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People | 12.07.2022

Pikant unter Perücken

Michou Friesz in drei Rollen. Sommerspiele Perchtoldsdorf, Tragikomödie „Molière oder Der Heiligenschein der Scheinheiligen“ vom 30. Juni bis 30. Juli, www.sommerspiele-perchtoldsdorf.at.

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(© Ingo Pertramer)

Zum fünften Mal arbeitet Michael Sturminger mit Michou Friesz zusammen,  erzählt die facettenreiche Schauspielerin im Interview. Nach „Bunbury“, „Onkel Wanja“, dem TV-Film „Die Unschuldsvermutung“ und „My Fair Lady“ an der Elbphilharmonie Hamburg folgt ein Homecoming bei den Sommerspielen Perchtoldsdorf; er ist dort langjähriger Intendant und heuer wieder Regisseur.

Vielversprechende Fotos! Welchen Verwandlungen unterziehen Sie sich auf der Burg?
Michou Friesz: Heuer spielen wir alle mindestens zwei Rollen und werden uns viel umziehen; Kostüm und Bühne machen Marie und Paul Sturminger immer ganz toll!  Ich bin zu Beginn eine Schauspielerin aus Molières Truppe, dann ein Mönch in Kutte und schließlich Ludwig XIV. mit Perücke und allem Chichi.

Wie tauchen Sie in Ihre Rolle ein?
Ich hab‘ mich, weil das auch der größte Part ist, auf den Sonnenkönig gestürzt, der schon mit fünf Jahren König wurde, sich wahnsinnig über die Künste definiert hat und Versaille bauen ließ. Ich habe Dokus und Filme gesehen, Bücher gelesen und so viel Interessantes gefunden. Für mich ist es besonders interessant, einen Mann zu spielen – und diese Macht, wo bis heute keine Gleichheit herrscht.

Worum geht es in der Tragikomödie „Molière oder Der Heiligenschein der Scheinheiligen“?
Der Schriftsteller Michail Bulgakow, der just aus Kiew stammt, hatte brandgefährlich gegen Stalin geschrieben, der Diktator verbot die Aufführung seiner Werke. Bulgakow konnte sich nur wehren, indem er in eben diesem Stück seine eigene Geschichte im Verhältnis zwischen Molière und dem König widerspiegelt. Das ist bewegend und aufregend, gerade jetzt.

Wie erleben Sie den Spielort?
Es ist abends wunderschön, wenn das Licht weniger und weniger wird, bis nur noch das Bühnenlicht da ist. Die Stimmung ist magisch vor der Burg und es ist herrlich, dass wir nach den Vorstellungen zu den Heurigen können (lacht).

Dramaturgin Angelika Messner verriet im Vorfeld, dass heuer viele Instrumente zum Einsatz kommen. Wie das?
Das hat sich so schön gefügt: Raphael Nicholas spielt Fagott, Hannah Rang Klarinette, Michael Pogo Kreiner ist auch heuer wieder als Musiker dabei, diesmal mit Orgel, Wojo von Brouwer spielt Klavier, es kommt noch eine Geigerin und eine junge Elevin spielt Harfe, das ist unglaublich toll! Wir üben auch schon gregorianische Choräle, die wir als Mönche singen, es wird sehr musikalisch.

 

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Aus dem Ensemble. Michou Friesz, Wojo van Brouwer, Emanuel Fellmer, Michael Pogo Kreiner (© Ingo Pertramer)