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People | 10.07.2019

"Ich fühle mich jung!"

Top. Dagmar Koller feiert im August ihren 80er – und sie hat noch viel vor. Mit dem Wohnmobil will die Bühnenlegende durch Amerika düsen und auch Hawaii steht auf ihrem Plan. Denn sie ist voller Lebensfreude und Elan.

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HOMMAGE AN DAGMAR KOLLER. Am 1. September findet in der Volksoper Wien die „Hommage an Dagmar Koller“ statt. www.volksoper.at ©Arman Rastegar

"Eine Frau wird nie alt, wenn sie lustig ist und sich pflegt. Und ich pflege mich täglich stundenlang."

Dagmar Koller, jugendlich fit und ohne Schönheits-OP´s

Chapeau! Diese Frau ist eine Wucht! Nicht nur ihre Disziplin und Vitalität sind beachtlich, sondern auch ihre Lebensfreude und ihr Humor beeindrucken. Dagmar Koller sprudelt, wenn sie von ihrem Leben erzählt. Und sie strahlt und lacht. Selbst von harten Schicksalsschlägen, Neidern und schwierigen Anfängen in ihrer Karriere ließ sich die gebürtige Kärntnerin, die in recht bescheidenen Verhältnissen aufwuchs, nicht unterkriegen. Denn sie wusste stets, was sie wollte, und blieb sich selbst treu. Und heute blickt sie auf ein sehr erfülltes, glückliches Leben zurück. 

Dankbar und demütig. Sie habe viel mehr erreicht, als sie sich je erträumt hatte, gesteht die 79-Jährige beim Interview in ihrer Wiener Innenstadtwohnung, wo einem aus jeder Ecke Helmut Zilk – ihr Lebensmensch – entgegenlächelt. Die schwere Krise 2008 – zuerst starb ihre Mutter, zwei Monate später, im Oktober, ihr Ehemann – hat sie enorm viel Kraft gekostet. Vier Jahre lang lebte sie sehr zurückgezogen, geradezu versteckt, um ihre Seele zu schützen. Die Seele dürfe nämlich nie verletzt werden, das Herz lasse sich früher oder später wieder kitten, eine verwundete Seele kaum.

Anlässlich ihres 80ers am 26. August, den Koller mit Freunden in Portugal feiern will, erscheint übrigens auch das neue Buch „Dranbleiben! Wie man auf dem roten Teppich bleibt – oder elegant runterkollert“.

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Strahlend. Helmut Zilk und Dagmar Koller: Hochzeit im Juli 1978 in Wien. Dabei wollte sie – ein Freigeist – nie heiraten. ©picturedesk.com

look: Wie geht es Ihnen angesichts Ihres runden Geburtstages?

Dagmar Koller: 79 fühlt sich super an, denn so lange ich einen 7er davor habe – und sieben ist meine Glückszahl – ist alles gut. 80 hingegen ist eine unangenehme Zahl für eine Frau. Ich bin ja der Meinung, dass eine Frau nie alt wird, wenn sie lustig ist und sich pflegt, und ich pflege mich jeden Morgen stundenlang. Ich war immer eine Ästhetin und auch wenn ich kein Geld hatte, war ich stets gut angezogen. Wenn ich Ihnen gestehe, dass diese gelbe Bluse, die ich anhabe, aus der Hippiezeit stammt, glaubt mir das keiner (lacht).

Und das Mascherl am Hals?

Das ist von Hermès und gehört eigentlich auf ein Handtascherl, aber für Sie trage ich es heute um den Hals, den ich leider verdecken muss (lacht).

Sie sind bekannt für Ihre eiserne Disziplin mit täglichem Training und sehr wenig Essen ...

Ich mache jeden Tag am Morgen zehn Minuten lang meine Übungen, vor allem Dehnen, weil ich fit und beweglich bleiben will. Aber essen tu ich schon gern. Erst gestern war ich mit einem lieben Freund im „Fabios“ und da genieße ich dann eine Vor- sowie eine Hauptspeise, halte mich aber tags darauf gleich wieder zurück. Denn ich will mein Gewicht halten. Als junges Mädchen beim Ballett war ich ja zu dick.

Apropos: 1956 war Ihr erster Auftritt als Ballettelevin in der Volksoper. Können Sie sich daran noch erinnern?

Ja, sicher. Ich kann mich sehr gut erinnern. Wir mussten ja vortanzen und zu mir haben sie gesagt: „Gell, du nimmst aber ab, weil sonst wird das nix mit dir.“ Dabei war ich gar nicht dick, sondern einfach zu muskulös. Damals wog ich 56 kg, heute knapp 52.

Haben Sie alles erreicht, was Sie sich als junge Frau erträumt haben?

Ich habe wesentlich mehr erreicht, als ich mir je vorgenommen habe. Eine gute Sängerin wollte ich sein, aber ich dachte nie, dass ich je die Chance kriege, in „Der Mann von La Mancha“ zu singen. Meine Lebensrolle! Das Musical habe ich in New York 17 oder 18 Mal gesehen und diese Rolle ist mir so ans Herz gewachsen, dass ich dann in Wien, als ich für „Das Land des Lächelns“ engagiert war, zum Rolf Kutschera, damals Direktor des Theaters an der Wien, sagte: „Wenn Sie das mal aufführen, möchte ich die Dulcinea sein.“ Und er hat geantwortet: „Geh, Frau Koller, das spielt bei mir eine Burgschauspielerin.“ Und ich dachte mir, dann singe ich die Rolle eben in ganz Deutschland, aber singen werde ich sie!

 

AUFREGEND.
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Entspannt am Strand in Portugal... ©Stefan Joham
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Koller neben Prinz Charles, BP Rudolf Kirch- schläger, Lady Diana & Helmut Zilk 1986 ©picturedesk.com
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und sexy als "Irma la Douce" 1973 ©picturedesk.com

Und dann haben Sie es doch auch in Wien gespielt?

Ja, weil dem Kutschera meine Zielstrebigkeit imponiert hat. Aber einfach war es nicht. Mein berufliches Glück fand ich zuerst in Berlin, danach erst in Wien.

Was waren denn Ihre drei wichtigsten Stationen in Ihrem Leben?

Zu meinen einschneidendsten Erlebnissen gehört meine Arbeit mit Josef Meinrad, meinem Mentor, und die Chance, nach Blanche Aubry die Dulcinea zu singen. Die zweitgrößte Sensation im Leben war, dass ich 1968 in der Carnegie Hall in New York – in der großen, echten wohlgemerkt, ich hab das Plakat noch – aufgetreten bin. Gemeinsam mit dem Johann Strauss Orchester. Das war ein riesiger Durchbruch! Und die dritte wichtigste Station war, die Frau von Helmut Zilk zu sein. Da brauchte man schon viel Kraft. Vor allem am Anfang.

Wie meinen Sie das?

Wenn wir gemeinsam ausgegangen sind, wurden oftmals Türen zugeknallt. Er hatte doch viele Frauen vor mir und die reagierten nicht nett. Mich hat es ja nie gestört. Im Gegenteil. Ich war ja dann auch mit einigen von ihnen befreundet.

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aszinierend. Dagmar Koller gesteht, dass sie immer sehr sparsam war – und noch ist. ©Arman Rastegar

"Das Herz muss dabei sein, bei allem, was man macht. Denn was man ohne Liebe tut, geht daneben."

-Dagmar Koller 

 

Und dann haben Sie ihn auch noch geheiratet ...

Dabei wollte ich gar nicht heiraten, weil ich ja ein Freigeist bin. Aber er bestand auf geordneten Verhältnissen, er wollte ja in der Politik Karriere -machen. Ich hab oft zu ihm gesagt: „Du hast mich eh nur geheiratet, weil du Stadtrat werden willst.“ (Lacht.) Umso mehr hat er mich aber geliebt. Heute noch finde ich kleine Zettel, die er mir täglich geschrieben hat. Er stand immer sehr früh auf und legte mir kleine Liebesbriefe vor die Schlafzimmertür. Ich glaube, dass ich seine große Liebe war.

Spüren Sie seine Gegenwart noch?

Ja, sehr. Und ich rede auch nach wie vor mit ihm. Wenn ich ihn am Friedhof besuche, haue ich mit der Hand auf den Grabstein und sage – sofern mir keiner zusieht – laut: „Ich bin wieder da. Und erzähle ihm alle Sorgen. Danach fühle ich mich besser. 

Sind Sie ein gläubiger Mensch?

Ich war und bin sehr gläubig, darum weiß ich auch, dass der liebe Gott uns zusammengeführt hat. Weil der Helmut war zwar katholisch getauft, aber nicht gläubig. Einmal in Graz habe ich ihn gezwungen, mit mir in den Dom zu gehen, weil ich beichten wollte. Und er meinte ganz spontan, er geht jetzt auch. Und als wir wieder rauskamen, fragte er mich: „Wie viele Vaterunser musst du beten? Sei ehrlich.“ „Zehn“, antwortete ich. Und er meinte entrüstet: „Was? Zehn? Ich muss nur zwei beten.“ Ist das nicht eine süße Geschichte?! Wir haben beide sehr gelacht.

Gestatten Sie die Frage: Haben Sie mit der Liebe abgeschlossen?

Nein, nie! Wenn ich keine Liebe mehr habe, dann wäre ich tot (lacht). Das Herz muss dabei sein, bei allem, was man macht. Denn was man nicht mit Liebe tut, geht daneben ... Natürlich hat das Umschwärmtsein schon nachgelassen, aber ein paar Verehrer gibt es nach wie vor.

 Was muss ein Mann haben, um Sie zu faszinieren?

Viel im Hirn! Auf den Körper bin ich nicht so fixiert, weil so schöne Männer, wie sie mir gefallen würden, gibt’s ja eh fast nicht (lacht).

Sie sind auf Instagram und Facebook. Wie aktiv sind Sie auf diesen sozialen Plattformen?

Ich poste auf Facebook nur noch selten etwas, weil man ja auch aufpassen muss, und zudem interessieren mich all die Essensfotos nicht. Und Instagram betreut ein Freund für mich. Aber ich wäre gern eine Bloggerin, die den Leuten zeigt, wie man sich anzieht, was man kombinieren kann usw. Auch Schminktipps hätte ich viele! Ich schminke und frisiere mich ja am liebsten selbst. Immer schon.

Was möchten Sie denn noch verwirklichen?

Mit dem Wohnmobil durch Amerika und durch Portugal bzw. Spanien. Das war immer mein Traum, aber das hat mich der Helmut nie lassen, weil er gemeint hat, spätestens nach der ersten Nacht im Wohnmobil muss er dann ständig ein Hotel suchen (lacht).

Sind Sie denn eine Abenteurerin?

Ja, sehr! Vor zwei Jahren war ich ganz alleine in Vietnam unterwegs. Und ich hab mich in Saigon total verlaufen, wusste nicht mehr, wo ich bin, und mit Englisch kam man auch nicht sehr weit. Jedenfalls hat sich ein junger Mopedfahrer meiner erbarmt, weil es auch schon dunkel wurde, und brachte mich zurück ins Hotel. Eineinhalb Stunden sind wir gefahren, stellen Sie sich das vor! Seither steige ich jedenfalls auf kein Moped mehr. Wenn man da nicht aufpasst, verbrennt man sich die Wadeln. Aber ich möchte mir unbedingt noch einmal eine Auszeit nehmen, um ein, zwei Jahre auf Hawaii zu leben. Oder zumindest die Karibik entdecken. Ich liebe die Sonne und die Hitze.

Was wünschen Sie sich zu Ihrem Geburtstag?

Eigentlich bin ich wunschlos zufrieden. Das Einzige, wonach ich mich noch sehne, wäre eine Reisebegleitung. Gern auch eine Frau. Ich mag jedenfalls nimmer allein Urlaub machen. Ansonsten habe ich mit dem Alleinsein kein Problem, schon gar nicht hier in dieser Wohnung. Aber ich freue mich doch, wenn mich ein Freund zum Essen ausführt oder ins Theater mitnimmt. Und Reisen macht zu zweit einfach mehr Spaß.

EIN ABWECHSLUNGSREICHES LEBEN.
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Helmut Zilk und Dagmar Koller mit Falco auf dem Opernball 1986 ©picturedesk.com
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Mit Opernstar René Kollo in "Das Land des Lächelns" 1974 ©picturedesk.com
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Die Sängerin, Tänzerin und Schauspielerin als VIP-Model beim Life Ball 1995 ©picturedesk.com
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und im Gespräch mit dem dreifachen Formel-1-Weltmeister Niki Lauda 1984. ©picturedesk.com

Berührend. Beim Hinausgehen passieren wir eine Garderobe, in der etliche Mäntel hängen. Dagmar Koller erzählt, sie habe als Teenager -einen -Hasenfellmantel bekommen, den sie auch mit 18 noch tragen musste, -obwohl schon ganz schäbig und löchrig. Sie habe sich so geschämt, dass sie später immer schöne Mäntel haben wollte. Naja, und jetzt besitzt sie eine schöne Sammlung. Vor allem auch eine voller einzigartiger Erinnerungen, um die