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People | 18.05.2020

Zuhause ist ein Gefühl

Den geplanten Start ihrer Tour im Frühling musste AVEC aufgrund des Corona-Shutdowns auf Herbst 2020 verschieben. Wie ihr aktuelles Album „Homesick“ entstand, warum sie offen über Depressionen spricht und wann sie zuletzt Heimweh gehabt hat, erzählt die 25-jährige Vöcklabruckerin im Interview.

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In ihrem Song „Heavy on my mind“ geht es um AVECs Erfahrungen mit Depressionen, Panikattacken und Selbstzweifeln, die die Sängerin ganz offen anspricht. ( © Kidizin Sane )

DIE OBERÖSTERREICHERIN: AVEC, wo erreichen wir Sie in dieser Zeit des Social Distancings?

AVEC: Daheim in Vöcklabruck und ich könnte mir derzeit keinen besseren Ort vorstellen. Ich bin froh, dass ich hier bin. 

Ihre Tour „Homesick“, die im Frühling starten hätte sollen, wurde auf Herbst 2020 verschoben. Wie groß war die Enttäuschung?

Seit Jänner lief es bei mir wie verhext, daher war der Tourstart im April ein Lichtblick für die ganze Band. Wir haben uns extrem darauf gefreut, die Songs auch endlich live zu zeigen. Als ich erfahren habe, dass die Tour verschoben werden muss, ist mein Herz schon ein bisschen gebrochen.

Wie haben Sie die Zeit zu Hause während des Shutdowns verbracht?

Gar nicht so viel anders, wie im normalen Alltag. Ich bin es gewohnt, von zu Hause aus zu arbeiten. Ich schreibe meine Songs hier, habe ein kleines Studio im Haus, gehe laufen, koche und lese. Der einzige Unterschied derzeit ist, dass ich nicht auf Promotion-Terminen unterwegs bin.  

Der Album-Name „Homesick“ passt gut zur aktuellen Situation. Menschen aus dem Ausland wurden heimgeholt, Familien sind wieder mehr zusammengewachsen. Wie ging es Ihnen in der Zeit des sozialen Rückzugs?

Natürlich habe ich die Band, die Crew und meine Freunde vermisst, aber wir haben uns mit Facetimen und Skypen ganz gut über Wasser gehalten. Ich bin froh, dass es diese Möglichkeiten gibt.

Mit welchen Mitteln halten Sie den Kontakt zu den Fans?

Facebook und Instagram sind optimal, um mit den Fans in Kontakt zu bleiben. Anfangs stand die Überlegung im Raum, den für 27. März geplanten Album-Release zu verschieben, aber das wollte ich nicht. Ich denke, dass das Album für einige Menschen ein Lichtblick ist und auch Hoffnung gibt. Für mich hat sich der Zeitpunkt einfach richtig angefühlt. 

„Homesick“ bedeutet Heimweh, wann hatten Sie zuletzt Heimweh? 

Das Albumkonzept zu „Homesick“ entstand vergangenes Jahr in Berlin. Ich war im Sommer einen Monat lang dort und es war aufregend, jeden Tag neue Leute kennenlernen zu dürfen. Aber es war mental auch sehr anstrengend, mich ständig fremden Menschen öffnen zu müssen. Ich durchlebte eine schwierige Zeit, gefolgt von Depressionen, Panikattacken und Selbstzweifeln. Als Mädel vom Land war ich von der Großstadt überfordert. Ich wollte nur mehr nach Hause, an meinen Songs schreiben und zur Ruhe kommen. In dieser Phase habe ich seit Langem wieder einmal das Gefühl von Heimweh verspürt. 

Auf dem neuen Album gibt es viele positive Stücke – einige Texte sind aber durchaus auch düster und nachdenklich. In Ihrem Song „Heavy on my mind“ geht es um Ihre Erfahrung mit Depressionen, Angstzuständen und Panikattacken. Fällt es Ihnen leicht, offen darüber zu reden und wie geht es Ihnen derzeit?

Ich finde es ganz wichtig, das Thema offen anzusprechen. Gerade am Land wird viel zu wenig darüber geredet. Dort werden Depressionen oder Panikattacken immer noch tabuisiert und nicht selten wird man als verrückt abgestempelt. Wie wichtig es ist, darüber zu reden, weiß ich aus eigener Erfahrung. Ich bin seit drei Jahren in Therapie. Das hilft mir enorm, man muss sich nicht schlecht fühlen. Ganz im Gegenteil, ich finde es mutig zu reflektieren. 

 

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Obwohl sie eher introvertiert ist, auf der Bühne ist AVEC zu Hause. ( © AVEC im WUK)

Das Album „Homesick“ ist erstmals in Eigenproduktion gemeinsam mit ihrem langjährigen Freund und Kollegen Andreas Häuserer in einem alten Bauernhaus in Oberösterreich entstanden. Wie lange dauert es, bis so ein Album fertig ist?

Eigentlich wollten wir anfangs nur vier Lieder rausbringen, aber ich war bereit für ein Album. Dennoch war es ziemlich stressig, zumal wir auch noch einige Konzerte zu spielen hatten. Im vergangenen November haben wir uns dann quasi einen Monat lang im Keller von Andis Elternhaus eingesperrt und machten die Pre-Construction. Das Recording ging schließlich im Dezember gemeinsam mit der Band in einem alten Bauernhaus in Regau über die Bühne. 

Sie sind in Vöcklabruck aufgewachsen, haben bereits mit fünf Jahren Geige spielen gelernt und mit zwölf  Jahren ihre ersten Lieder in Englisch geschrieben. Sind Sie familiär vorbelastet?

Meine Mama spielt Ziehharmonika und ich bin mit guter Musik – hauptsächlich 1980er-Jahre-lastig – aufgewachsen. Anfangs habe ich Gedichte auf Englisch geschrieben, die dann immer mehr zu Songs wurden. Songs zu schreiben, war für mich eine Form von Eigentherapie.  

Wie hat sich Ihre Musik seit den Anfängen verändert?

Das ist schwer zu sagen, aber man entwickelt sich weiter und man wächst mit den Aufgaben. Bei meiner ersten LP hatte ich, ehrlich gesagt, keinen Plan, ich wusste nicht, wo ich meinen Platz einnehmen sollte. Das neue Album haben wir erstmals selber produziert. Andi und ich sind im Lauf der Zeit auch immer mehr zusammengewachsen. 

Seid Ihr auch privat ein Paar?

Nein (lacht). Wir haben uns in der Schule kennengelernt und sind seit zehn Jahren Musikerkollegen. 

Wann war Ihr erstes Mal auf der Bühne?

Hm, da erinnere mich vor allem an die Vorspielabende mit der Geige. Später war ich dann in der HAK in Vöcklabruck in einer Theatergruppe. Schon damals durfte ich auf der Bühne meine Lieder spielen. 

Was inspiriert Sie?

Mein Leben, meine Geschichte, daher sind alle meine Songs autobiografisch. „Mona“ habe ich für meine beste Freundin geschrieben. Ganz viel Inspiration hole ich mir auch aus der Natur, ich brauche viel Freiraum und Luft.

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Ihre Songs schreibt die Sängerin und Songwriterin daheim in Vöcklabruck. ( © Christopher Hofbauer www.kidizin.com)

Für Ihr zweites Album „Heaven & Hell“ wurden Sie mit einem Austrian Music Award und dem Music Moves Europe Talent Award ausgezeichnet, die Single „Under Water“ schaffte es bis auf Platz 1 der österreichischen Airplay Charts. Haben Sie mit derartigen Erfolgen gerechnet? Was hält Sie am Boden?

Ich habe im Kinderzimmer begonnen und hätte nie damit gerechnet, dass einmal ein Song von mir im Radio gespielt wird oder dass ich auf großen Bühnen Konzerte spielen werde. Als ich im Vorjahr im Posthof in Linz vor vollem Haus aufgetreten bin, hatte ich Tränen in den Augen. Teilweise kann ich das alles selber noch nicht glauben. Es ist ein Privileg und ich bin sehr dankbar, weil es nicht selbstverständlich ist. Ich bin nicht der Typ, um abzuheben, zum Glück habe ich auch die passenden Leute in meinem Umfeld, die mich am Boden halten. 

Was wollen Sie mit Ihrer Musik erreichen?

So komisch das auch klingen mag, aber ich bin keine Person, die gerne im Rampenlicht steht. Mir geht es vor allem darum, Musik zu machen und den Menschen damit Freude zu bereiten. 

Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?

Musik! Und ich höre auch gerne Musik. Ansonsten gehe ich gerne laufen, wandern, aber auch kochen und lesen taugen mir – also nichts Aufregendes.

Welche Musik hören Sie gerne?

Quer durch. Ich mag auch klassische Musik, na ja und ich bin nach wie vor ein totaler Fan der „80er“. 

Welche Ziele stehen in den nächsten Jahren an?

Ich hoffe, dass ich weiterhin Musik machen darf. Ich hoffe, dass wir noch viele Songs rausbringen und auf Tour gehen werden, dafür brennen wir. Man weiß nie, was passieren wird. Darum einfach alles genießen und schauen, dass es so weiter geht.

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NEUES ALBUM. Den Song „Mona“ hat AVEC für ihre beste Freundin geschrieben.