, mit packenden Chören, mitreißenden Arien und Ensembles, die die Zuhörer in ihrer Intensität und Schönheit berühren und begeistern ...

Frau Bobro, das Festival Retz steht für offene Grenzen, Sie sind gebürtige Slowenin. Welches besondere Zeichen der (Völker-)Verbindung vermag die Musik zu leisten?
Bernarda Bobro: Ich stamme aus einem kleinen Ort, der von der Mur getrennt wird. Auf einer Seite ist Mureck, auf der anderen Trate, von Einheimischen Cmurek genannt. Ich bin oft über die Brücke ins Nachbarland gegangen, wo zwar eine andere Sprache gesprochen wird, aber dennoch alles so vertraut ist. Daraus entstand die Idee, in Graz Musik zu studieren. Damals sprach ich – wie viele meiner Studienkollegen aus aller Welt – kein Deutsch. Die Sprache der Musik kannte aber jeder, sie hat uns auf der Suche nach der Schönheit vereint. Ein Fluss zieht also keine Grenzen, er fließt nur seinen Weg.

Frau Schwabegger, Sie sind Stimmbildnerin am Konservatorium für Kirchenmusik der Diözese Linz. Was fasziniert Sie an der Kirchenmusik?
Monika Schwabegger: Als Kirchenmusikerin begleite ich aktiv einen mystischen Prozess und schaffe durch die Musik eine Brücke zum Kirchenvolk. Die Menschen „hören“ und wir „ge-hören“ plötzlich auf wundersame Weise zusammen. Das „Wir-Gefühl“ entwickelt sich leichter – ein unschätzbarer Wert in Zeiten der Pandemie … Andererseits schafft die Kirchenmusik für viele Menschen ein Umfeld, sich einbringen zu können. Junge Menschen können sich hier oft zum ersten Mal in die Öffentlichkeit trauen, sich zeigen und dabei wachsen. Abseits von Musikschulkonzerten werden sicher viele Musikerinnen und Musiker ihren ersten Auftritt in einem Kirchenraum erlebt haben.