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People | 12.10.2022

"Ich fühlte mich nie allein"

Sabine Wagenhofer weint und strahlt zugleich, wenn sie über ihre Erkrankung spricht. Die Therapien waren eine Tortur, die Liebe und Unterstützung, die sie erfuhr, ein Geschenk, sagt die zweifache Mutter.

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Shooting für die Seele. Vor der Linse von „feel again“-Fotografin Birgit Machtinger (© Birgit Machtinger/feel again)

Sie haben ein altes Haus gekauft. In Fahrafeld, dort wo sie aufgewachsen sind, wo ihr Mann Feuerwehrkommandant ist. Sie haben Wände eingerissen, das Haus wird renoviert und komplett umgebaut, ganz nach dem Geschmack der Familie mit den zwei Jungs. Vorerst leben sie in einer Wohnung, das neue Zuhause ist noch Baustelle. Trotzdem fährt Sabine Wagenhofer sehr gerne dorthin, setzt sich mit einem Kaffee in den wildromantisch verwachsenen Garten mit den Bäumen und Sträuchern. „Es ist mein Kraftort“, sagt sie.
Ihren Ehemann kennt sie seit Kindertagen, „der beste Freund meines Bruders“, schmunzelt sie. Sie sind seit vielen Jahren ein Paar und bereits Eltern von zwei Söhnen, als sie beschließen zu heiraten. Ein halbes Jahr später bekommt sie 35-jährig die Diagnose Brustkrebs.

Es war im Dezember 2018, als sie einen Knoten ertastete. Sie war Brustschmerzen und kleinere Verhärtungen während der Menstruation gewöhnt, im Jänner stand ein geplanter Kontrolltermin an, sie wollte zunächst zuwarten. „Mein Mann hat noch zu mir gesagt: ,Sabine, ich seh‘ doch, dass es dich beunruhigt.‘ Dann habe ich doch um einen Termin gebeten“, beschreibt sie. Es folgen eine Mammografie und auch gleich eine Magnetresonanz, die Biopsie bestätigt die Befürchtung. Danach kam eine Weihnachtszeit, die den Eltern von einem damals Drei- und einem Fünfjährigen emotional viel abverlangte. „Ich musste sehr viel Stärke aufbringen“, erinnert sie sich. Gleichzeitig will sie betont wissen, wie professionell und mit welch schnellem Tempo das Krankenhaus Wiener Neustadt sich um sie kümmerte.

Gleich im Jänner darauf starteten die Chemotherapien, dreiwöchentlich, bis Juni; jede einzelne zwang Sabine, jeweils einundeinhalb Wochen zu liegen und – was sie am meisten schmerzte: Sie nahmen ihr die Kraft, sich um die Kinder kümmern zu können.

„Aber es war nicht alles schlecht“, sagt sie immer wieder in diesem Interview, tupft sich die Tränen ab und lächelt im nächsten Moment: „Ich bin voller Dankbarkeit, für meine Familie, Freunde und meine Kollegen.“

 

Unvergessliches Geschenk. Sabine Wagenhofer wuchs mit zwei älteren Brüdern auf einem Bauernhof auf, sie war schon jung fasziniert von Zahlen, da absolvierte sie eine Lehre bei einem Steuerberater. Mit Anfang 20 kommt sie zu Berndorf Metall- & Bäderbau und bleibt der Firma bis heute treu; nach der Karenz arbeitet sie im Qualitätsmanagement. „Man muss sich das vorstellen: Ich habe mich in den Weihnachtsurlaub verabschiedet und musste danach sofort mit der Chemo beginnen“, schildert sie. „Aber sowohl die Geschäftsführung – und die war zu dem Zeitpunkt noch dazu ganz neu – als auch das ganze Team waren immer verständnisvoll, niemand hat mir je Druck gemacht.“ Mehr noch: Um zu zeigen, wie sehr sie hinter Sabine stehen, formierte sich die ganze Belegschaft im Firmengarten zu einer Schleife, nahm rosarote Heliumluftballons in die Hand, und ließ sich fotografieren. Das Bild in Großformat schenkten sie ihrer Kollegin mitsamt eines wertvollen Geschenkkorbes, der in ihrer Apotheke eigens für sie zusammengestellt wurde. „Das war so eine unglaublich große und schöne Geste.“

 

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Zauberhafte Schnappschüsse.
Vom „feel again“- Wohlfühlvormittag für Brustkrebs-Patientinnen
(siehe Bericht weiter unten)

 

(c) feel again

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Zauberhafte Schnappschüsse.
Vom „feel again“- Wohlfühlvormittag für Brustkrebs-Patientinnen
(siehe Bericht weiter unten)

 

(c) feel again

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Zauberhafte Schnappschüsse.
Vom „feel again“- Wohlfühlvormittag für Brustkrebs-Patientinnen
(siehe Bericht weiter unten)

 

(c) feel again

Friseur am Stockerl. Dass sie eines morgens aufwacht und der Kopfpolster voller Haare ist, darauf wollte Sabine nicht warten. „Für mich war klar: Ich lasse das nicht passieren, ich wollte entscheiden.“ Sie lud eine gute Freundin ein, damit sie ihr die Haare schneidet, die Kinder waren mit dabei; sie sollten sich nicht von einem plötzlichen Anblick schrecken. „Schließlich stand der Kleine am Stockerl und hat mir die Haare abrasiert“, erzählt sie.

Mit der Perücke tat sie sich anfangs schwer. Eines Abends kam ihr Mann von der Arbeit heim und sagte ihr, sie soll was Schönes anziehen, er wollte sie ausführen. „Ich hab‘ ein Kleid mit dünnen Trägern getragen, aber es fühlte sich so nackt an, da nahm ich das erste Mal meine Perücke“, erinnert sie sich. Als sie danach im eleganten Lokal zum Tisch ging, wurde ihr bewusst: „Es war seit Langem das erste Mal, dass ich mir gedacht habe: Ich gehe in einen Raum und werde nicht angeschaut. Ich habe mich sicher gefühlt.“ Sabine sprach stets offen über ihre Erkrankung, aber es tat ihr schlicht gut, an diesem besonderen Abend und nicht pausenlos damit konfrontiert zu sein.
Wie ihr Mann mit all dem umging? Auf die Frage rollen ihre Tränen abermals – und wieder mit einem Lächeln auf den Lippen. „Ich habe den besten Ehemann auf der Welt“, sagt sie. „Er fängt mich immer wieder auf, er fährt zu jedem Krankenhaustermin mit. – Reden, das war und ist für uns immer das Wichtigste. Damit wir beide wissen, wie es dem anderen geht, welche Gedanken einen beschäftigen.“

Er ist Bauleiter, seine Anwesenheit vor Ort ist beruflich oft erforderlich. Dennoch gestand ihm das Unternehmen, wo er angestellt ist, die Flexibilität zu, sich für ihre Spitalstermine freizunehmen oder kurzfristig später zu kommen, um die Kinder versorgen zu können, „das ist nicht selbstverständlich“, sagt sie. „Wenn wir dann gemeinsam zur Chemo im Spital ankamen, ich mit Tagebuch und Tablet, er mit Laptop, hieß es auf der Station schon: ,Ah, wieder Bürotag!‘“
Im Sommer 2019 folgte Sabines erste Operation, eine Mastektomie mit gleichzeitigem Brustaufbau. Zunächst auf einer Seite, im Jahr darauf wurde die andere Seite behutsam angepasst.

Irgendwann schien es überstanden zu sein. Bis die letzte halbjährliche Kontrolle vor wenigen Monaten erhöhte Tumormarker aufwies. Zwei Untersuchungen später folgte die Gewissheit: Metastasen in der Wirbelsäule. Der Schock sitzt tief, doch Sabine verharrt nicht lange in der Starre. Sie hört auf ihre Ärztin, die ihr sagt, dass das mit einer Tablettenchemo gut in Schach zu halten sei, sie wendet sich an die Krebshilfe Niederösterreich, wo ihr die psychoonkologische Betreuung stets Kraft gibt und sie ruft die befreundete Brustkrebs-Aktivistin Claudia Altmann-Pospischek an: „Sie sagte: ,Sabine, so schrecklich die Diagnose jetzt auch ist, daran stirbst du nicht.‘ Ich habe ihre Worte noch im Ohr, sie helfen mir sehr.“
„Heute denke ich: Ja, ich bin unheilbar chronisch krank. Ja, es gibt gute und böse Tage, aber: Ich will meine Krankheit nicht überhandnehmen lassen. Mein Mann, meine beste Freundin, unsere Familien und überhaupt unsere Freunde waren und sind so viel für mich und für uns da; ich hatte nie das Gefühl, allein zu sein. Mit diesem Umfeld schaffe ich das“, ist sie überzeugt und öffnet sich im Geiste jedes Mal aufs Neue das Fenster in ihre Zukunft, wenn sie zur Baustelle für ihr neues Zuhause fährt.

 

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Stärkendes Geschenk. Sabines Kolleginnen und Kollegen formierten sich zu einer rosa Schleife und schickten ihr das Foto mitsamt einem schönen Geschenkekorb.

Trotz Chemo: Wieder strahlen dürfen

feel again. Die Tortur der Chemotherapie und der OP hinterließ Spuren, umso schöner erlebte Sabine Wagenhofer den „feel again“-Wohlfühlvormittag, eine besondere Initiative für an Brustkrebs erkrankte Frauen: Visagistin Catharina Flieger schminkt und gibt Tipps, Birgit Machtinger lädt zum Shooting. „Catharina hat mir Augenbrauen und ein Gesicht gezaubert und ich mochte sogar die Fotos, die Birgit ohne Perücke von mir gemacht hat. Sie machen das mit viel Herzenswärme, das zu erleben nach einer schlimmen Zeit gab mir sehr viel Kraft.“ Damit es „feel again“ auch weiter gibt, sucht das Duo dringend Sponsoren.   
www.feelagain.at

 

 

Catharina Flieger und Birgit Machtinger

(c) Harmut Schäfer/Berndorf Bäderbau)

Pinke Partys für eine gute Sache

20 Jahre Pink Ribbon: Events mit wertvollen Infos, Showacts und Shoppingspaß in Perchtoldsdorf und Krems

Die Krebshilfe Niederösterreich hält natürlich das ganze Jahr über ihre Pforten offen, um Betroffene und Angehörige zu unterstützen; im Oktober gibt es aber wieder zwei besondere Veranstaltungen, die die Pink-Ribbon-Aktion und damit die  Solidarität für an Brustkrebs Betroffene und die Vorsorge in den Mittelpunkt rücken.

Das pinke Event auf der Burg Perchtoldsdorf steigt am 1. Oktober um 17 Uhr: Mit dabei sind das hin- und mitreißende Kabarettduo „Rosabell“ sowie die „Rotgipfler“, außerdem locken feine Läden aus der Region mit Specials zum „Pinken Pausenshopping“.

Das Kremser Bühl Center lädt am 22. Oktober zum Pink-Ribbon-Aktionstag. Vor Ort gibt es Infos zum Brustkrebs-Früherkennungsprogramm, Therapieoptionen und zur HPV-Impfung, umrahmt von einem schönen Programm mit Charity-Tombola mit tollen Geschenken aus den Center-Shops und einem Auftritt von Alternative R‘n‘B- und Pop-Newcomerin Nnoa.

perchtoldsdorf-for-pinkribbon.at
www.buehlcenter.at

SPENDENKONTO

Österreichische Krebshilfe Niederösterreich
IBAN: AT90 5300 0032 5560 0590
BIC: HYPNATWWXXX

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Newcomerin. Musikerin Nnoa ist Stargast im Kremser Bühl Center.

 

(c) Maximilian Salzer

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Pointiert.
Das Duo Rosabell scherzt und singt auf der Burg Perchtolsdorf.

 

(c) Andrea Peller