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People | 28.03.2016

Was will Sissi hier?

In ihrem Erstlingswerk lässt Birgit Huspek keine Geringere als die Kaiserin Elisabeth auferstehen. Eine rasante Geschichte, vom „Sissi“-Casting bis in die Kaiservilla nach Bad Ischl – chaotisch-delikat und köstlich wie Veilcheneis …

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(© Eva Gaigg)

Kunst und Kultur begleiten sie seit ihrer Geburt. „Ich bin in Ostafrika aufgewachsen, habe ein paar Jahre in Italien, England und den USA verbracht, bin viel gereist. Davon habe ich echt viel nach Hause bringen können“, erzählt sie über ihr Leben, bevor sie Autorin wurde. Kommt man auf ihren Roman und die Hauptfigur der Geschichte zu sprechen, sprüht der charmanten jungen Frau (34) mit niederösterreichischen Wurzeln die Begeisterung geradezu aus den Augen. Fast könnte man meinen, man hätte Sophie vor sich – aber die gibt es ja nur im Plot: „Da kann es die schusselige Sophie kaum glauben: Auf der Society-Party ihrer Freundin wird sie für ein Casting entdeckt: die Hauptrolle in einem Sisi-TV-Dreiteiler. Um sich vorzubereiten, besucht sie an Kaisers Geburtstag Sisis Sommerresidenz in Bad Ischl und trifft dort eine Zeitreisende: die Hausherrin persönlich, im Nachthemd. Damit nimmt das Chaos seinen Lauf – und selbst die Kaiserin amüsiert sich dabei großartig …

Sie sind gelernte Buchhändlerin, und auch Ihre Hauptfigur, Sophie, arbeitet in einer Buchhandlung. Ein leiser Hinweis auf autobiografischen Inhalt?

(Lacht) Ein Hinweis vielleicht nicht, doch gewissermaßen habe ich mich tatsächlich unbewusst in den Roman geflochten – und das verleiht der Geschichte auch irgendwie einen persönlichen, besonderen Touch. In meinem Fall hatte ich einfach eine Art Trauerarbeit zu leisten. Denn Buchhändlerin im klassischen Sinn ist eine Art Privileg und heutzutage vielmehr ein Liebhaberjob oder eine Berufung, nicht nur ein Job.
Ich habe meinen Beruf damals an den Nagel gehängt, weil ich gespürt habe, dass ich in unserer schnellen Zeit inklusive Internet nicht mehr das ausleben kann, was den Beruf eigentlich tatsächlich ausmacht. Sophie kam mir da äußerst gelegen, denn sie kritisiert auf ihre leichte, liebenswürdige Art, dass eine echt gute Beratung leider nicht mehr erwünscht ist und von Konzernen auch nicht unterstützt wird. Dahingehend habe ich in Sophie tatsächlich die ideale Person gefunden, um mal so richtig auf den Tisch zu hauen!

Für Ihren Roman haben Sie sich intensiv mit der Lebensgeschichte der Kaiserin Elisabeth von Österreich auseinandergesetzt. Woher rührt Ihre persönliche Affinität zu „Sisi“?

Seit meiner Kindheit bin ich fasziniert von dieser intelligenten, sensiblen Frau, die leider zu modern für ihr Zeitalter gedacht hat. Ich habe einmal gelesen, sie hätte bereits damals zu einer demokratischen Regierungsform tendiert und war der Monarchie eher abgeneigt. Je älter ich wurde, desto mehr habe ich sie verstanden, nachempfinden können, warum sie sich in gewissen Lebensphasen in den Schönheitskult, das Reisen, den Sport geflüchtet hat. Sie war eine gebildete, kluge Frau, die einfach die negativen Komponenten ihres Daseins kompensieren musste. Ich hatte einerseits Mitleid mit ihr und andererseits habe ich sie bewundert. Meine Affinität zur historischen „Sisi“ entstand, als mir bewusst wurde, dass die Ernst Marischka-Filme mit Romy Schneider einfach nur ein romantisches Klischee sind, bei dem man „Sisi“ als liebes Mädchen vor Augen hat, dass aber die geschichtlichen Aspekte verschleiert werden.

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(© Eva Gaigg)

Glauben Sie, Elisabeth wäre eine glücklichere Frau geworden, wäre sie in unserer Zeit geboren?
 


Diese Frage ist umwerfend und sehr interessant. Nachdem ich mich für mein Buch sehr viel mit diesem Aspekt beschäftigt habe, denke ich, dass diese Frau vielmehr in die 1960er-Jahre gepasst hätte. In unserer Gegenwart hätte sie vermutlich ein anderes Unglück gefunden. Zwar wären die konservativ-biederen Zwänge weggefallen, sie hätte sich nicht mit dem spanischen Hofzeremoniell und anderem Quatsch plagen müssen und sie könnte sich freier bewegen, ich glaube aber, dass sie in der heutigen Mediengesellschaft doch wieder gejagt worden wäre. Toleranz und Wertschätzung würde sie aber heute bestimmt eher begegnen als damals … Aber ob sie glücklicher gewesen wäre, bleibt fraglich. Gerade dazu ist mein Buch ein kleines Gedankenspiel, auf lockere Art und mit großem Kontrast …

Nun ist es ja ziemlich mutig, in Ihrem Erstlingswerk gleich die Kaiserin auferstehen zu lassen, wenn auch nur als unruhestiftenden Geist. Ich zitiere: „Selbst mein Ururenkel, Herr Habsburg-Lothringen, war so vergnügt beim
Lesen, dass er das Buch auch in meiner Sommerresidenz, der Kaiservilla in Bad Ischl, auflegen hat lassen.“ Hatten Sie Hemmungen?
 


Nein. Doch ich bezeichne es als Ehre, dass Sie mich mutig nennen. In der heutigen Zeit empfinde ich es eher als Privileg, authentisch und ehrlich aufzutreten, obwohl es der mühsamere, jedoch nachhaltigere Weg ist. Ich möchte mich nicht verstellen müssen, nur damit mich andere gut finden. Ich bin gerne Birgit Huspek! Vielleicht klingt das ein bisschen frech – zumal manche das Gefühl haben könnten, dass alle Nachfahren der Habsburger verstaubt sind. Doch „unsere Hoheit“, der mit seiner Familie noch immer in den herrlichen Gemäuern der Kaiservilla in Bad Ischl lebt, hat viel Sinn für Humor. Schließlich kommt es auf den Respekt und die Achtung an, die man der Familie Habsburg entgegenbringt. Herr Mag. Habsburg-Lothringen hätte das Buch bestimmt niemals in seinem Haus geduldet, hätte es nicht einen erfrischenden Kontext. Diese Toleranz – auch seinen Vorfahren gegenüber – rechne ich ihm hoch an.

 

„In Florenz und Hastings kostete ich das Dolce Vita aus. Einige süße und weniger süße Erfahrungen reicher, kehrte ich in die Kaiserstadt Bad Ischl zurück.“ Birgit Huspek

 

 

Ihr Schreibstil wird als humorvoll-spritzig und voll österreichischen Charmes gelobt. Erlernt oder ein Naturtalent?

Ich behaupte beides, denn ohne gutes Handwerk kann man seiner kreativen Ader keinen freien Lauf lassen. Bin ich mit der Technik vertraut, bleibt für das Talent mehr Raum! Ein Architekt kann in seinem Studium noch so gute Noten gehabt haben – wenn er dann in der Praxis kein Einfühlungsvermögen und keine Vorstellungskraft mitbringt, was sein Kunde will, wird er sich ein bisschen hart tun. Daher: Wenn das Gefühl für ein Genre da ist, kommt der Stil ganz von selbst. (Lacht)

„Was will Sissi hier?“
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Lesen Sie die charismatische Erzählung, riechen Sie den Duft von Veilchen, lassen Sie sich die Worte wie Schokolade auf der Zunge zergehen – und entdecken Sie eine neue, verlockende Welt … ISBN: 978-3950409-0-8 Auch als E-book erhältlich! Preis: € 9,95